Xing startet Debatten-Plattform Klartext: „Wir produzieren jetzt auch eigene journalistische Inhalte“

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Die Köpfe hinter Klartext: Jennifer Lachmann, Roland Tichy und Thomas Vollmoeller

Xing geht den nächsten Schritt seiner Content-Offensive und startet das Debatten-Angebot Klartext. Einen Launch, der hierzulande einige Wirtschaftsredaktionen beruhigen dürfte. Denn bislang war nur bekannt, dass das Businessnetzwerk unter der Regie von Ex-Wiwo-Chefredakteur Roland Tichy und der ehemaligen FTD-Journalistin Jennifer Lachman an einem journalistischen Format feilen würde.

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Für die Hamburger ist der Start des Diskussionsangebots ein logischer Schritt: „Wir haben jetzt schon festgestellt, dass die Menschen Xing als Absender von Nachrichten ernst nehmen“, erklärt Jennifer Lachman gegenüber MEEDIA. „Bei Klartext geht es uns aber weniger um die Distribution von Nachrichten, sondern um Debatten. In all ihrer thematischen Breite und Tiefe.“

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Dazu hat die ehemalige Teamleiterin der Financial Times Deutschland eine siebenköpfige Reaktion aufgebaut. Sie firmiert als Chefredakteurin. Tichy ist Herausgeber.

Klartext versteht sich als ein Diskussion-Angebot, bei dem Experten und bekannte Persönlichkeiten exklusiv Position beziehen und ihre Meinungen zu aktuellen und kontroversen Themen rund um Wirtschaft und Beruf äußern sollen.

Zum Start warnt der Post-CEO Frank Appel, mit Blick auf die aktuelle Konjunkturentwicklung in China, vor „Panik“. Zudem erklärt der Finanzvorstand der Deutschen Bank, Marcus Schenck, warum die Digitalisierung und ihre Folgen „ein lauter Weckruf“ für die Finanzbranche seien.

Die Macher planen jedoch nicht, diese Meinungsbeiträge alleine stehen zu lassen. So sollen sie stets von weiteren Debatten-Beiträgen zum selben Thema flankiert werden. Alle Xing-Mitglieder wiederum sollen sich aufgerufen fühlen, ihre Sicht zu den jeweiligen Schwerpunkten beizusteuern.

Strategisch hoffen die Macher natürlich, dass die Debatten auch über das Netzwerk hinausstrahlen. „Klartext wird bei eingeloggten Mitgliedern auf der Xing-Startseite zu sehen sein, funktioniert aber auch ‚logged-out‘. Heißt: Auch Nicht-Xing-Mitglieder können die Beiträge lesen, allerdings können sie die dann nicht kommentieren“, erklärt Lachman.

Klartext_Thema_Banken

Damit lehnt sich das neue Angebot auch ein wenig die erfolgreiche US-Plattform Medium.com an. Dort kann auch jeder, der sich berufen fühlt, zu jeden Thema einen Text veröffentlichen. So ist Medium längst zu einem wichtigen Vehikel für Gründer, Experten oder Wirtschaftsköpfe geworden, wenn es darum geht, ihre Meinung zu äußern oder bestimmte Entscheidungen zu erklären.

Strategisch geht es den Hamburgern allerdings erst einmal darum, „den nächsten Schritt unserer Content-Offensive zu gehen“, wie der Xing-CEO Thomas Vollmoeller verrät. „Damit sind wir nicht nur einer der größten Distributoren von wirtschafts- und berufsbezogenen Nachrichten im deutschsprachigen Raum, sondern produzieren jetzt auch eigene journalistische Inhalte.“
Dazu ergänzt Lachman: „Wir haben jetzt schon festgestellt, dass die Menschen Xing als Absender von Nachrichten ernst nehmen. Bei Klartext geht es uns  aber weniger um die Distribution von Nachrichten, sondern um Debatten. In all ihrer thematischen Breite und Tiefe.“

