Was Spiegel-Mann Cordt Schnibben alternden Journalisten-Kollegen wirklich rät

Ob diese beiden Herren das Jugendwort des Jahres im Munde führen?
Ob diese beiden Herren das Jugendwort des Jahres im Munde führen?

Eine Vorabmeldung des Medium Magazins über einen Text von Cordt Schnibben sorgte für ein kleines Missverständnis. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow kümmert sich in seiner Freizeit um Verschwörungstheoretiker auf seiner Facebookseite. Ibrahim Evsan fährt mit Google spazieren und bei Springer ballern sie durch die Decke. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Das allseits geschätzte Medium Magazin hat in seiner aktuellen Ausgabe ein Special über “Zukunft & Alter” im Journalismus. Darin schreibt der alte Spiegel-Reporterhase Cordt Schnibben über seine Erfahrungen mit dem digitalen Erzählen von Stories und ruft Journalisten seiner Altersklasse auf: “Überlasst das, was mit euch passiert, nicht eurem Verleger.” Das Medium Magazin fabrizierte aus dem Schnibben-Stück eine Pressemitteilung, die branchenüblich zugespitzt wurde:

„Spiegel“-Reporter Cordt Schnibben rät Journalisten seiner Generation, die digitale Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. „Ich möchte allen Journalisten in meinem Alter sagen: Überlasst das, was mit euch passiert, nicht eurem Verleger“, schreibt Schnibben.

“Selbst in die Hand nehmen” – das las sich für mich so, als wolle Schnibben den lieben Kollegen raten, die Komfortzone ihres Vollkasko-Vertrags zu verlassen und das Glück auf eigene Faust im digitalen Wunderland zu suchen. Ich fragte auf Twitter, ob Cordt Schnibben sich an eigene Ratschläge hält und womöglich jetzt beim Spiegel kündigt:

Auch die furchtloseste Vorkämpferin für die Rechte der Freien, Silke Burmester, verstand dies offenbar so. Sie regte sich sogar richtig auf (das muss an diesem Helm liegen, den sie ständig trägt):

Auf meinen Tweet reagierte Cordt Schnibben leicht verschnupft mit einem gepflegten “Hä?”

Ne! Ich wollte doch gar nicht, dass Sie kündigen! Wollte nur wissen, ob Sie sich an Ihre eigenen Ratschläge halten. Mittlerweile habe ich den Text im gedruckten Medium Magazin gelesen und da stellt sich der Zusammenhang in der Tat anders da als in der vorab versendeten Pressemitteilung. Schnibben bekennt dort sogar ausdrücklich, dass die aktuelle Zeit für viele Journalisten “die beschissenste” sei und er selbst “mit diesem Verlag im Rücken eine tolle Chance” habe, viel auszuprobieren.

Also: mea maxima culpa und sorry, sorry, sorry, lieber Herr Schnibben! Ich hätte mich nicht von der Vorabmeldung zu einer vorschnellen Twitterei verführen lassen sollen. Aber Entschuldigungen unter Journalisten sind ja gerade so ein bisschen in Mode.

Der Linken-Politiker Bodo Ramelow ist bekanntlich Ministerpräsident des schönen Freistaats Thüringen. Toll, dass er noch die Zeit für lustige Facebook-Debatten mit Verschwörungs-Heinis findet. Ramelow postete auf seinem Facebook-Profil am vergangenen Sonntag dieses Foto:

Nur mal so. Vom Umweltbundesamt.

Posted by Bodo Ramelow on Sonntag, 8. November 2015

Das Beste sind aber die über 500 Kommentare unter dem Foto. MP Ramelow diskutiert da munter und gewitzt u.a. mit dem Reptiloidenbeautragten der BRD GmbH:

Bildschirmfoto 2015-11-13 um 15.37.34

Antwort vom Ministerpräsidenten:

Bildschirmfoto 2015-11-13 um 15.37.43

Bildschirmfoto 2015-11-13 um 15.12.44

Politiker mit Humor? I like! Für beneidenswerte Zeitgenossen, die nicht wissen, was es mit angeblichen Chemtrails auf sich hat, bitte hier entlang.

Ebenfalls auf Facebook stieß ich auf diesen Beitrag des umtriebigen Social-Dingsbums-Experten Ibrahim Evsan:

Yuhuu. Bekomme ein Google Nexus 6P als einer der ersten in Deutschland. Danke Google. Danke dir Stefan Kiwit.

Posted by Ibrahim Evsan on Freitag, 13. November 2015

Yuhuuu! Will Google in Sachen Influencer-Bewienerung jetzt etwa mit good old Apple gleichziehen? Man ruft ein Auto, vermutlich keinen Smart, lässt sich irgendwo hinkutschieren und bekommt während der Fahrt das neue Google Nexus 6P überreicht. Liegt es an mir, dass ich diese Art der PR ein kleines bisschen seltsam finde? Für Ibrahim Evsan ist das natürlich praktisch, denn selbst fahren kann er vermutlich für eine Weile nicht:

Muss zur MPU. Bin halt ein sehr guter Fahrer. Die wissen es halt nur noch nicht.🚘󾬎

Posted by Ibrahim Evsan on Dienstag, 10. November 2015

Google weiß es offenbar schon … Das Jugendwort des Jahres lautet übrigens Smombie. Das soll eine Mischung aus Smartphone und Zombie sein, also eine Person die nur noch auf ihr Smartphone starrt. Fragt sich nur: Wer benutzt dieses Wort?

Scheint so, als ob der Smartphone-Zombie eine eher geisterhafte Erscheinung ist. Überhaupt: Jugendsprache. Wenn man als Pressestelle Mitteilungen zu irgendwas Jugendlichem versendet, muss einer geheimen Regel des Reptiloidenbeauftragten Heribert Faustkind zufolge übrigens die Mitteilung total jugendlich ausgeflippt formuliert sein.

Das ballert beim Springer voll durch die Decke, ey noch geiler!

Swaggy weekend, ihr Discopumper! Und: Augen auf!

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