Anzeige

Die Vagina-Dialoge: Miranda July lässt New Journalism im Rihanna-Interview aufleben

Rihanna in Aktion
Rihanna in Aktion

Nach dem Interview ist vor dem Interview: Letzte Woche noch verriet Rihanna Vanity Fair in einer aufwendigen Titelstory in Kuba, wie sie es mit ihrem Sex-Leben hält (Überraschung: sie hat keins), diese Woche legt der R&B-Superstar im T Magazine, dem Style-Supplement der New York Times, nach. Und zwar in einem ungewöhnlichen Interview, geführt von Schriftstellerin Miranda July, das die Erzählkunst des New Journalism wieder aufleben lässt.

Anzeige
Anzeige

Die Anzeichen für Rihannas unmittelbar bevorstehendes Album-Comeback sind nicht mehr zu übersehen. Nach drei nur durchschnittlich erfolgreichen Singles wurde vergangene Woche das Cover des neuen Albums „Anti“ enthüllt.

#ANTi #backcoverart @roynachum

Ein von badgalriri (@badgalriri) gepostetes Foto am

Flankiert wird der Countdown bis zur Veröffentlichung, mit der im November gerechnet wird, mit einer Interview-Kampagne, die fast so gut orchestriert wirkt wie ein Apple-Launch. Erst bekommt das Popkulturmagazin Fader seine Titelgeschichte.

@theFADER #FADER100 Ein von badgalriri (@badgalriri) gepostetes Foto am

Dann folgt Vanity Fair mit einer Hochglanz-Coverstory, fotografisch mit einer wieder ziemlich nackten Rihanna von Foto-Ikone Annie Leibovitz in Kuba in Szene gesetzt.

Inhaltlich sagt Rihanna, was man von Rihanna erwartet: „Ich werde geil, ich bin ein Mensch, ich bin eine Frau, ich möchte Sex haben.“ Was man so aus ihren bisher sieben Alben gewohnt ist.

Kann man dem noch etwas hinzufügen? Frau kann, wenn die Perspektive gedreht wird. Diesen Job hat die Schriftstellerin-Schauspielerin-Tausendsasserin Miranda July für die New York Times erledigt. Genauer: Für das Supplement T Magazine, das in einer Serie „The Greats“ würdigt. Passenderweise ist Rihanna kurz vor ihrem neuen Album an der Reihe.

Wie nähert man sich nun einer der erfolgreichsten Popsängerinnen aller Zeiten? Diese Frage, die Tausende Nachwuchsjournalisten rund um den Globus umtreiben dürfte, hat Miranda July („The Future“) nicht nur in einem Kurz-Interview Social Media-gerecht aufbereitet – sondern gleich in der Form den Artikel verfasst.

Anzeige

A Girl, A Plan, A Canal: Rihanna. http://nyti.ms/1RCvZjg Posted by Miranda July on Monday, October 12, 2015

Es ist eine Hommage an die hohe Erzählkunst des New Journalism, der in den 60er-Jahren von Schriftstellern wie Norman Mailer, Truman Capote oder Tom Wolfe mit Reportagen salonfähig gemacht wurde, in denen es mehr um dem Interviewer als um den Interviewten ging – man muss das mögen.

So erfahren T Magazine-Leser, dass July mit einem Uber Taxi (Black!) zum Interview fährt und nicht widerstehen kann, beim Taxifahrer anzugeben, wen sie gleich interviewen wird und sich erstmal mit Rihannas „24/7-Assistentin“ Mut antrinkt – aber etwas später auch, dass Rihanna ihre berühmt-berüchtigten Instagram-Fotos selbst postet und sie sogar mit der App Squareready zurechtschneidet (was inzwischen nach der Einführung neuer Bildformate nicht mehr nötig ist). 

Behind the scenes of @badgalriri’s #TGreats cover shoot with Craig McDean. The #TGreats issue is in the @nytimes on Sunday, Oct. 25. Ein von T: The NYTimes Style Magazine (@tmagazine) gepostetes Video am

Und natürlich darf der Sex auch nicht zu kurz kommen. Rihanna verrät, dass sie viel über den Prozess der Geburt nachdenke und was dabei mit der Vagina passiere. Also googelte die Strandschönheit aus Barbados „Phobie vor einer großen Vagina“. Nicht „groß“ im Sinne von „tief“, wäre in diesem Zusammenhang das richtige Schlagwort, sondern „weit“, belehrt July und erzählt von ihren eigenen Gebärerfahrungen.

„Aber natürlich ist die Tiefe entscheidend“, forciert Rihanna das Frauengespräch. Und dann macht Miranda July eine Bemerkung über die Beschaffenheit ihrer eigenen Vagina, die man im Interview selbst nachlesen kann. Wie gesagt: Man muss New Journalism mögen.

  @Tmagazine cover story #TheGreats #TGreats   Ein von badgalriri (@badgalriri) gepostetes Foto am

Dass jede Menge Weißwein fließt, hilft der Unterhaltung offenbar.  Und wie es sich für jedes Starinterview anno 2015 gehört, dürften Beweis-Selfies natürlich auch nicht fehlen…

Remember this @badgalriri ? One of us was classy. @tmagazine: http://t.co/6h59potjc5 Ein von Miranda July (@mirandajuly) gepostetes Foto am

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*