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Chefredakteure beim VDZ: „Wir müssen nicht jedem Skandal hinterher“

Giovanni di Lorenzo, Hubert Burda und Klaus Brinkbäumer – der VDZ Summit 2015 ist mit Verlegern und Alpha-Journalisten hochkarätig besetzt
Giovanni di Lorenzo, Hubert Burda und Klaus Brinkbäumer – der VDZ Summit 2015 ist mit Verlegern und Alpha-Journalisten hochkarätig besetzt

"Und dies zeigt wieder, wie wichtig und stark die Print-Medien sind": Das Mantra der Allensbach-Chefin Renate Köcher als Fazit ihres Vortrags war ganz nach dem Geschmack der Verleger, die sich in Berlin gerade zum Publishers' Summit treffen. Die Markforscherin sprach den Print-Machern Mut zu, während sich die Chefredakteurs-Runde mit der Pressefreiheit und den Lügenpressen-Vorwürfen beschäftigte.

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Die Gesprächsrunde war mit Christian Krug (stern), Klaus Brinkbäumer (Der Spiegel), Giovanni di Lorenzo (Die Zeit), Marion Horn (Bild am Sonntag) und Patricia Riekel (Bunte) sehr prominent besetzt.

Natürlich beschäftigten sie sich erst einmal mit den Lügenpresse-Vorwürfen und der zunehmenden Gewalt von Rechts gegen Journalisten.

 

Für Patricia Riekel tragen die Medien als immer heißer laufende Erregungsmaschine auch eine gewisse Mitschuld. Dem entgegnet die Bild am Sonntag-Chefin: „Wir müssen hinterfragen, ob Leser wirklich Skandale lieben. Ich glaube, sie mögen vielmehr Wahrhaftigkeit und Wahrheit. Wir müssen nicht jedem Skandal hinterher.“ Und: „Wir müssen lernen, selbstkritischer zu werden.“

Nach Meinung von Giovanni di Lorenzo müssen die Medien die Fragen bearbeiten, „die die Menschen bewegen“. Gerade das sollte man „nicht Populisten und Hetzern überlassen“. Dabei wären Journalisten in ganz vielen Dingen stark, „nur nicht im Zugeben von Fehlern“.

 

Stern-Boss Christan Krug meint dagegen, dass die Glaubwürdigkeitskrise der Medien nicht so extrem sei. „Es melden sich jetzt aber Nicht-Leser laut zu Wort. Das gab es früher nicht.“

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Zudem jammerte die Runde über die Zunahme von versuchter juristischer Einflussnahme auf die Berichterstattung. Horn brachte das prägnant auf den Punkt, „die Kriminalisierung der Recherche“ würde zunehmen.

Fast schon einig war man, dass man nicht zu viel twittern sollte. Selbst Marion Horn hat keine Lust mehr auf „jeden Twitter-Streit“.

Neben den Chefredakteuren beschäftigte sich auch der ehemalige Verfassungsrichter Udo di Fabio mit den Printmedien. Er analysierte, dass es noch immer eine  große Menge an Tageszeitungen und Zeitschriften gebe: „Wir haben heute sogar eine mediale Vielfalt, wie es sie nie zuvor gegeben hat“. Sie sei – vor allem durch das Web – immer dezentraler. „Doch wir brauchen einen gedruckten Ordnungszugang in die chaotische digitale Welt. Die Ordnungsleistung der Redaktionen ist sogar wichtiger denn ja, sie wird aber nicht mehr so gut bezahlt.“

Trotzdem warnte der Jurist die Verlage vor Subventionen. „Nach allen Erfahrungen wird die Medienlandschaft angepasster, wenn sie Geld vom Staat nimmt“.

Zum Beginn des zweiten Tages streichelte Renate Köcher erst einmal die Seelen der von der digitalen Transformation gebeutelten Verleger. Die Markforscherin zeigt noch einmal die immense Bedeutung und den starken Einfluss von Zeitungen und Zeitschriften. So gehören– trotz aller Lügenpresse-Vorwürfe – bislang lediglich zwei Fünftel aller Deutschen zu den absoluten Print-Verweigerern.

Köcher beobachtet seit Jahren, dass sich die Kommunikationsfrequenz der Deutschen in den vergangenen Jahren gravierend erhöht hätte. Tatsächlich steigt sie immer noch. Gleichzeit leben wir in einer Zeit der Informationsfülle und sich verengenden Interessensspektren. Dadurch werden Meinungsführer immer wichtiger und diese wiederum nutzen noch immer massiv Zeitungen. Das führte die Allensbach-Chefin zu ihrer finalen Zusammenfassung, dass Print-Medien „wichtig“ und „stark“ seien. Den Verlegern hat diese Aussage sehr gut gefallen. Das Problem ist nur: Die Auflagen sinken trotzdem.

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Alle Kommentare

  1. „Nur zwei Fünftel absolute Printverweigerer“ klingt nach 10 Prozent, sind doch aber 40 Prozent? Irgendwie nicht weit weg von der Mehrheit……

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