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Krebs-Kampf auf allen Kanälen: die mediale Dauer-Präsenz des Guido Westerwelle

Bei Guido Westerwelle wurde 2014 Leukämie festgestellt. Über sein Schicksal und den Kampf gegen den Krebs hat er ein Buch geschrieben
Bei Guido Westerwelle wurde 2014 Leukämie festgestellt. Über sein Schicksal und den Kampf gegen den Krebs hat er ein Buch geschrieben

Was immer man von dem Politiker und Ex-Außenminister gehalten haben mag, dem Mensch Guido Westerwelle und seinem Schicksal kann man an diesem Wochenende kaum entgehen. In Zeitung, Magazin und TV ist der 53-Jährige, der ein Jahr gegen eine lebensbedrohliche Krebserkrankung kämpfte, omnipräsent. Bild, Spiegel und Günther Jauch ließen sich nicht zweimal bitten und bringen Vorabdrucke und Interviews.

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„Warum Guido Westerwelles neues Buch so besonders beeindruckend ist“ betitelte Bild-Politikchef Bela Anda seinen täglichen Newsletter am Freitag. Die Bild druckt in den nächsten Tagen Auszüge aus dem Buch des früheren Außenministers, den Auftakt machte eine Titelstory, illustriert mit einem Selfie Westerwelles aus der Zeit seiner Chemotherapie. Die Schlagzeile dazu: „Exklusiv! Mein Leben mit dem Krebs“. Anda, der selbst mal Regierungssprecher in Berlin war, verbinden Jugenderinnerungen mit dem Politiker: Er und Westerwelle gingen auf dasselbe Gymnasium. Anda schreibt: „Nach seinem Ausscheiden als Außenminister hatte Westerwelle sehr gute und konkrete Pläne – alle über den Haufen geworfen an nur einem Tag, dem Tag der Diagnose: Leukämie! Was diese Krankheit mit ihm machte, wie er mutig dagegen ankämpfte, manchmal fast resignierte, schildert das Buch auf eindrucksvolle Weise.“ Der Bild-Ressortleiter zählt das biographische Werk sogar „zu den besten Politiker-Büchern der Nachkriegszeit“.

Nur wenige Stunden nach dem Aufmacher der Bild versandte der Spiegel seine Vorabmeldung, dass auch das Nachrichtenmagazin Exklusives zu Westerwelle im Heft habe: „Zum ersten Mal spricht er ausführlich über seinen Kampf gegen eine akute Leukämie und deren Folgen.“ Der ehemalige FDP-Vorsitzende wird mit dem Satz zitiert „Ich wollte und ich will unbedingt weiterleben“, aber im Interview geht es laut Spiegel-Pressemitteilung, die sich ab hier eher liest wie eine Themenankündigung der Bunten, um mehr: „(Westerwelle) berichtet auch freimütig von seiner Jugend in Bonn, von einem Versuch, ihm seine Homosexualität auszureden, von seinen guten und bösen Erfahrung in der Politik und von dem Halt, den er bei seinem Ehemann Michael Mronz findet.“

Nur zwei Stunden nach der Spiegel-Vorabmeldung schickte auch die Redaktion von „Günther Jauch“ ihre Vorschau auf den Sonntagsabend-Talk in der ARD. Einziges Thema: „Schockdiagnose Krebs: Guido Westerwelle bei Günter Jauch“. Die Fragen, die in der Sendung diskutiert werden, sind die gleichen wie in Zeitung und Magazin: „Wie beeinflusst der Krebs das Leben der Betroffenen? Wie gehen Angehörige und Freunde damit um? Welche Therapien gibt es?“ Für Guido Westerwelle ist die mediale Dauerpräsenz möglicherweise ein Mittel, sich ein existenzielles Krisenerlebnis öffentlich von der Seele zu reden. Sicher geht es aber darum, Marketing für sein Buch „Zwischen zwei Leben: von Liebe, Tod und Zuversicht“ zu betreiben, das am morgigen Samstag erscheint.

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