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„Freie Journalisten sind Menschen“: Freischreiber inserieren Fake-Anzeigen im Tagesspiegel

Silke Burmester twitterte die angeblichen Tagesspiegel-Kleinanzeigen arbeitsloser Journalisten
Silke Burmester twitterte die angeblichen Tagesspiegel-Kleinanzeigen arbeitsloser Journalisten

"Löse Journalistenbüro auf", hieß es Anfang der Woche in einer Kleinanzeige im Tagesspiegel. In einer anderen bot ein "arbeitsloser Journalist" seine Dienste an. Was angesichts der Entlassungen aller freien Tagesspiegel-Autoren wie unfreiwillige Satire wirkt, ist in Wahrheit eine Protest-Aktion der freien Journalistin Silke Burmester und dem Berufsverband "Freischreiber".

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In der vergangenen Woche stellte der Tagesspiegel alle freien Autoren mit sofortiger Wirkung von ihrer Arbeit frei. Dadurch solle nach Anzeigeneinbrüchen ein „kleiner sechsstelliger Betrag“ eingespart werden. Journalistenverbände kritisierten diese drastische Sparmaßnahme scharf: Von einem „Kettensägenmassaker am eigenen Ruf“, sprach der Vorsitzende des Journalistenverband Berlin-Brandbenburg (JVBB), Alexander Fritsch und rief Verlagsleitung und Chefredaktion zu sofortigen Gesprächen auf: „Ohne freie Autoren ist eine Qualitätszeitung nicht zu machen. Aber nur ein Qualitätsprodukt kann sich am Markt behaupten.“ Der DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken urteilte: „Zynischer kann mit den Mitarbeitern, die erheblich zum publizistischen Erfolg der Zeitung beitragen, nicht umgegangen werden.“

Auch die Freischreiber, der Berufsverband der freien Journalisten, protestierten gegen die Entscheidung des Tagesspiegels – auf eine ganz andere Art und Weise. Am Montag twitterte die Medienjournalistin Silke Burmester zwei Anzeigen, die angeblich in der aktuellen Tagesspiegel-Ausgabe abgedruckt worden sind:

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Am Mittwoch gab Burmester in ihrer taz-Kolumne jedoch bekannt: Hinter diesen Anzeigen stecken die Freischreiber. „Ja, nicht nur, dass wir mit den Kleinanzeigen unseren Keks zu deren Weihnachtsfeier beisteuern wollten, wir wollen auch zeigen: Freie JournalistInnen sind Menschen. Und zwar welche, die weiter denken als bis zur nächsten Sparrunde“, schreibt sie. Die Freistellung aller freien Tagesspiegel-Autoren sei „grober Scheiß“.

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Alle Kommentare

  1. @freischreiber: Wow, was für eine mutige Aktion: Irgendeinen armen, überlasteten Hansel in der Anzeigenabteilung überrumpelt.

    @Schreiberling: Wundere mich in der Debatte um die Freistellung der Feien beim Tagesspiegel, dass für so manchen „freie Autorenschaft“ gleichbedeutend mit „qualitativ hochwertiger Autorenschaft“ ist.

    Wie nicht jeder Fester ein Meister seines Fachs ist, so ist auch nicht jeder Freier das hellste Licht auf der Torte.

    Ohne die Freistellungs-Orgie beim Tagesspiegel gutheißen zu wollen: Aber vielleicht kann man sich darauf einigen, dass Freie wie Feste wichtig für ein Medium sind.

  2. „Zynischer kann mit den Mitarbeitern, die erheblich zum publizistischen Erfolg der Zeitung beitragen, nicht umgegangen werden.“

    und

    „Aber nur ein Qualitätsprodukt kann sich am Markt behaupten.“

    Dazu Wikipedia: „Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 19,6 Prozent gesunken“

    Journalisten, ihre Verbände und die Realität, eine unendliche Geschichte – Dazu folgendes: Willkommen in der freien Wirtschaft, wenns Ihnen nicht passt können Sie jederzeit das Land verlassen.

    1. Umpa lumpa, dann stellen Sie sich mal vor, wie die Zahlen ohne gute Beiträge weggebrochen wären. Das erleben wir ja vielleicht bald.

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