Wie laufen bento, ze.tt und BYou? Eine erste Zwischenbilanz

bento, ze.tt und BYou
bento, ze.tt und BYou

Gleich drei große Journalismus-Marken haben in den vergangenen Monaten Angebote für eine junge Zielgruppe gestartet: Spiegel Online bento, Zeit Online ze.tt und Bild BYou. Gibt es erste Erfolge? Oder interessieren die neuen Angebote kaum jemanden? MEEDIA hat für eine erste Zwischenbilanz alle verfügbaren Zahlen analysiert.

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Spiegel Online startete bento am 1. Oktober, ze.tt von Zeit Online ging schon Ende Juli an den Start und der Bild-Ableger BYou Anfang September. So unterschiedlich die Inhalte und Macharten der Muttermarken sind, so unterschiedlich sind sie auch bei den neuen Seiten für das junge Publikum. Dennoch eint sie genau dieses Ziel: junge Zielgruppen für journalistische Inhalte zu begeistern und sie so langfristig an die Marken zu binden. Das geschieht natürlich nicht nur auf den eigenen Websites, sondern auch auf allen relevanten sozialen Netzwerken. Vor allem hier sollen bento, ze.tt und BYou punkten. MEEDIA hat sich alle wichtigen Daten angeschaut und zieht ein erstes Fazit.

Traffic:

Keins der drei neuen Angebote lässt seine Traffic-Zahlen von der IVW ausweisen. Zwar werden die ze.tt-Visits und -Page-Impressions von der IVW gemessen, allerdings unter dem Dach von Zeit Online ausgewiesen. BYou ist gar keine eigenständige Website, sondern ein Ressort von Bild.de, wird also logischerweise auch als Teil von Bild.de gemessen. Auf bento.de fehlt der IVW-Zählcode derzeit noch komplett.

Um also etwas über die ersten Trafficzahlen der drei Marken zu erfahren, haben wir die Pro-Version von SimilarWeb genutzt. SimilarWeb rechnet für alle Websites der Welt Traffic-Zahlen hoch – aus nach eigenen Angaben tausenden Quellen wie Browser-Plugins, etc. Die dadurch entstehenden Visits-Zahlen sind zwar nicht vergleichbar mit denen der IVW, ein Vergleich verschiedener Websites untereinander ist aber durchaus möglich.

Am stärksten schneidet hier – obwohl am spätesten gestartet – bento ab. 3,1 Mio. Visits weist SimilarWeb für bento.de im Oktober aus, bei der IVW wären das noch deutlich mehr, da die SimilarWeb-Zahlen meist um den Faktor 2 bis 3 unter denen der IVW liegen. Bei SimilarWeb spielt bento damit in etwa in der Liga des Satire-Blogs Der Postillon oder der des Hamburger Abendblattes mit. Zu sehen ist bei SimilarWeb aber auch, dass der bento-Traffic derzeit noch massiv von Spiegel Online abhängt. Über 70% der bento.de-Visits kommen durch einen Klick auf einen Link auf Spiegel Online zustande. 13,7% stammen aus Verweisen in sozialen Netzwerken – vor allem Facebook, aber auch überdurchschnittlich stark Twitter – und rund 10% kommen von direkten Aufrufen von bento.de – durch Eingaben in die Browserzeile, Bookmarks. etc.

Verwerflich ist das Werben für bento auf Spiegel Online natürlich nicht. Es ist schließlich eine gute Methode, um eine neue Medienmarke direkt bekannt zu machen. Die deutsche Huffington Post erhält beispielsweise noch heute rund ein Drittel ihrer Besucher durch Links auf Focus.de und AOL.de. Allerdings schwächen solche prominenten Links natürlich die Aussagekraft der Traffic-Zahlen. Ohne Spiegel Online hätte bento also noch nicht Millionen von Besuchen.

ze.tt liegt bei SimilarWeb deutlich hinter bento, kam im Oktober auf rund 270.000 Visits. Wie bei bento auch stammt ein größerer Teil des Traffics noch von Desktop-Nutzern, der geringere von mobilen Geräten. Allerdings werden Apps von SimilarWeb auch noch nicht mitgezählt, nur die reinen Websites. Schaut man nun also auf die genauen ze.tt-Zahlen, so zeigt sich, dass der Anteil von Zeit Online am Traffic deutlich geringer ist als der SpOn-Anteil bei bento. Nur rund ein Viertel der Visits kommen durch Links auf Zeit.de zustande, mehr als die Hälfte aber durch Verweise in sozialen Netzwerken. Verglichen mit bento liegt ze.tt nach absoluten Visits aber auch in den sozialen Netzwerken hinten.

