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„Schon vor 40 Jahren hieß es, die kleineren Zeitungen werden sterben“

Verleger Dirk Ippen kündigt zum 75. an: „Irgendwann werde ich alles verschenken.“
Verleger Dirk Ippen kündigt zum 75. an: "Irgendwann werde ich alles verschenken."

In der Liste der 500 reichsten Deutschen stand er 2013 noch mit 550 Millionen Euro. Ein Jahr später waren es nach der Erhebung des manager Magazins weniger als halb so viel. Was war passiert? "Ich habe die Hälfte verschenkt", sagt der Verleger Dirk Ippen, der diese Woche 75 Jahre alt geworden ist.

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Aber die Angaben zu seinem Vermögen, so der Verleger, seien ohnehin „naiv und sehr theoretisch“. Fakt ist: Ippen hat in den vergangenen Jahrzehnten viele kleine, oft sanierungsbedürftige Lokalzeitungen übernommen und auch einige größere Blätter wie die Hessische/Niedersächsische Allgemeine, den Münchner Merkur und die tz. Seine Mediengruppe kommt auf eine Gesamtauflage von 800 000 Exemplaren. Die Hälfte der Gruppe hat Ippen an seinen Neffen Daniel Schöningh übertragen, der die Geschäfte des Münchener Zeitungs-Verlags führt, und an den langjährigen Mitarbeiter Harald Brenner. „Was ist meine Mehrheitsbeteiligung am Münchener Zeitungs-Verlag wert?“, fragt Ippen, „wie wollen Sie das messen? Ich würde ja gar keinen Käufer finden, wenn ich die heute verkaufen wollte. Die Wettbewerber – die Süddeutsche zum Beispiel – dürfen es nicht kaufen.“

Gestern wurde der in Rüdersdorf bei Berlin geborene Regionalzeitungsfürst 75 Jahre alt. „Irgendwann werde ich alles verschenken, was ich habe“, sagt er. „Denn Petrus wird mich nicht fragen, wie viele Zeitungen ich mitgebracht habe.“ Wie es dann mit der Mediengruppe weitergehen wird, steht noch nicht genau fest, aber Schöningh und Brenner sollen auch künftig die Geschicke lenken.

„Niemand muss Unternehmer werden, und man soll es nur tun, wenn man den Willen hat zu Gestaltung und Risiko“, sagt Ippen. „So etwas kann man nicht vererben, und da muss man auch nicht in Generationen denken.“ Zwei der drei Söhne haben kein Interesse am Mediengeschäft: Einer lebt in München, der andere als Taekwondo-Meister auf Hawaii. Der älteste Sohn Jan arbeitet dagegen im Digitalbereich der Gruppe und bekam auch Anteile vom Vater.

Dirk Ippen erbte von seinem Vater Rolf Ippen den Westfälischen Anzeiger in Hamm. Danach schaute er sich um: Wo sind in anderen kleinen Städten bezahlbare Familienzeitungen mit Nachfolgeproblemen? „Als ich das gemacht habe, haben mich viele bedauert oder bemitleidet“, sagt er rückblickend. „Da hieß es damals schon – vor 40 Jahren: Die kleineren Zeitungen werden sterben. So dass ich auch damals keinen Wettbewerber hatte. Es gab keinen, der sich für diese kleinen Zeitungen interessiert hat.“

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Seinen Hauptfehler sieht Ippen darin, vor 20 Jahren die Bedeutung des Internets nicht rechtzeitig erkannt zu haben: „Wir hätten früher in die digitalen Rubriken-Märkte einsteigen müssen.“ Doch trotz des unaufhaltsamen Auflagenschwunds ist ihm um die Zukunft der Zeitungen, die sich zu multimedialen Medienhäusern weiterentwickelt haben, nicht bange: „Wir sind in Deutschland keine sterbende Branche bisher. Ich sehe auch in Zukunft nicht ein plötzliches Zeitungssterben.“ Gerade mit lokalen und regionalen Themen seien Zeitungen weiter gefragt.

Als ein Nestor der Branche ist Ippen vielfach gefragt. Doch seine eigene Rolle spielt er eher herunter. Er wirkt ruhig und bescheiden und deutlich jünger als 75. Dass in ihm weiterhin viel Energie brodelt, machen aber seine Finger deutlich, mit denen er im Gespräch sehr oft leise auf den Tisch trommelt.

Der promovierte Jurist, der in seiner Freizeit gerne wandert, ist auch Schöngeist und Stifter – als Herausgeber von Gedichtbänden produziert er Bestseller, als Förderer von Kulturprojekten und journalistischem Nachwuchs pflegt er Mäzenatentum ohne viel Aufhebens. Er schreibt auch selbst gern und meldet sich immer wieder mit Verleger-Beiträgen zu aktuellen Themen zu Wort.

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Alle Kommentare

  1. Ist ja lobenswert, dass er sich so engagiert. Aber stimmen tut’s trotzdem nicht. die kleineren Zeitungen sterben schon lange, nur nicht so offensichtlich, wie man sich’s damals vorgestellt hat.

    Heute werden sie so lange von innen ausgehöhlt, bis nur noch eine leere Hülle übrig ist. Eine Zeitung nach der anderen bezieht immer mehr Teile von irgendwelchen „Content Desks“. Wenn‘ glimpflich läuft, bleiben noch Lokalredaktionen übrig. Die gäbe es aber auch, wenn die Mäntel gewöhnlich fusionieren würden.

    Wenn der Konzern es durchziehen will, macht er es wie Funke bei der Westfälischen Rundschau: Alle Mitarbeiter werden rausgeschmissen, die Inhalte im Baukastensystem zusammengestoppelt und sogar bei der Konkurrenz gekauft. In der Statistik heißt das dann noch eine Zeitung, in Wirklichkeit aber ist es ein Zeitungszombie.

    Nur noch ein paar Jahre, und wir haben immer noch ganz viele Zeitungstitel, aber nur noch ganz wenige Redaktionen. Wer den pürierten Einheitsbrei dann noch lesen will …

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