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Guido Maria Kretschmer: „Ich werde wohl immer ein Grenzgänger bleiben“

Soll nahtlos an den Erfolg des BBC-Vorbilds anknüpfen: Guido Maria Kretschmers Näh-Show „Geschickt eingefädelt“
Soll nahtlos an den Erfolg des BBC-Vorbilds anknüpfen: Guido Maria Kretschmers Näh-Show "Geschickt eingefädelt"

"Die Sendung ist wie für mich gemacht", sagt Modedesigner Guido Maria Kretschmer, 50, über "Geschickt eingefädelt". Die neue Vox-Show, bei der talentierte Hobby-Schneider gegeneinander antreten, startet am Dienstag um 20.15 Uhr. Kretschmer hat im Interview ein klares Bild von seiner Aufgabe in der Jury: "Ich habe für manche Kandidaten gekämpft, die sonst vielleicht früher hätten gehen müssen."

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Interview: Christof Bock, dpa

Herr Kretschmer, Ihr neues Format hat ja ein britisches Vorbild, die BBC-Sendung „The Great British Sewing Bee“…
…ich kannte „The Great British Sewing Bee“. Ich habe das gesehen und war vom ersten Moment an total begeistert. Ich fand das ganz toll, dass für den Sender direkt klar war, dass ich das machen soll. Und es war mein großes Glück, dass sie mit der Produktion gewartet haben, bis es zeitlich bei mir passte. Vox wusste auch, dass die Sendung wie für mich gemacht ist – das hat mich total gefreut. Und hier dabei zu sein, ist an jedem Drehtag ein großes Vergnügen.

Warum steht Do-It-Yourself so hoch im Kurs?
Das erinnert mich an meine eigene Geschichte. Denn auch ich bin als Hobbyschneider geboren. Jeder ist erstmal Hobbyschneider, und irgendwann werde ich es vielleicht auch wieder sein. Diese Liebe zum Textil verbindet mich einfach mit den Menschen, die hier sind. Das ist etwas, das immer Applaus bekommt, auch wenn man es nicht immer gelungen ist. Das ist ja das Schöne, wenn man etwas näht, dann sagen immer alle: Das ist niedlich. Wenn Du aber etwas kaufst, das nicht sitzt, sagen alle: Guck mal, schön ist anders. Dieses Gefühl, etwas für andere zu machen, an sie zu denken, während man für sie etwas näht für die Kinder, für die beste Freundin, vielleicht einen Kissenbezug oder Deckchen für Freunde, die Kinder bekommen. Das ist einfach niedlich und kreativ, frei zu sein.

Was sind Ihre Kandidaten so für Menschen?
Die Kandidaten sind alle Individualisten, die keine Profis sind, die eine ganz eigene Herangehensweise haben, mit Stoff zu arbeiten. Jeden Tag bin ich überrascht, und jeden Tag lerne ich auch selbst viel. Man kann Sachen so unkonventionell lösen. Man kann später begeistert sein, auch wenn es nicht so toll geworden ist. So dass auch ich davon begeistert bin.

Was ist Ihre Rolle in der Jury?
Meine Mitjurorinnen kommen aus einer anderen Welt. Sie sind manchmal auch etwas strenger als ich. Ich werde wohl immer ein Grenzgänger bleiben, weil ich mich so begeistern kann für Menschen. Auch wenn einer noch so schlecht näht, wenn da am Ende etwas Gescheites herauskommt, sehe ich auch mal über eine schiefe Naht hinweg. Ich habe für manche Kandidaten gekämpft, die sonst vielleicht früher hätten gehen müssen. Aber ich habe mein Veto eingelegt, weil ich sie so toll finde. Aber es ist auch gut, dass meine Mitjurorinnen dann bei der Naht und beim Design noch mal ganz genau hinschauen.

Was war das Erste, das Sie genäht haben?
Eine mintgrüne Weste mit einem komischen Muster, muss ich zugeben. Mit braun eingefassten Paspeln. Das war schon nicht unkompliziert. Und die hat meine Mutter stolz auf dem Schützenfest getragen. Ich glaube, sie hat es irgendwann ganz dezent entsorgt, aber ich habe es für sie genäht. Nachher wurde es besser, da kamen die ersten Aufträge. Erstaunlicherweise war ich immer schon relativ geschäftstüchtig, auch als Kind. Meine Schwester war ein guter Promoter. Weil die Leute mich so mochten, war auch immer klar: Der Guido kann das. Ständig klingelte es, und die Leute brachten etwas zum Ändern. Irgendwann bekam ich das Gartenhaus als Guidos Nähstube. Dann saß ich da mit den Frauen, hab viel geändert, Karnevalskostüme genäht, irgendwann auch die ersten Röcke. Da war
ich sozusagen schon ein kleines Unternehmen.

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