Traffic-Zahlen für BYou sind auch mit SimiliarWeb nicht zu erfahren, schließlich handelt es sich wie erwähnt nicht um eine eigene Website, sondern um ein Ressort auf Bild.de. Zumindest lässt sich aber sagen, dass BYou dort noch kein Traffic-Gigant ist, denn unter den 100 stärksten „Foldern“, also Ressort- und Sonderseiten-Ordnern fehlt BYou bislang. Das Jugend-Angebot erreicht also weniger Traffic, als beispielsweise das Ressort mit Nachrichten aus Chemnitz. Der erfolgreichste BYou-Artikel findet sich im SimilarWeb-Ranking der Bild-Einzelseiten, also der Tabelle aller Artikel, Ressortstartseiten, etc. auf Platz 422.

Facebook:

Der wohl wichtigste Teil der Social-Media-Strategie ist – auch für junge Medienmarken – weiterhin Facebook. bento und ze.tt liegen hier bisher gleichauf – mit zum Zeitpunkt unserer Recherche am Donnerstagnachmittag 11.560 (bento) bzw. 11.800 (ze.tt) Page-Likes. BYou kommt bei Facebook nur auf weniger als 1.300 Page-Likes, ist hier also das klare Schlusslicht. Spannend: Bei Likes, Shares, Kommentaren, etc., also nach Facebook-Sprache „People talking about this“ liegt bento mit einem Wert von 5.900 (wiederum gemessen am Donnerstagnachmittag) deutlich vor ze.tt (2.000). BYou kommt hier gerade mal auf eine Zahl von 75, besitzt also derzeit eine völlig leblose Facebook-Seite.

Twitter:

Relativ erfolgreich sind die beiden Ableger von Spiegel und Zeit auch auf Twitter. Mit 5.900 (bento) und 4.800 (ze.tt) liegen beide Marken nicht extrem weit unter ihren Facebook-Zahlen. Auch hier ist BYou das klare Schlusslicht: 440 Follower sind bislang nur zusammen gekommen.

Instagram:

Gerade in jungen Zielgruppen ist Instagram eine Plattform mit stark wachsenden Nutzerzahlen. Auch hier sind bento, ze.tt und BYou daher dabei. Allerdings scheinen alle drei noch nicht hundertprozentig zu wissen, was genau sie auf Instagram posten bzw. tun sollen. Gute Ideen wechseln sich mit Belanglosigkeiten ab. Da stehen die neuen Marken aber nicht allein da, Erfolgsgeschichten deutscher Medien auf Instagram sind bisher noch extrem selten. So hat bento dort bisher auch nur rund 1.000 Abonnenten, BYou 700 und ze.tt gerade mal 135. Likes erreichten die drei mit ihren jeweils 12 neuesten Fotos nur 250, 168 und 77.

Top-Artikel:

Besonders spannend wird es, wenn man darauf schaut, welche Inhalte auf den drei Plattformen bislang erfolgreich sind. Wir haben mit Hilfe der Social-Media-News-Charts 10000 Flies die jeweilige Top 5 ermittelt. Die fünf Artikel also, die bei Facebook, Twitter und Google+ im Oktober die meisten Likes, Shares, etc. geholt haben.

Bei bento dominiert relativ seriöser Journalismus. Die Flüchtlingsthematik findet sich auf Platz 1, ein Beitrag zum Thema Alltagsrassismus auf 3 und „Muslima erzählen, warum sie Koppftuch tragen“ auf 5.

1. Flüchtlinge zeigen, was sie mit Deutschland verbinden (6.858 Flies)
2. So erkennst du Fakes auf Facebook (6.756)
3. Alltagsrassismus: Wie es ist, in Deutschland ein schwarzes Kind zu haben (6.739)
4. Quiz: Wer hat’s gesagt, rechtsextreme Dumpfbacke oder CSU-Politiker? (5.926)
5. Muslima erzählen, warum sie Kopftuch tragen (4.970)

Bei ze.tt gewann den Oktober ein Artikel darüber, was mit der Menschheit passieren würde, wenn die Bienen aussterben würden. Auch dahinter ein seriöses Thema: ein Interview mit einer Hebamme. Spaß-Inhalte fehlen hier komplett.

