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Eine Bombe im Rettungswagen und das beredte Schweigen des Ministers: der Terror und die schwierige Suche nach der Wahrheit

Bundesinnenminister Thomas De Maiziere bei der Pressekonferenz in Hannover
Bundesinnenminister Thomas De Maiziere bei der Pressekonferenz in Hannover Foto: dpa

Die Lage in Deutschland sei "ernst". Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat mit einer kryptischen Erklärung für Irritation und Verunsicherung gesorgt. Obwohl er gerade dies nach eigenen Aussagen vermeiden wollte. Einen Tag später hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Kurzauftritt überhaupt keine Informationen für die Medien. Für Berichterstatter eine komplexe Situation. Die Exklusivmeldung eines Regionalblatts über eine Bombe im Rettungswagen zeigt, wie schwierig die Suche nach der Wahrheit ist.

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Es habe „konkrete Hinweise“ auf einen Terroranschlag beim für gestern angesetzten Freundschaftsspiel zwischen der deutschen und der niederländischen Nationalmannschaft gegeben. Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch erklärt hatte, habe die Bundesregierung „im Zweifel für die Sicherheit“ die „schwierige Entscheidung“ getroffen, den Event kurzfristig abzusagen. Mehrere Stunden gingen Beamte nach der Evakuierung des Stadions am Dienstagabend auf die Suche nach Sprengstoff, durchkämmten Tribünen, filzten Fahrzeuge, ließen Sprengstoffhunde an allem schnüffeln, das verdächtig schien.

Das Ergebnis laut Aussage des niedersächsischen Innenministers Pistorius: keine Sprengstofffunde und keine Festnahmen rund um das Stadion in Hannover. Also falscher Alarm? Gab es eine leere Drohung? Oder waren die Informationen, die einigen unbestätigten Medienberichten zufolge vom französischen Geheimdienst übermittelt worden sind, falsch? Unklar. Denn dazu äußerte sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière, der die Pressekonferenz mit seinem Landeskollegen gemeinsam gab, bislang nicht. Die Gefährdungslage Deutschlands sei „wirklich hoch“, betonte er. „Ich möchte mich zu den genauen Hintergründen zu den Hinweisen nicht äußern. Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern, zum Teil würde eine Aussage, die ich jetzt machen würde, dazu führen, dass wir demnächst keine Hinweise mehr bekommen.“

Was er damit meinte, war und ist ein Rätsel: für die Menschen und nicht weniger für die Medien, die seit Tagen versuchen, die Geschehnisse zu ordnen und einzuordnen. Der Bundesinnenminister, der bei vielen schon vor den dramatischen Ereignissen als überfordert und als Fehlbesetzung galt, hatte dem Land einen Bärendienst erwiesen und die Angst eher noch geschürt statt die Situation mit seinen Aussagen zu beruhigen. Und keiner weiß Genaues.

So fand sich gestern bundesweit in zahlreichen Medien eine „Exklusiv-Meldung“ der kleinen Syker Kreiszeitung wieder, dessen Wahrheitsgehalt umstritten ist. Denn dem Bericht zufolge sei in der Nähe des Stadions „ein Rettungswagen mit Sprengstoff entdeckt worden“.

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Die Nachricht blieb auch nach der Pressekonferenz mit dem Dementi des niedersächsischen Innenministers weiterhin online, stand am Tag darauf auch auf der Titelseite der gedruckten Kreiszeitung und wurde sogar – mit einem Fragezeichen – auf Seite 1 der Bild-Zeitung gedruckt.

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Während die Zeitung die Information über den Bomben-Krankenwagen lediglich im Text verwendete, machte die Online-Redaktion daraus eine eigene Meldung und verzichtete auf eine Quellenangabe. Im Blatt hieß es lediglich, die Information stamme aus einer „sicheren“ Quelle. In Redaktionskreisen spricht man weiter von einem „hochrangigen“ Hinweisgeber und bleibt bei der Darstellung.

Nach Behördenangaben steht mittlerweile fest, dass es in Hannover zu einer kontrollierten Sprengung einer Bombenattrappe kam, die in einem IC gefunden worden ist. Wie genau sie dorthin gekommen ist, wurde jedoch noch nicht geklärt. Der Fund der Attrappe führt allerdings zu einer weiteren Frage: Wenn Behörden den Fund einer ursprünglich mutmaßlichen Bombe in einem Zug bestätigen, wieso sollte man dann einen Fund an einer echten Bombe in der Nähe des Stadions möglicherweise verheimlichen wollen? Weil es sich um einen Krankenwagen gehandelt haben soll? Weil ansonsten noch mehr Fragen gestellt würden? Beispielsweise, ob es Sicherheitsmängel gegeben haben könnte?

Die Informationspolitik der Bundesregierung ist vielleicht als Sicherheitsmaßnahme gedacht und gut gemeint – doch ist Verunsicherung, wie sie aktuell in Teilen herrscht, ein Effekt, auf den es potenzielle Attentäter absehen dürften: der Angst in den Köpfen.

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Alle Kommentare

  1. Sollte es einen Terroranschlag in Deutschland geben, sind Frau Merkel und ihre Regierung dafür verantwortlich. Seit Jahren betreibt man eine Ausländerpolitik, die es den Radikalen leicht macht, sich zu organisieren. Gibt es Oppositition dagegen, wird diese bekämpft, d.h. als Rechtsradikal usw. verleumdet, und zwar auch die Leute, die sachliche Argumente haben. Und dass neben echten Flüchtlingen auch Verbrecher die Gelegenheit nützen, einfach nach Europa einzuwandern, war doch von Anfang an klar.

  2. Die Kreiszeitung ist weder klein noch ein Anzeigenblatt. Sondern eine mittelgroße regionale Tageszeitung aus der Ippen-Gruppe.

  3. Die Kreiszeitung ein „kleines Anzeigenblatt“? Das Blatt rangiert immerhin unter den größten niedersächsischen Tageszeitungen.

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