Rolle rückwärts: Satire-Account @bento_is_hip ist bei Twitter wieder online

Bento-Redaktionsleiter Ole Reißmann (Foto: Raphael Raue, Screenshots: Twitter)
Bento-Redaktionsleiter Ole Reißmann (Foto: Raphael Raue, Screenshots: Twitter)

Der Satire-Account @bento_is_hip zum Spiegel Online-Jugendportal Bento ist wieder da. Nachdem der Account auf Betreiben von Spiegel Online gesperrt wurde, ist er bei Twitter nun wieder online. Die Gründe dafür sind noch unklar. Es könnte sein, dass Spiegel Online seine Beschwerde gegenüber dem Satire-Account zurückgezogen hat.

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Weil der satirische Twitter-Account @bento_is_hip einen Flüchtlingswitz gemacht hat, meldete Spiegel Online den Account und sorgte so dafür, dass er von Twitter gelöscht wurde. Seither hagelt es Kritik für das Vorgehen von Bento. Der Macher von @bento_is_hip übte in einem offenen Brief erneut scharfe Kritik an Bento und Redaktionsleiter Ole Reißmann.

Bento, das neue Jugendportal aus dem Hause Spiegel Online, musste sich nach dem Start schon recht viel Kritik im Netz anhören. Besonders geschmerzt haben dürfte der Beitrag eines 18-Jährigen, also eines Mitglieds der Kernzielgruppe von Bento, beim Medienportal DWDL.de, der Konzept und Machart auseinandernahm:

Bento kategorisiert die Themen in Rubriken ein wie „Style – OMG! So Fancy“ oder „Gerechtigkeit – Say What?!“ und scheint dabei genau für die Art „junger Mensch“ gemacht zu sein, die selbst von den Inhalten in den Snapchat-Videos von Lena Meyer-Landrut überfordert sind. Das sind keine Nachrichten für junge Menschen. Das sind Nachrichten für dumme Menschen.

Die Macher des Satire-Accounts @bento_is_hip nahmen den typischen Stil der Bento-Überschriften aufs Korn. Vorbild für den Satire-Account ist @vice_is_hip, der in derselben Manier die Schlagzeilen des Vice-Magazins veralbert. Folgender @bento_is_hip-Witz stieß den echten Bento-Machern sauer auf:

Flüchtlingsheime anzünden: Wir haben den neuen Ekel-Trend probiert.

Die Redaktionsleiter von Bento, Ole Reißmann und Frauke Lüpke-Narberhaus, fanden das nicht lustig. Spiegel Online hat den Satire-Account bei Twitter gemeldet und der Kurznachrichtendienst reagierte mit einer prompten Löschung. „Generell prüfen wir jeden Tweet oder Account, der uns gemeldet wird. Zu Einzelfällen können wir allerdings nichts sagen“, heißt es bei Twitter dazu auf Anfrage.

Warum der Account nun wieder online ging, ist noch unklar. Möglicherweise hat Spiegel Online die Beschwerde gegen @bento_is_hip zurückgezogen. Auf die Frage, ob es nun weitergeht mit @bento_is_hip, sagt Matthias Seier, einer der beiden Macher des Satire-Accounts gegenüber MEEDIA: „Wir sind uns noch nicht sicher. Als Medieninszenierung ist der Aufruhr der letzten Tage eh kaum steigerbar, Bento hat sich selbst mehr ins Abseits geschossen als das es unser Konto je tun könnte. Von daher: gut möglich, dass wir weitermachen, und genauso möglich, dass wir es nicht tun.“

Die Löschung des Satire-Accounts hatte eine Welle der Kritik im Web gegen Bento nach sich gezogen. Reißmann und Lüpke-Narberhaus erklärten die Aktion im Nachhinein als als „Kurzschlussreaktion“.

Dass der Account nun wieder so schnell online gestellt wurde, kann eigentlich nur bedeuten, dass die Beschwerde gegen @bento_is_hip zurückgezogen wurde. Das verwunert insofern, als die Bento-Redaktionsleiter noch in einem Interview im Deutschlandradio, die Sperrung des Accounts verteidigt haben. Auch gegenüber MEEDIA erklärte Ole Reißman noch am Donnerstag.Vormittag: „Der Account hatte als Namen ‚Bento.de‘ und unser Logo. Uns gab es zu dem Zeitpunkt 1,5 Wochen. Viele wussten nicht: Sind das wirklich wir? Wir wollen nicht mit fremdenfeindlichen Äußerungen in Verbindung gebracht werden.“

Übrigens: der Flüchtlingswitz, der die ganze Sache ins Rollen brachte, ging mit @bento_is_hip auch wieder online. Aber nur kurz. Mittlerweile ist dieser Tweet gelöscht, der Rest ist aber wieder hergestellt. Im Social Web kann Ruhe einkehren. Für fünf mindestens Minuten.

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Alle Kommentare

  1. Die brauchen keine extra Satire Seite. Das ganze Ding ist eine einzige Satire. Wer glaubt eigentlich im Ernst das junge Menschen in Deutschland so daemlich sind wie bento sie darstellt. Oder sind wir wirklich so weit? Das waere schlimm. Also lieber Realsatire – das ganze bento …

  2. Liebe Spon-Macher,

    falls von Euch jemand das hier liest: Bitte, bitte, markiert doch die Links zu Bento-Artikeln auf Eurer Seite. Da klickt man auf einen Link und denkt sich „Ach du Sch…, wo bin ich denn hier gelandet“.

    Natürlich könnte man sagen, dass ich selbst schuld bin, wenn ich auf irgendeinen Clickbait-Scheiß reinfalle. Aber leider, leider passen sich immer mehr sogenannte Qualitätsmedien den „Erfolgsrezepten“ von Buzzfeed & Co. an. So ein kleiner Hinweis ist doch nicht zu viel verlangt. Dann weiß man: Hier gibt es halbwegs brauchbaren Journalismus, und da ist Bento drin.

    Viele Grüße
    Ein Leser

  3. „Der Flüchtlingswitz…“

    Wäre ein „Flüchtlingswitz“ nicht ein Witz, der sich über Flüchtlinge lustig macht?
    Inwiefern ist der Tweet ein „Flüchtlingswitz“?

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