1. Wir töten Biene Maja (3.394)
2. „Mit Kellnern verdienst du mehr“ – Interview mit einer wütenden Hebamme (2.672)
3. Diese Künstlerin klebt jedem eine (1.561)
4. Über 150.000 Menschen demonstrieren in Berlin gegen TTIP (1.312)
5. Online lernen: Hier werdet ihr schlauer (1.276)

Bei BYou hingegen merkt man sofort, dass man bei einem Bild-Ableger gelandet ist. Trash dominiert:

1. Vom Kiffen kann deine Vagina austrocknen! (6.243)
2. Vagina-Emojis: Lädst du dir diese Flirt-Emojis runter? (3.085)
3. Anti-Schulden-Tricks: So hast du immer genug Kohle (2.138)
4. Günstig, stylisch: Die 7 besten Alternativen zu Primark & Co.! (1.973)
5. Fler über Hipster und Jan Böhmermann: „Es ist nicht meine Aufgabe, ein lustiger Rapper zu sein“ (1.886)

Insgesamt führt auch in den 10000-Flies-Daten bento: Auf 93.030 Interaktionen auf Facebook, Twitter und Google+ kam der Spiegel-Online-Ableger mit seinen Artikeln im Oktober, BYou erreichte 47.409, ze.tt auf 26.711. ze.tt holte allerdings dafür im September mehr als 80.000 Flies. Diese Zahlen wurden nur zu einem kleinen Teil mit den eigenen Social-Media-Präsenzen erzielt. Die Mütter Spiegel Online, Bild und Zeit Online halfen durch Posten von Links kräftig nach.

Fazit:

Der Weg zu populären Medienmarken ist für bento, ze.tt und BYou noch sehr weit. Bislang profitieren alle drei noch von ihren Müttern Spiegel, Zeit und Bild, die ihnen Traffic mit Links auf den Homepages und in Facebook-Posts herüber schaufeln. Ohne diese Hilfe sähe es noch recht mau aus. In den sozialen Netzwerken läuft es für BYou bisher erstaunlich schlecht. Hier entsteht der Eindruck, dass BYou bei Bild bisher nicht sonderlich ernst genommen wird. Die erfolgreichsten Inhalte der Plattformen passen zu ihren jeweiligen Muttermarken. Ein Indiz dafür, dass junge Zielgruppen bei Ablegern von Spiegel und Zeit seriöse Themen erwarten und keinen Trash. Unklar bleibt allerdings, wie jung die Nutzer des Trios überhaupt sind – denn das lässt sich aus all den Zahlen leider nicht heraus lesen.

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Alle Kommentare

  1. Ja, das hab ich mir schon gedacht. Da werden inhalte künstlich am leben erhaten, ohne spon hätte bento nicht mal die hälfte der clicks und journalismus geht auch anders. Erst mit guten versuchen angefangen, aber mittlerweile in belanglosigkeiten untergegangen. Wenn es aber das ist, was die jugend interessiert. Gute nacht.
    Schön wäre es, wenn spon nicht mehr verlinken würde.

  2. Also war meine Vermutung richtig. Wenn ich Spon aufrufe, möchte ich eigentlich davon ausgehen können etwas halbwegs seriöses zu lesen, aber das mir alle paar Headlines diese pseudo-jugendlichen Machwerke über „Feelz“ und „Social Justice“ untergeschoben werden um deren Relevanz zu steigern, begeistert mich nicht wirklich.

  3. bento seriöser Journalismus?
    Für mich riecht das da nach Indoktrinierung mit der Brechstange, krampfhaften Trends und Zeitgeist.
    Die (ideologische) Ausrichtung dort ist mehr als einseitig!

    Nach der vielen Kritik hat bento jetzt seine Kommentarfunktion dicht gemacht.
    Schade dass es den Medien heutzutage nicht mehr möglich ist Selbstreflexion und -kritik zu betreiben oder sich einfach mal der Kritik zu stellen, die ja nicht von ungefähr kommt. Es ist traurig was in der deutschen Medienlandschaft los ist, wie tief der Graben ist!

  4. Könnte mich totlachen, daß Bento seine Kommentarfunktion dicht gemacht hat. Kritische Selbstreflexion war noch nie eine Königsdisziplin der Social Justice Ritter gewesen, aber noch besser hätten sie wirklich gar nicht zeigen könnnen, daß sie praktisch nur für sich selbst schreiben.

    1. Thema: Bento und Kommentarfunktion.
      Meine Kommentare wurden sehr oft auf Bento gelöscht.
      NEIN…ich habe nicht beleidigt oder rumgetrollt (keine Politik). Es waren Kommentare wo ich einfach sachlich dagegen argumentierte.
      Ähnlich bei ze.tt.
      Beide Seiten werden wohl von jungen, ideologischen social justice Warrior (das Wort alleine ist bei denen manchmal schon ein Löschgrund) unterhalten.
      Immer die gleichen Themen in neuen Gewändern.
      Viel Feminismus und Nachgeplappere aus den Zeitgeist.

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