Analyst: Das iPhone 6s verkauft sich schlechter als erwartet

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Wird das iPhone 7 doch noch weiß?

Kalte Dusche von der Wall Street für den wertvollsten Konzern der Welt: Die Analysten vom Bankhaus Pacific Crest rechnen mit deutlich schwächeren iPhone 6s-Verkäufen als bislang erwartet. Nach der ersten Verkaufswoche habe Apple seine Komponenten-Bestellungen bei Zulieferern um 15 Prozent gekappt. Pacific Crest erwartet im Weihnachtsquartal nun erstmals seit Einführung des iPhones rückläufige Absätze für Apples Bestseller.

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Die Alarmsignale für nachlassende iPhone-Verkäufe gibt es schon länger. Im Juli war es, als die Wall Street erstmals den Champion aller Klassen anzählte: Analyst Toni Sacconaghi von der Investmentbank Sanford C. Bernstein adressierte die aufkommenden Wachstumssorgen in einer Kurzstudie. Tenor: Eine Sättigung der iPhone-Nachfrage ist unvermeidlich.

„Es ist höchst fragwürdig, ob das iPhone im nächsten Jahr noch wachsen kann“, sprach der renommierte Analyst von Bernstein Research gegenüber dem Finanzportal Marketwatch die Sorge aus. „An den Marktrealitäten kommt Apple nicht vorbei“, formulierte Sacconaghi die unbequeme Hypothese.

iPhone-Rekordwochenende bringt keinen Stimmungsumschwung an der Wall Street

Die Reaktion der Börse folgte wenig später: Seit den enttäuschenden Quartalszahlen Ende Juli befindet sich die Apple-Aktie im Abwärtssog und hat sich bis heute nicht entscheidend freischwimmen können. Daran änderten auch die Rekordverkäufe der neuen iPhones Ende September nichts, da die Wall Street schnell begriff, dass Tim Cook Äpfel mit Birnen verglich. Ein Verkaufswochenende, in dem mit China – anders als im Vorjahr – plötzlich der wichtigste Absatzmarkt der Welt  hinzugerechnet wurde, fällt naheliegenderweise besser aus als ohne das Reich der Mitte, in dem der iPhone 6-Verkauf 2014 einen Monat später gestartet war.

Doch auch mit Blick auf das alles entscheidende Weihnachtsquartal fing Apple zu tricksen an – und legte die Auslieferung der neuen iPhones gegenüber dem Vorjahr um eine Woche nach hinten, obwohl fast zeitgleich vorbestellt werden konnte. Der Hintergrund: Weil auf diese Weise lediglich zwei Verkaufstage der neuen Modelle iPhone 6s und 6s Plus in die Bilanz des Fiskaljahres 2015 einflossen, das Apple auffällig früh am 26. September beendete, kann der Techpionier mehr Verkäufe der neuen iPhones, die bekanntermaßen in der ersten Woche am höchsten sind, im Dezember-Quartal verbuchen.

Mit Rechenschiebertricks gegen das Ende des iPhone-Wachstums

Allein: Wenn der wertvollste Konzern der Welt bei seinem erfolgreichsten Produkt aller Zeiten plötzlich zu solchen Rechenschiebertricks greifen muss, scheint in Cupertino etwas nicht so zu laufen wie gewünscht. Das iPhone-Wachstum – es scheint nicht nur erwartungsgemäß mit dem iPhone 6s zu erlahmen, sondern sogar erstmalig seit Einführung des Kultsmartphones zu Ende zu gehen.

Staranalyst Ming-Chi Kuo hatte bereits im August in den Raum gestellt, dass Apple im Weihnachtsquartal lediglich 65 bis 75 Millionen iPhones werde absetzen können – und damit bestenfalls den Vorjahrsrekord einstellen könne.

Pacific Crest: iPhone 6s-Verkäufe im Weihnachtsquartal um 10 Prozent schwächer

Glaubt man nun der Investmentbank Pacific Crest, sind diese Schätzungen zu optimistisch. Analyst Andy Hargreaves rechnet zwischen Oktober und Dezember nur noch mit 66,9 Millionen verkauften iPhones. Das würde einem happigen Minus von 10 Prozent entsprechen und tatsächlich den ersten Verkaufsrückgang seit der Einführung des Kultsmartphones 2007 bedeuten.

Als Indikator legt Hargreaves Informationen aus der Zuliefererkette zugrunde: So haben die Komponentenbestellugnen bei Zulieferern nach der ersten Verkaufswoche des iPhone 6s signifikant nachgelassen. Pacific Crest will daher einen Rückgang der Bestellungen von 15 Prozent ausgemacht haben.

Für Apple wäre das ein harter Schlag, den Investoren trotz der schwachen Kursentwicklung der vergangenen Monate – die Apple-Aktie verlor im dritten Quartal mehr als 12 Prozent und damit so viel wie seit 2,5 Jahren nicht mehr – möglicherweise noch nicht vollständig eingepreist haben. Die Durchschnittserwartungen der Wall Street liegen mit 76,4 Millionen verkauften iPhones weiter marginal über dem Vorjahresniveau.

Anleger blicken sorgenvoll auf Quartalsbilanz in zwei Wochen

Entwarnung könnte Konzernchef Tim Cook in zwei Wochen geben, wenn Apple neue Geschäftszahlen für das abgelaufene September-Quartal vorlegt. Anleger dürften dabei  weitaus mehr am Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft als an der abgelaufenen Dreimonatsbilanz interessiert sein.

Bei gegenwärtig 111 Dollar notiert die Apple-Aktie gegenüber dem Jahresstart praktisch unverändert, hat allerdings gegenüber den im April aufgestellten Allzeithochs mehr als 17 Prozent  verloren. Seit der Aufnahme in den Elite-Index Dow Jones im März notiert die Apple-Aktie um 10 Prozent im Minus.

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Alle Kommentare

  1. Es wird Zeit, daß die Konsumenten aufwachen und das iPhone als das erkennen, was es tatsächlich ist: maßlos überteuert und teilweise sogar schlechter als die Konkurrenz, zeichnet es sich im Wesentlichen durch ein aggressives „Mußt Du haben, sonst bist Du nichts wert“ – Marketing aus …

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