Nach Niersbach-Rücktritt: DFB geht nicht mehr juristisch gegen den Spiegel vor

Der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und der Spiegel-Titel, der die Affäre ins Rollen brachte
Der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und der Spiegel-Titel, der die Affäre ins Rollen brachte

Publishing Nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach tritt der DFB voll auf Bremse. Zumindest in der aktuellen Verteidigungs- und PR-Strategie. Bereits in der ersten Erklärung des neuen starken Mannes an der Spitze des Verbandes, Rainer Koch, kündigte dieser an, nicht weiter juristisch gegen den Spiegel und seine Enthüllungsgeschichte „Das zerstörte Sommermärchen“ vorgehen zu wollen.

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Es ist offenbar ein Kampf, den der Verband nicht mehr gewinnen will oder kann. Zudem haben die Frankfurter längst andere Probleme. „Wir müssen uns mit der Frage, unter welchen Umständen die WM 2006 vergeben worden ist, näher befassen“, sagte Koch am gestrigen Montag. „Wir werden uns deswegen auch auf diese Aufgaben konzentrieren und insbesondere auch keine weiteren rechtlichen Auseinandersetzungen mit dem Magazin Spiegel führen, sondern alle Anstrengungen darauf verwenden, so schnell wie möglich über die Kanzlei Freshfield die Befragungen zum Abschluss zu bringen und dann einen transparenten Untersuchungsbericht zur Verfügung zu stellen.“

Direkt nach dem Erscheinen der ersten Spiegel-Story war Niersbach zusammen seinem frisch verpflichteten Medienanwalt Christian Schertz, noch voll in die Offensive gegangen. Am Samstag erschien der Spiegel, am Sonntag verteidigte der Anwalt bereits im Fernsehen, damals noch unterstützt von Sport Bild Boss Alfred Draxler, die handelnden Akteure der WM-Bewerbung.

Drei Tage später erschein in der Sport Bild sogar ein doppelseitiges Interview mit Schertz, in dem er den Spiegel, dessen Rechercheleistung und die draus resultierenden Schlussfolgerungen harsch kritisierte.

In der Sky-Sendung hatte Scherz unter anderen gesagt:

Ich habe noch nie eine Geschichte erlebt, die so groß verkauft worden ist von einem Verlag, wo dann im Artikel selber steht, für diese Kernbehauptung, die hier die Besonderheit und die Gefährlichkeit ausmacht, haben wir keinen Beweis. Ich muss Ihnen sagen, wenn das sogar kleingedruckt hinten im Artikel steht, offenbar vielleicht auch von den Anwälten des Spiegel rein redigiert, um zu versuchen, der Haftung zu entgehen, kann man eine Geschichte nicht so aufmachen, wie das hier passiert ist. Dann noch zu behaupten, der aktuelle Präsident sei involviert gewesen, wie es Herr Weinreich in einem Spiegel-Online-Interview tut, das ist schon starker Tobak.

Welche Konsequenzen die Spiegel-Story haben musste, war für Scherz auch schon klar:

Wir werden Unterlassung fordern, wir werden Gegendarstellung fordern, und sollte dem Deutschen Fußball-Bund durch diese Berichterstattung ein wirtschaftlicher Schaden entstehen, werden wir den Spiegel-Verlag dafür auch haftbar machen.

In der damaligen Sky-Sendung sorgte Spiegel-Autor Jens Weinreich für einen Empörungssturm im Lager der DFB-Verteidiger, als er sagte, dass man die Handschrift auf der Überweisungsanweisung der 6,7 Millionen Euro noch nicht geprüft habe. Man könne nicht belegen, ob sie von Niersbach sei. Schnell war sogar vom „Hitler-Tagebuch-Moment“ des Nachrichtenmagazins die Rede.

Heute, über drei Wochen später, ist klar: Es war seine Handschrift. Allerdings soll nicht dieses Dokument den Anstoß für den Rückzug des Präsidenten gegeben haben. Wie die Süddeutsche berichtet, fanden die Spürnasen von Freshfield einen Vertragsentwurf, den man als ein Bestechungs-Indiz werten könne. Diese neuen Dokumente sollen letztendlich Niersbach zum Rückzug bewogen haben.

Wie es mit den anderen juristischen Auseinandersetzungen, beispielsweise zwischen Theo Zwanziger und Günther Netzer weiter geht, ist noch unklar. Auch hier ist der Spiegel – allerdings nur indirekt – beteiligt.

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