„Durchgeknallt“: Welt-Chefredakteur verurteilt Posting von Matthias Matussek zum Terror in Paris

Journalist Matthias Matussek hatte im November 2015 mit einem Facebook-Posting provoziert und anschließend seinen Job verloren
Journalist Matthias Matussek hatte im November 2015 mit einem Facebook-Posting provoziert und anschließend seinen Job verloren

Publishing Die Terroranschläge von Paris versetzen die ganze Welt in Schock und in Trauer – fast die ganze Welt. Denn prompt nutzen Rechte die Gewalttaten in Frankreich, um gegen Flüchtlinge zu agitieren. Auch der langjährige Spiegel-Autor und derzeitige Welt-Kolumnist Matthias Mattusek hat ein Facebook-Posting veröffentlicht, das sein Chefredakteur Jan-Eric Peters am Samstag verurteilte und als "durchgeknallt" bezeichnete. Bei Springer prüft man nun Konsequenzen, eine Trennung von Matussek scheint nahe.

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Unmittelbar nach den Anschlägen in Paris, bei denen Mindestens 129 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 350 Menschen verletzt worden sind, setzte Matussek bei Facebook mehrere Postings ab. Zu diesem Zeitpunkt war noch ungeklärt, wer überhaupt hinter den blutigen Attacken steckt. Für Matussek schien schnell klar, dass die Anschläge (wie mittlerweile bestätigt) von der Terrororganisation Islamischer Staat verübt worden sind. Statt die Radikalen zu verurteilen, zog der Welt-Kolumnist eine Verbindung zur Flüchtlingswelle und schloss sein Posting wenig passend mit einem lächelnden Smiley.

Ich schätze mal, der Terror von Paris wird auch unsere Debatten über offene Grenzen und eine Viertelmillion unregistrierter junger islamischer Männer im Lande in eine ganz neue frische Richtung bewegen.. 🙂

Posted by Matthias Matussek on Friday, November 13, 2015

Matussek nutze die Anschläge, um alle „islamischen Männer“ unter Generalverdacht zu stellen. Ein Verhalten, das einen nur übel aufstoßen lassen kann. So unter anderem auch Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, der das Posting in den Beitragskommentaren als „ekelhaft“ bezeichnete.

Via Twitter kritisierten u.a. auch die Medienjournalisten Stefan Niggemeier und Anette Milz Matusseks Posting.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Matussek auffällig verhält (MEEDIA berichtete). Doch dieses Mal trieb es der Autor so weit, dass sich auch Chefredakteur Jan-Eric Peters äußern musste. Der Welt-Chef bezeichnete den Auftritt seines Autoren als „durchgeknallt“ und distanzierte sich von Matussek. Am Samstag erklärte er via Facebook und Twitter:

Bildschirmfoto 2015-11-14 um 13.09.24
Tatsächlich gibt es zur aktuellen Stunde wahrlich andere Dinge, um die sich ein Chefredakteur einer überregionalen Tageszeitung kümmern muss. Allerdings ist davon auszugehen, dass man bei Springer nun grundsätzlich überlegen wird, ob der umstrittene Autor journalistisch überhaupt zu halten ist.

Anmerkung der Redaktion:

Matthias Matussek hat den Smiley in seinem Posting mittlerweile in ein trauriges Gesicht geändert, weshalb das (erste) Posting auch in diesem Artikel verändert erscheint.

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Alle Kommentare

  1. Und ich würde bei der Welt gesperrt, nach dem ich Matussek einen homophonen Rassisten genannt hab.

  2. Eine Schande für den investigativen Journalismus ist die „Bild“ und das der „Spiegel“ mit dessen Chefredakteur so heruntergekommen ist !
    Matussek ist der letzte Aufrechte des „Spiegel“.

  3. Herr Matussek hat m.E. völlig recht und hält sich halt nicht an allzu enge und darüber hinaus absurbe Sprachregelungen sowie Stichwortgeber aus der „Oberen Etage“. Diesbezüglich wird es den durchgeknallten Rausschmeißern wohl entgangen sein, was seine Durchlaucht Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE, im Welt-Editorial (vom 16.11.2015?) schrieb: „Die Fakten der Einwanderungswelle lassen jeden Menschen, dem der Verstand nicht abhanden gekommen ist erkennen, dass es so nicht weitergehen kann. Millionen von Flüchtlingen pro Jahr können selbst von der potentesten Wirtschaft und der tolerantesten Gesellschaft nicht integriert werden. Längst regt sich der Widerstand bis tief in die linken Milieus hinein. …“ Das ist das Stichwort für die allmähliche Kehrtwende, auch wenn die nachgeordneten Chargen das noch nicht begriffen haben oder sehen wollen. Mal sehen, was nach den entsprechenden high-level-Redaktionskonferenzen kommt. Dann werden auch die durchgeknallten Rausschmeißer ihre Fähnchen in den neuen Wind stellen. Herr Matussek wie auch die geneigten Leser werden aber immer noch wissen wer wer ist.

  4. Die Asylantenwelle hat immer etwas mit der inneren Sicherheit
    eines Staates zu tun.Es werden Massen an Sicherheitskräften
    gebunden, welche natürlich jetzt an alle Ecken fehlen!

  5. Hm was für eine Diskussion und keiner merkt wie wir verarscht werden ,alles führt in die NWO ,da geht es weder um Zuwanderer noch um deutsche Bürger ,sondern um Interessen einiger weniger und den ganz reichen .Wir sollen uns hier toddikutieren während dort der große Gau verbereitet wird .Chaos wird mit Absicht verursacht um Meinungsfreiheit und Demokratie ganz abzuschaffen ,damit die einfachen Menchen aufeinander losgehen .Alles Lüge.

  6. Man darf doch nicht das Thema Flüchtlinge und Anschläge zusammen in einen Topf werfen. Die fliehen doch schließlich selber eben genau vor diesem schrecklichen IS – so behaupten jetzt viele Einwanderungsbefürworter.
    ABER:

    „Mehrheit der Syrer flieht vor Assad, und nicht vor dem IS “

    So zu lesen z.B. in DIE ZEIT v. 7.10.2015
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-10/fluechtlinge-syrien-baschar-al-assad-gewalt-fluchtgrund

    Womöglich weil sie mit dem IS sogar sympathisieren oder vorher gemeinsam mit ihm gegen Assad kämpften?

    Wie auch immer, man kann das eine nicht ohne das andere betrachten.

  7. Hans Werner Conen trifft mit seinem Beitrag über journalistische Praxis den Nagel auf den Kopf!

  8. Nur weiter so. Das macht alles noch unglaubwürdiger.

    Hans Werner Conen hat bereits alles formuliert, was es dazu zu sagen gibt. Frau Merkel wird es kaum über das Jahr mehr schaffen. Ich verstehe also ehrlich nicht, wie der Springer Verlag auf ein totes Pferd mit aller Kraft setzt.

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