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Wäre David Lynch Deutscher, hätte er eine Serie wie „Weinberg“ gedreht

Die deutsche Pay-TV-Serie „Weinberg“
Die deutsche Pay-TV-Serie "Weinberg"

"Auf einmal scheint die ganze Welt deutsches Fernsehen zu wollen", schrieb The Independent über die neue RTL-Serie "Deutschland 83". Und damit könnte die britische Tageszeitung Recht behalten – denn ein weiterer Hoffnungsträger steht in den Startlöchern, um zu beweisen, dass auch deutsche Fernsehmacher gut horizontal erzählen können: "Weinberg", die Eigenproduktion des Spartensenders TNT Serie.

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Zwischen Wäldern und Hügeln windet sich die Ahr durch eine nebelverhangene Herbstlandschaft. Inmitten dieses mystischen Idylls erwacht ein Mann (Friedrich Mücke) desorientiert und ohne Erinnerungen auf einem Weinberg. Über ihm hängt eine tote Frau in den Reben. Verstört flüchtet er in das nahegelegene Dorf Kaltenzell, gibt sich als Joachim Fuchs aus und bittet um Hilfe. Doch als er gemeinsam mit den Helfern auf den Weinberg zurückkehrt, ist die Leiche verschwunden. Zurück im Dorf erkennt er am nächsten Tag in Sophia Finck (Sinha Melina Gierke), der verängstigten aber wohlbehaltenen Weinkönigin von Kaltenzell, die vermeintliche Tote wieder. Als die junge Frau am selben Abend tatsächlich verschwindet, beginnt Joachim Fuchs nachzuforschen – und stößt auf zahlreiche Geheimnisse und menschliche Abgründe in der Dorfgemeinschaft.

„Weinberg“ ist eine sechsteilige, abgeschlossene Serie zwischen Drama und Horror, die eindeutig an die Mutter aller Grusel-Serien erinnert: Mit „Twin Peaks“ prägte Regisseur David Lynch das US-Fernsehen Anfang der 90er Jahre maßgeblich und zeigte erstmalig: Das Fernsehen ist eine ernsthafte Konkurrenz zum Kino. 25 Jahre später wirkt „Weinberg“ wie eine Hommage an Lynch und seine Kultserie – und ist dennoch typisch deutsch: mit Trachten, Dorffesten, einer Weinkönigin und – trotz des Horrors – auch einer Menge beißendem Humor.

Schon mit der ersten Szene wird der Zuschauer in einen Alptraum à la Franz Kafka geworfen: Die Hilflosigkeit und Verzweiflung des Helden sind durchgehend spürbar, während er auf der Suche nach seiner Erinnerung durch das mysteriöse Örtchen wandelt und dabei an immer skurrilere Dorfbewohner gerät, die scheinbar alle Dreck am Stecken haben. Sowieso wirkt die kleine Stadt wie aus einer surrealen anderen Zeit – und Joachim Fuchs, abgeschottet von der Realität, darin gefangen. Für den Zuschauer gibt es in der Pilotfolge kaum Erholung von der Spannung und der Gewalt; die Bilder sind düster und alle Figuren auf den ersten Blick entweder unglücklich oder böse.

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„Weinberg“ bedient gekonnt alle Elemente des Horror-Genres, schießt dabei jedoch hier und da übers Ziel hinaus. Stellenweise wird die Spannung derart stark aufgebaut, dass ihr der eigentliche Schock-Moment überhaupt nicht mehr gerecht werden kann und die Handlung allzu vorhersehbar wird. Nichtsdestotrotz gehört die TNT-Serie-Eigenproduktion zusammen mit „Deutschland 83“ zu den besten deutschen Fiction-Programmen dieses Jahres. Und der Vorwurf, Deutschland könne keine guten TV-Serien, dürfte spätestens 2015 endlich entkräftet sein.

TNT Serie, der Seriensender von Turner Broadcasting System Deutschland, zeigt die eigenproduzierte Serie Weinberg ab 06. Oktober immer dienstags um 21.10 Uhr. Die sechs Episoden der Miniserie sind jeweils direkt im Anschluss an die Senderpremiere der fünften Staffel von Game of Thrones zu sehen.

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