„Instant, anywhere“: Googles neues Mobile-Projekt AMP will Facebooks Instant Articles überflüssig machen

Google präsentierte mit AMP ein Projekt für ein neues, schnelleres mobiles Internet
Google präsentierte mit AMP ein Projekt für ein neues, schnelleres mobiles Internet

Google hat im Rahmen seiner Digital News Initiative (DNI) heute das Projekt Accelerated Mobile Pages (AMP) vorgestellt. Damit will Google nichts weniger, als ein neues Ökosystem für das mobile Web etablieren. Das Open-Source-Projekt stellt Programmier-Werkzeuge zur Verfügung, mit der mobile Websites deutlich schneller laden können. Google hat bereits namhafte Internet- und Medien-Unternehmen als Partner an Bord. Neben den Nutzern hat Google dabei aber natürlich auch die Konkurrenz in Gestalt von Apple und Facebook im Auge.

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Spekulationen, dass Google eine eigene Variante von Facebooks Instant Articles vorstellen würde, gab es schon seit einiger Zeit. Was Google nun tatsächlich vorstellte, ist aber deutlich umfassender und tiefgreifender als Instant Articles. Das AMP-Projekt des Such-Riesen hat das gleiche Ziel wie die Instant Articles von Facebook, nämlich Inhalte mobil besser und schneller zu präsentieren. Allerdings verfolgt Google dieses Ziel mit ganz anderen Mitteln. Während Facebook Medien-Unternehmen dazu überreden will, ihre Inhalte direkt bei Facebook zu speichern, so dass diese innerhalb des Social Networks schnell und lesefreundlich konsumiert werden können, verfolgt Google mit AMP einen radikal offenen Ansatz.

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So können AMP-Inhalte im mobilen Web aussehen

Gemeinsam mit DNI-Partnern und Technologie-Firmen hat Google AMP HTML entwickelt, eine Variante des bekannten HTML-Codes, die besonders auf mobile Darstellung zugeschnitten ist. Damit sollen mobile Web-Seiten vor allem mit Videos, Bilder-Karussells und Animationen schneller laden und besser aussehen als bisher. AMP HTML soll universell funktionieren, so dass es ganz egal ist, über welches Mobil-Gerät der über welche Plattform man die Inhalte aufruft. Dies ist nichts weniger als eine offene Alternative zu Facebooks Instant Articles. Richard Gingras, Head News + Social Products bei Google, bezeichnete AMP laut Jeff Jarvis folgerichtig als „Instant, anywhere“.

Erste Technologie-Partner, die AMP HTML integrieren sind u.a. Twitter, Pinterest, WordPress.com, Chartbeat, Parse.ly, Adobe Analytics und LinkedIn. An Medienunternehmen sind u.a. die New York Times, der Guardian, der Economist, Vox Media, Les Echos, La Stampa, Chartbeat und Hearst mit von der Partie. Auch deutsche Medien, wie FAZ.net oder Zeit Online, machen bei AMP vom Start weg mit. FAZ-Digital-Chef Matthias Müller von Blumencron: „Wir erwarten, dass dieses Projekt die Nutzung unserer Mobilseiten bedeutend erhöht. Wir werden sorgsam beobachten, wie die Initiative dazu beitragen kann, Anzeigenerlöse zu erhöhen. Der Schlüssel wird sein, das Verlagsgeschäft innerhalb der digitalen Welt zu verbessern.“

Anzeigen, die nicht nerven

Googles Mobil-Offensive verspricht den Medienhäusern nämlich auch, bei der Anzeigenvermarktung ihrer Mobil-Angebote zu helfen. AMP soll eine ganze Bandbreite an Anzeigen-Formaten, Werbe-Netzwerken und Technologien unterstützen. Dabei sollen vor allem Anzeigenformate gefördert werden, die nicht von der User Experience ablenken – ein Signal, um der zunehmenden Beliebtheit von AdBlockern entgegenzuwirken. AMP definiert feste Sektionen für Inhalte und Werbung. Ziel ist es, dass Werbung den Konsum der Inhalte nicht länger beeinträchtigt. Google betont außerdem, dass ein weiteres Kernziel von AMP sei, Abo-Modelle und Paywalls zu unterstützen. Verleger werden das gerne hören.

Google präsentiert sich natürlich nicht von ungefähr als Freund und Förderer der Medienunternehmen. Facebook hat viel Resonanz auf seinen Vorstoß mit Instant Articles bekommen. Sollten Instant Articles ein Erfolg werden, würde dies bedeuten, dass Werbegelder mobil noch stärker als bisher in Richtung Facebook fließen. Schon jetzt ist Facebook der unumstrittene Primus, was mobile Werbung angeht. Das Social Network macht einen Löwenanteil seiner Umsätze damit. Davon können andere Unternehmen nur träumen. Google will Medienhäusern mit dem AMP-Projekt nun eine offene Alternative dazu anbieten, sich noch stärker an das Facebook-Ökosystem zu binden. Ganz nebenbei würde Google auch profitieren, weil die Suchfirma in einer solchen offenen Umgebung ihre Anzeigen besser platzieren und vermarkten kann. Bislang tut sich Google mit der Monetarisierung des mobilen Web nämlich noch schwer.

Der andere IT-Riese, der Google gerade das Leben schwermacht, ist Apple. Der iPhone-Hersteller hat in der jüngsten Version seines mobilen iOS-Betriebssystems erstmals AdBlocker zugelassen. Mit der Folge, dass erste AdBlocker Apps international an die Spitze der App-Download-Charts schossen. Google versucht nun erkennbar, ein Gerüst für mobile Inhalte und mobile Werbung zu bauen, die von Nutzern nicht als störend empfunden wird, so dass es keine Veranlassung mehr gibt, Ad Blocker zu installieren. Und nicht zuletzt ist AMP ein Signal an Medienhäuser, dass sie von einer Zusammenarbeit mit Google nur profitieren können. Unterschwellig wird damit die Notwendigkeit unseliger Leistungsschutz-Initiativen gleich mit in Frage gestellt.

Google hat mit seinem offenen mobilen Betriebssystem Android bereits gezeigt, welche Durchschlagskraft offene digitale Lösungen haben können. Die Entwicklungswerkzeuge für AMP werden ab sofort zur Verfügung gestellt.

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