Bild.de sperrt Werbemuffel aus – und die Spenden bei AdBlocker Plus gehen durch die Decke

Eyeo-Chef Till Faida
Eyeo-Chef Till Faida

Digital Economy Diese Zahlen dürften so manch einem Medienmanager nicht gefallen: Die Anti-AdBlocker-Initiative von Bild.de hat nicht nur dazu geführt, dass die Werbeverweigerer seit Dienstag keine Inhalte der Boulevard-Seite mehr sehen können. Sie sorgt auch für einen gegenteiligen Effekt: So verzeichnete die AdBlock-Plus-Mutter Eyeo eine deutliche Zunahme der Spendenbereitschaft für ihr umstrittenes Browser-PlugIn.

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Gegenüber MEEDIA verrieten die Kölner, dass die deutschen Visits auf adblockplus.org am Dienstag um 285 Prozent höher lagen, als an anderen Tagen. Das bedeutet jedoch erst einmal nur, dass die Bild-Initiative für eine kräftige Steigerung der Aufmerksamkeit gesorgt hat.

Allerdings führte das Aussperren der AdBlocker-Nutzer durch die Springer-Marke auch zu einer erhöhten Solidarität der Werbemuffel. So verzeichnete AdBlocker Plus (ABP) eine deutliche Zunahme bei den Spenden.

Neben Zahlungen der großen werbungtreibenden Unternehmen, um auf die Whitelist von ABP zu kommen, finanziert sich die Firma hinter dem PlugIn auch über Spenden. Wie viel mehr Spenden am 13. Oktober in die Kassen von Adblockplus.org geflossen ist, verraten die Kölner aber nicht.

Bild.de Blocking ABP Donations

Diese Zahlen dürften nicht dazu beitragen, das Verhältnis von Springer und Eyeo zu verbessern. Die Berliner hatten gerade erst eine Klage gegen den Adblocker-Anbieter angestrengt und verloren. Gegen den Richterspruch des Kölner Landgerichts legten sie bereits Berufung ein. Tatsächlich hält der Verlag das Geschäftsmodell von Eyeo für rechtswidrig. „Dies gilt sowohl für das Unterdrücken von Werbung auf Verlagswebseiten als auch für das Angebot des ‚Whitelisting‘, bei dem sich Publisher von der Werbeblockade freikaufen können, ein aus Sicht von Axel Springer erpresserisches Vorgehen“, heißt es in einer Mitteilung des Verlages.

Die Anti-AdBlocker-Kampagne von Bild.de kommentiert Eyeo, gegenüber MEEDIA wiederum recht zurückhaltend. „Nicht aufdringliche und qualitativ hochwertige Werbung funktioniert sehr gut auch bei den Nutzern von AdBlockern, das zeigt der Erfolg von unserem Acceptable Ads Programm“. Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Wir begrüßen den Schritt von Bild.de mit den Nutzern von AdBlockern in einen Dialog zu treten. Jeder Nutzer kann mit AdBlock Plus immer selbst entscheiden, ob er eine Website aufgrund ihrer guten Inhalte unterstützen möchte und ob er ihre Werbung für akzeptabel hält. Ob dies im Falle von Bild.de der Fall ist kann jeder Nutzer für sich selbst entscheiden.“

Welche Folgen und Auswirkungen die Aussperrung der Werbeverweigerer bei Bild.de tatsächlich haben wird, wird sich wohl erst in den kommenden Monaten zeigen. Dann liegen mit der AGOF und IVW die relevanten Reichweitenzahlen vor und auch Eyeo wird sagen können, ob die Zunahme der Spendenbereitschaft nur ein kurzfristiger und einmaliger Akt der Solidarität war.

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Alle Kommentare

  1. Was, wenn die Spenden bisher zwischen 2 und 4 Euro waren und nun vervierfacht wurden? Ohne korrekt beschriftete Y-Achse glaube ich keiner Aussage in einem Diagramm.

