Mut zahlt sich aus: Warum „Club der roten Bänder“ so wertvoll fürs deutsche TV ist

Der „Club der roten Bänder“ ist für die „Beste Serie“ beim Deutschen Fernsehpreis nominiert
Der "Club der roten Bänder" ist für die "Beste Serie" beim Deutschen Fernsehpreis nominiert

Krebskranke und möglicherweise gar sterbende Kinder, amputierte Beine, Koma und Magersucht: Das ist normalerweise nicht der Stoff für humorvolle Teenie-Serien – und trotzdem oder gerade deswegen ist die Vox-Serie „Club der roten Bänder“ ein Erfolg auf voller Linie. Dies beweist: Mut zahlt sich auch im deutschen Fernsehen aus.

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Am Montagabend legte die erste fiktionale Eigenproduktion von Vox, „Club der roten Bänder“, einen traumhaften Start hin: Die ersten beiden Folgen der Serie erzielten im jungen Publikum 12,8 und 13,6 Prozent Marktanteil. Dabei schaut die junge Generation doch angeblich überhaupt kein Fernsehen mehr, sondern folgt nur noch YouTube-Stars oder binge-watcht US-Serien. Doch genau diese Jugendlichen haben eingeschaltet und zwar das stinknormale lineare Fernsehen.

„Club der roten Bänder“ fesselt seine Zuschauer von den ersten Minute an – was vor allem der Sensibilität der Produktion zu verdanken ist. Hier wird nichts überzeichnet, nichts überdramatisiert und nichts erzählerisch wiedergekäut: Die Schicksale der Kinder sprechen für sich, genauso wie die Bilder, die wohltuend langsam von der Kamera eingefangen werden. Das Thema der Serie ist traurig, ohne Frage, und doch vermittelt sie ein positives, ein optimistisches Gefühl: Letztendlich ist „Club der roten Bänder“ eine Geschichte über Freundschaft und hat doch viel mehr Tiefgang, als es die deutschen Fernsehzuschauer von vielen anderen Formaten gewohnt sind.

Gleichzeitig stehen hier Probleme im Vordergrund, die jeder Teenager kennt – Selbstzweifel, das Gefühl nicht dazuzugehören und überkochende Emotionen. Nur das Umfeld ist ein ganz anderes: der triste Alltag auf der Kinder- und Jugendstation, wo Angst, Tod und Schmerzen allgegenwärtig sind. Und genau diese Mischung macht „Club der roten Bänder“ so wertvoll, nicht nur fürs deutsche Fernsehen, sondern auch für seine jugendlichen Zuschauer, die hier ausnahmsweise nicht vernachlässigt oder mit phantasielosen Geschichten unterschätzt werden.

Mit seiner ersten Eigenproduktion hat Vox etwas tatsächlich Neues in der deutschen Fernsehlandschaft geschaffen und einen Weg abseits von Sendungen aus der Retorte eingeschlagen. Viele Fernsehanstalten sind offenbar immer noch überzeugt: „Was einmal funktioniert hat, klappt immer wieder“. Doch genau das wird irgendwann langweilig, wie aktuell „Wild Island“, das Newtopia-Dschungelcamp bei ProSieben, zeigt. Und bisher hat auch Vox genau das gemacht und Formate immer wieder aufgewärmt. Mit „Club der roten Bänder“ ist der Privatsender jetzt volles Risiko eingegangen – und das ausgerechnet jeden Tag zur Primetime um 20.15 Uhr. Dieser Mut hat sich gelohnt.

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Alle Kommentare

  1. Ich gucke jeden Montag club der roten Bänder.
    Mir gefällt die Serie Supergut.
    Es ist traurig, aber auch spannend und einfach mal etwas völlig anderes als die ganzen anderen Krankenhaus Serien.
    Wenn ich als Kind damals im Krankenhaus so gute Freunde gehabt hätte, hätte ich bestimmt viel weniger angst und Langeweile gehabt.
    So eine Krankenhaus Gang ist eine tolle Idee.
    Mit Guten Freunden lässt sich das alles gleich viel besser ertragen.

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