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Isobel Bowderys Facebook-Post: Die Frau, die dem Grauen in Paris eine Stimme gibt

Nach den Anschlägen in Paris veröffentlichte Isobel Bowderys dieses Posting
Nach den Anschlägen in Paris veröffentlichte Isobel Bowderys dieses Posting

Isobel Bowery ist beim Attentat im Pariser Club Bataclan nur knapp dem Tod entkommen. Wieder in Sicherheit, hat die 22-jährige Südafrikanerin das Massaker in einem ergreifenden Facebook-Post beschrieben und gleichzeitig einen tiefen Einblick in ihre Gefühlswelt gegeben. Der Eintrag trifft die Menschen ins Herz – und erhält bereits während der ersten 24 Stunden mehr als 2 Millionen Likes.

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Jede Katastrophe braucht ein Gesicht, ein Symbol, das die Schrecken erst visualisierbar macht – das ist der mediale Automatismus, der in Zeiten von Gewalt immer wieder greift. Der Wahnsinn des Vietnamkrieges fand seinen Ausdruck im schreienden, nackten Mädchen, das vor der Napalmbombe flieht, die Anschläge vom 9/11 in im „Engel aus der Asche“ , die Flüchtlingskrise im toten Baby am Strand einer griechischen Ägäis-Insel.

Die furchtbare Anschlagserie in Paris findet ihr Ventil in den sozialen Netzwerken in einem bewegenden Facebook-Post einer 22-jährigen Südafrikanerin, die beim Rockkonzert der Eagles of Death Metal im Club Bataclan Zeuge des Attentats wurde, bei dem mehr als 80 Menschen starben.

„Du denkst, das wird dir nie passieren“

Isobel Bowdery beschreibt die Geschehnisse in einem 650 Wörter langen Post auf Facebook, zu dem sie das Foto ihres blutverschmierten Oberteils hinzufügt. „Du denkst, das wird dir nie passieren“, beginnt Bowdery und schildert dann in verstörender Eindringlichkeit, was sich am Freitagabend um kurz vor 22 Uhr im Club Bataclan ereignete: die Ungläubigkeit des Publikums nach den ersten Schüssen, das Ausmaß des Massakers, das Chaos nach ihrer Rettung.

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„Schockiert und allein, habe ich mich für mehr als eine Stunde tot gestellt, ich lag unter den Menschen, die ihre Lieben regungslos liegen sehen konnten. Ich habe den Atem angehalten und versucht, mich nicht zu bewegen, nicht zu weinen…“

you never think it will happen to you. It was just a friday night at a rock show. the atmosphere was so happy and…

Posted by Isobel Bowdery on Saturday, November 14, 2015

Ergreifend schildert Bowdery, wie sie in jener endlosen Stunde mit dem Äußersten rechnete: „Als ich im Blut von Fremden lag und darauf wartete, dass eine Kugel meine gerade 22 Jahre beendete, stellte ich mir jedes Gesicht vor, das ich jemals geliebt habe und flüsterte: Ich liebe dich. Wieder und wieder. Reflektieren über die Höhepunkte meines Lebens. Hoffend, dass die, die ich liebe, wissen, wie sehr, hoffend, dass, egal, was mit mir passierte, sie nicht den Glauben in das Gute im Menschen verlieren…“

Isobel Bowderys Facebook-Eintrag berührt die Menschen, weil er das Unbegreifliche greifbarer macht. Mehr als 700.000 Mal wurde der Post geteilt, mehr als 100.000 Nutzer folgen der 22-Jährigen von gestern auf heute. Binnen 24 Stunden wurde das Foto bereits mehr als zwei Millionen mal gelikt. Nichts wird Bowdery aber wohl gleichgültiger sein als ein möglicher, trauriger Facebook-Rekord.

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