  2. Zitat: „Diese Zahlen dürften nicht dazu beitragen, das Verhältnis von Springer und Eyeo zu verbessern.“ –
    Das ist, zumindest für meinen Standpunkt, richtig erkannt. BILD ist eigentlich nur interessant, um zu sehen, was die psychologische Arbeit für den Mainstream vorsieht. Benötige ich aber nicht wirklich. Beim Besuch im Internet bestimme ich selbst, ob ich Werbung sehen will oder nicht, daran wird auch Springer nichts ändern. Beste Grüße

  3. Diese Kampagne verringert die Reichweite von Bild. Firmen müßten in Zukunft billiger Werbung schalten können, da man jetzt die tatsächliche Reichweite als Grundlage nehmen wird. Potential geht auch bei den von Bild so geschätzten politischen Kampagnen verloren. Wahlkampf ohne Bild: das wird klasse :-). Selbst in Merkels akuter Not erreichen einen deren Kinderbilder und Bibelsprüche nicht mehr…welch ein Elend 😉

    Man war dort ausgesprochen schlecht beraten….da können bei Bild eventuell noch Köpfe rollen.

    1. Denkfehler. Die WERBEreichweite verringert sich eben nicht. Die bisherigen Adblocker User sind für Medien ohne jeden Wert. Da AdBlock meines Wissens sogar die IVW Pixel blockt, dürfte der Schaden genau Null sein.

      Im Übrigen: Weniger Reichweite = niedrigere TKPs ist ebenso ein Trugschluss.

      1. na, liebe Bild, dann habt ihr ja alles richtig gemacht….und könnt jetzt euren durchschlagenden Erfolg feiern 😉

        Wie sieht es aus mit euren Kampagnen….die sind wahrscheinlich auch besser/stärker als bisher?

        Promis sind glücklich….keine „Werbung“ für neue Filme, Bücher etc. mehr möglich…die reißen sich jetzt um die von euch so hintenrum erbetenen Interviews?

        Bild ist unfehlbar…und der Klassejournalismus wird jetzt erst so richtig gefördert werden?

        Irgendwie glaube ich nicht an Euren Erfolg.

  4. Die BILD echauffiert sich und nimmt das Wort „Erpressung“ in den Mund. Haha. Was machen die denn mit dem User?

    Entweder zahlen oder Adblocker ausschalten. Wie nennt man das in Springerkreisen?

    1. Dann wirst du bei Edeka wohl auch jeden Tag erpresst? Waren zahlen oder liegen lassen. Wie frech, dass Springer nichts verschenken will.

    2. Naja, also wenn Springer bisher sein Angebot kostenlos zur Verfügung gestellt hat und jetzt Geld dafür will vom Leser ist das ihr gutes Recht. Denn Springer bietet eine Leistung. Wie man diese Leistung bewertet ist dabei unerheblich. Als Leser habe ich keinen Anspruch darauf, diese kostenlos zu bekommen. Das wäre ja so als ob ich sage: Ich will den BMW fahren, aber dass ich dafür bezahlen muss, finde ich Erpressung. Genau diese Einstellung ist es, die die Verlage aufregt.

  5. Ich hätte ja vielleicht damit leben können, die Domäne bild.de im adblocker freizugeben. Aber der Springer Verlag verlangt direkt die Freigabe ALLER Seiten über den Adblocker. Sowas nenne ich Erpressung, und deshalb gibt es keine Bild mehr, ganz einfach. Naja, und wie ich die Spezialisten von ADP kenne, dauert es nicht lange und die können das umgehen. Weiter so, Leute. Übrigens…. nichts gegen Werbung auf einer Website, aber wenn ich nur noch von irgendwelchen blinkenden und aufpoppenden Sachen erschlagen werde, das geht gar nicht!

  6. Hab gestern mal meine 3 Adblocker ausgeschaltet um zu sehen was so bei Bild.de los ist und warum man so dagegen vorgeht.

    Nachdem ich gesehen habe das fast 40 Tracker aktiv waren hab ich direkt wieder alle AdBlocker eingeschaltet.

    Wundert mich nicht wenn man den Leuten so aufdringliche Werbung vorsetzt das die User irgendwann genug davon haben.

  7. Dank Eyeo wird also alles teurer. Firmen mit bekannten Marken müssen immer neue Wege suchen und Werbeformen entwickeln (z.B. Produkt-Placement, gekaufte Posts, die sich von reellen Posts kaum unterscheiden lassen, …), um auf ihre Produkte aufmerksam zu machen bzw. ihre Marken zu pflegen. Und die Werbefirmen müssen Geld zahlen, um ihre generell in Geiselhaft genommenen Werbemittel freizukaufen. Kleineren Firmen fehlen dazu die nötigen Ressourcen.

