Anzeige

Tinder-Mutter Match bietet sich an der Börse an – und hat Angst vor Facebook

Die Match-Group drängt an die Börse
Die Match-Group drängt an die Börse

Das leichte Geld lockt: Die Match Group, Anbieterin von Datingdiensten wie Tinder und OKCupid, will sich das Geschäft mit Online-Flirts von den Kapitalmärkten finanzieren lassen. Die Online-Suche nach Bekanntschaften ist ein einträgliches Business: Fast 150 Millionen Dollar verdienten die Amerikaner im vergangenen Jahr bereits mit der Sehnsucht nach Liebe und/oder Sex.

Anzeige
Anzeige

Es wird wieder spannend an der Börse: Angetrieben von deutlichen Kurszuwächsen in den vergangenen Wochen, die die Aktien vieler Internet-Unternehmen zweistellig in die Höhe schießen ließen, wagen sich wieder mehr Unternehmen aus dem Tech- und Dotcom-Lager an die Wall Street.

Vergangene Woche etwa reichte der mobile Bezahldienst Square seinen Antrag auf Börsenzulassung ein. Wenige Tage später folgt der Betreiber einer der angesagtesten Apps der vergangenen Jahre – die Match Group, zu der auch die Kuppel-App Tinder gehört, die seit dem Launch 2012 so einige Schlagzeilen produzierte.

Match Group: Das Dating-Konglomerat der InterActiveCorp

Spätestens seit den Olympischen Winterspielen  in Sotschi 2014 avancierte Tinder vom Geheimtipp zur Dating-App für die Massen. Warum groß drum herumreden, wenn es ein Klick tut? Olympioniken haben schließlich vorgemacht, wie es geht: „Tinder ist die nächste Ebene“, fand etwa Goldmedaillen-Gewinnerin Jamie Anderson.

Warum aber nun geht Tinder nicht eigenständig, sondern im Verbund mit mehreren Datingdiensten, allen voran Match.com, an die Börse? Weil die Aushängeschilder der ersten und zweiten Online-Dating-Generation tatsächlich einiges gemein haben: Beide Anbieter haben mit der InterActiveCorp (IAC) dieselbe Konzernmutter.

Match.com und Tinder: Zwei Generationen des Online-Datings

Wer in den Nullerjahren sein Dating-Glück im Internet suchte, landete früher oder später meist beim Marktführer Match.com. Der Name war Programm: Partnersuchende fanden sich am Desktop anhand von Internet-Steckbriefen. Bestand Interesse, schickte man eine Email. Verpasste man vor lauter digitalem Briefeschreiben das Treffen nicht, wurde vielleicht auch im wirklichen Leben ein „Match“ daraus.

Ein Jahrzehnt später haben sich Medium und Tempo verändert: Gedatet wird im iPhone-Zeitalter nach Foto-Matches. Klick hier, Wisch rechts  – und los geht das Dating-Vergnügen. Bereits 50 Millionen Nutzer rund um den Erdball versuchen so per Smartphone, neue Bekanntschaften kennenzulernen – beim Klassiker Match.com sind es sogar doppelt so viele.

Erlösmilliarde bereits in Sicht
Anzeige

Nachdem Tinder, das zuletzt mit der Einführung eines Premium-Dienstes seine Monetarisierung deutlich vorantreibt, von JMP Securities bereits mit 1,6 Milliarden Dollar bewertet wird, will IAC nun das Wachstum der gesamten Dating-Sparte veredeln. Medienmogul und Mehrheitseigentümer Barry Diller ließ im Sommer bereits seine Absicht zum IPO durchblicken –  Freitag schuf Match mit dem Zulassungsantrag bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC nun Fakten.

Diller lässt sich das Geschäft mit der Partnersuche gut bezahlen: Im ersten Halbjahr setzte die Match Group allein 484 Millionen Dollar um und ist damit auf Jahressicht auf Erlös-Kurs von einer Milliarde Dollar. Die Sparte arbeitet profitabel und verdiente im ersten Halbjahr unterm Strich immerhin schon 50 Millionen Dollar. Im vergangenen Geschäftsjahr blieben sogar 148 Millionen Dollar bei Umsätzen von 888 Millionen Dollar hängen.

Auch Friendscout24 gehört zum Match-Imperium

Zum Match-Imperium gehören nicht nur Tinder und Match.com, sondern sage und schreibe 43 weitere Dating-Dienste, darunter OkCupid, PlentyOfFish, HowAboutWe, Chemistry.com, Meetic und in Deutschland Friendscout24, Neu.de und Partner.de. Die InterActiveCorp bleibt nach dem IPO, das angeblich nur 100 Millionen Dollar erlösen soll (das Emissionsvolumen könnte sich allerdings auch als niedrig angesetzter Platzhalter erweisen) über 50 Prozent beteiligt und damit Mehrheitseigner.

Wann Match unter dem Tickersymbol MTCH an die Technologiebörse Nasdaq strebt, konkretisierte das Internet-Unternehmen nicht; gewöhnlich vergehen vom Einreichen des Zulassungsantrags über die Roadshow vor Analysten bis zum Börsenlisting etwa zwei Monate.

Risikofaktor Facebook

Interessant: Als Risikofaktor führt Tinder im Börsenprospekt Facebook an. Der Grund: Die Profilfotos in der Tinder-App werden aus dem weltgrößten Social Network generiert.

Ändert Facebook etwas an der Geschäftsbeziehung, stünden Tinder-Nutzer möglicherweise vor einer Erfahrung, die ältere Semester noch aus dem Kontaktanzeigen-Zeitalter kennen (Attraktive Sie, 38, sucht freundliches Nordlicht zum Verlieben): dem Blinddate.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*