Schon heute erreicht das Business-Netzwerk mit seinen 25 Branchen-Newslettern mit personalisierten Nachrichten rund 2 Millionen regelmäßige monatliche Leser. Xing sieht Klartext aber vor allem erst einmal als Ergänzung zu den bisherigen News-Angeboten. „Am Ende soll der Nutzer häufiger zu Xing kommen. Dadurch soll dann auch die Wichtigkeit von Xing im Auge des Nutzers weiter steigen.“

Die Idee und das Konzept zu dem neuen Angebot entwickelte Tichy für Xing. „Eines der wichtigsten Merkmale der neuen journalistischen Digitalformen ist die Interaktion. Nachdem wir bereits erfolgreich Nachrichten anderer Anbieter distribuieren, produzieren wir nun auch eigene Inhalte, die wir um ein interaktives Element ergänzen“, erklärt er gegenüber MEEDIA die Grundüberlegungen. Daraus sei dann die Idee zu Klartext entstanden: „Wir wollen zu jedem Debatten-Thema eine Art Bild liefern: So sieht die deutsche Wirtschaft das Thema.“

Genügend potentielle Klartexter bietet die Business-Plattform allemal. „Immerhin haben wir mehr als neun Millionen Mitglieder, die alle aus dem Berufsleben kommen“, sagt Tichy. „Bei Xing finden Sie jede Menge Wirtschaftskompetenz und -sachverstand. Und der soll dann künftig auch hier zu lesen und zu erleben sein. Bei Xing ist ja alles unter Klarnamen, das wird sich auch in der Qualität der Kommentare bemerkbar machen.“

Ob das Konzept von Klartext ein Erfolg wird, hängt nach Einschätzung von Tichy vor allem an einer Frage: „Entscheidend ist natürlich, dass wir auch genügend Klartext haben.“ Aber immerhin kann ja jedes Mitglied auch Klartexter werden.

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Alle Kommentare

  1. Ja, da dürfte die Wirtschaftspresse sich wieder hinlegen.
    Das Konzept kennt man von den täglichen Meinungs- und Fachbeiträgen (letzte Seite) renommierter Autoren beim Handelsblatt bzw. OpenEd der New York Times. Nicht uninteressant. Und natürlich, wie bei medium.com auch immer mehr, ein Angebot an die PR-Macher – ganz bestimmt wird es keinen Tag lang an Beiträgen mangeln. Eher dürfte sich schnell eine Schlange bilden 😉

  2. Gute Idee, das neue Debatten-Angebot. Allerdings empfehle ich Ihnen nach Lektüre dieses einleitenden Beitrags, ein wenig mehr auf die Rechtschreibung zu achten. Wenn Sie einen Lektor brauchen – melden Sie sich gerne!

  3. Das ist doch wohl vor allem eine PR-Aktion für XING. Und für alle Wichtigsprecher, die sich im Namen ihres Unternehmens mit ihrer Meinung ins rechte Licht rücken wollen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein PR-Verantwortlicher in irgendeiner Weise seinen eigenen Standpunkt relativiert oder Fakten wirklich journalistisch checkt. So trägt also auch XING in Zukunft dazu bei, das alle über irgendwas debattieren – bloß nicht darüber was sauberer Journalismus ist. Ganz abgesehen davon, dass freiberufliche Journalisten dadurch Arbeitsfelder und damit potezielles Einkommen verlieren. Wenn Infos – oder PR, die als solche verbreitet werden soll – kostenlos bei XING steht – wer beauftragt dann noch einen freiberuflichen Journalisten mit Arbeit im Segment Wirtschaft? XING sollte eine Plattform für Business bleiben – in dem Sinne, dass hier jeder den passenden Geschäftspartner, Kunde oder Job findet. XING ist keine Sparmaschine für PR-Abteilungen von Unternehmen.

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