    Auf der anderen Seite stehen dann die Publisher, denen Eyeo die Sponsoren durch eine manipulierte Darstellung ihrer Webseite wegnimmt. Damit fehlt ihnen das Budget für neue, gut gemachte Inhalte. Für den Werbeblocker bedeutet dies: Inhalte, die er ohne Gegenleistung anschauen möchte, entstehen erst gar nicht. Kleinere, durchaus sehr oft gut gemachte Seiten, werden damit verdrängt.

    Leider aber halten es die naiven Nutzer von AdBlockern für ihr gutes Recht, alle von ihnen gewollten Produkte frei zu nutzen, selbst wenn sie dafür keinerlei Gegenleistung erbringen. Ob sie auch so denken würden, wenn sie selbst auf einmal ohne Gehalt arbeiten müssten, ist unwahrscheinlich.

    Wenn mir eine Seite zu viel Werbung zeigt oder mir der Aufruf für den Inhalt, den ich lesen will, zu teuer ist, dann verlasse ich die Seite ganz einfach. Dafür brauche ich keine Blocker und keine Firmen mit einem Geschäftsmodell, das selbst Mafiosi staunen lässt.

  8. Lieber Knieschuss,

    als Abrechnungsgrundlage dient heute schon nur die tatsächliche Reichweite ohne Adblocker. An den Preisen ändert sich also rein gar nichts. Zu früh gefreut.

    Bitte erst Marktkenntnis aneignen, dann kommentieren.

  9. Ein kostenlos zu nutzendes weil werbefinanziertes „redaktionelles“ Angebot ist so weit von Erpressung weg wie ET von zuhause. Springer weiß genau, dass die Initiative nicht nur Reichweite kostet sondern auch das Tracking unterminiert. Es geht darum zu zeigen, dass kostenlose Inhalte auf Dauer nicht ohne Werbung machbar sind und darum, Material für den nächsten, den vierten Prozess gegen Eyeo zu sammeln. Tatsächlich blockt ABP nicht nur Werbung sondern auch Kommunikation zwischen Verlag und User und das ist echt dünnes Eis. Für die ABP-Zahlen gibt es leider keine Belege. Insofern riecht das ein Bisschen nach Häme. Grundsätzlich ist Adblocking tatsächlich freie Userentscheidung, aber ein kommerzielles Geschäftsmodell dahinter, bei dem sich die Verlage freikaufen können, halte ich für fragwürdig. Ich finde, Eyeo sollte alle Erlöse für die Flüchtlingshilfe spenden.

  10. Warum kauft Springer nicht einfach Eyeo auf und sorgt dafür, dass sie so auf die Whitelist kommen. Nebenbei könnte Springer dann Geld von anderen Verlagen für die Freischaltung verlangen. Fertig.

  11. Meedia,

    wie lange darf eigentlich so ein Gewäsch, „untermauert“ durch so eine Grafik mit Nullinfo hier stehen, bis man schreiben darf: das ist mal ganz schön gar nix. Schlimmer: das ist ein Artikel samt Quellen, der selbst Wochenwerbeblättchen vor der Haustüre beleidigen würde.

    Gibts bei Euch keine Cvd oder so etwas?

  12. Die Werbung auf bestimmten Portalen wird einfach zu viel. Auch bei bezahlten Angeboten oder Inhalten wird Werbung geschaltet und davon kann sich auch Bild bzw. Springer nicht freisprechen.

    Ähnliche Handhabung entdecke ich vermehrt bei den Sky-Angeboten fürs Pay-TV.

    Und das nervt einfach gewaltig, denn die Qualität der Beiträge steigert sich nicht. Vielmehr geht es um Einnahmen, die von den Firmen generiert werden. Und das nicht, um den eigenen „Journalismus“ zu finanzieren. Das ist nur ein vorgeschobenes Argument.

    Ich denke, der Zankapfel ist eher das Traking, das mit Adblockern ebenso teilweise(!) unterbunden wird.

    Ich persönlich begrüße dies. Ich benötige keine auf mich zugeschnittene Werbung und auch keine Werbung im Überfluss.

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