Anzeige

„Eigentlich sollte hier unsere Anzeige stehen“ – VW ändert Werbung in Sonntagszeitungen wegen Dieselgate

VW1.jpg

Volkswagen hat in den deutschen Sonntagszeitungen mit großformatigen Anzeigen um das Vertrauen der Kunden geworben. Eigentlich wollte VW Anzeigen zum 25. Jubiläum der Deutschen Einheit schalten, doch die Dieselgate-Affäre kam dazwischen.

Anzeige
Anzeige

In einigen Worten erläutert der Text der Anzeige, welche Werbung „eigentlich“ an dieser Stelle hätte stehen sollen. Stattdessen wolle man nur einen Satz sagen: „Wir werden alles tun, um euer Vertrauen zurückzugewinnen.“ Erstaunlich, dass VW seine Kunden in der Online-Version duzt, in den Print-Anzeigen siezt und ansonsten kein Wort der Entschuldigung oder Erklärung anbietet. Auf der Firmen-Website versichert der Konzern, der seine Kunden millionenfach absichtlich betrogen hat, bei der Aufklärung keine Zeit verlieren zu wollen: „Wir versichern, dass wir den eingeschlagenen Weg der Aufklärung und Transparenz konsequent weiter gehen.“ 

Das klingt ein bisschen so, als würde der Gauner, der einen jahrelang übers Ohr gehauen hat, nun treuherzig versichern, jetzt aber ganz schnell seine eigenen Untaten aufklären zu wollen. In einem Medium erschien die „eigentlich“ geplante VW-Anzeige zu 25 Jahre Deutsche Einheit übrigens doch: in der Gratis-Bild zum Einheitsfeiertag, die am vergangenen Donnerstag an alle Haushalte verteilt wurde. Die Anzeige wurde sogar auf der Titelseite angeteasert: VW bedankte sich dort für 25 Jahre Treue. Die Gratis-Bild wurde mit zu großem Vorlauf produziert, als dass man die Anzeige noch hätte verändern können.

Dumm gelaufen. Die werben & verkaufen berichtete schon mit Berufung auf Vermarkterkreise, dass VW einen Großteil seiner geplanten Kampagnen und Werbeausgaben wegen der Abgasaffäre gestoppt habe. Verständlich, denn die gesamte Kommunikation muss zur Krisenkommunikation verändert werden. Ein kompletter Werbe-Stopp sei aber wohl nicht geplant. Ein Analyst hatte den Aktien deutscher Medienunternehmen wegen wegfallender Werbeausgaben durch die VW-Krise bereits einen Abwärtstrend attestiert.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Die Verantwortlichen von VW haben einen Fehler gemacht. Ja. Aber sie schonen sich nicht, gestehen offen ihren Fehler ein, entschuldigen sich bei allen in aller Demut und Ehrlichkeit. Ich finde, es wäre mal an der Zeit, dies auch anzuerkennen. Und vor allem die Marke Volkswagen nicht auf den Abgasskandal zu reduzieren. VW baute und baut auch weiterhin erstklassige, technisch absolut hochwertige und optisch einmalig schöne Autos – mit Kultstatus. Als VW-Fahrer, der ich seit Jahrzehnten bin, kann ich das mit Fug und Recht behaupten. Ich stehe auch weiterhin zu VW, und zwar jetzt erst recht, denn ich bin nicht derjenige, der diese Marke und diesen Konzern jetzt im Stich lassen wird. VW ist und bleibt für mich Das Auto!

  2. Idee gut, Umsetzung miserabel: Der Text ausgesprochen einfallslos und schon sprachlich daneben – die Wiederholung des „eigentlich“ kam in diesem Kontext hölzern, gestelzt, ja ausgesprochen albern daher, der Thematik gegenüber (der eigenen wie der deutschen!) letztlich unwürdig.

  3. OK, was VW da zu verantworten hat, ist sicher keine Lappalie. Für mein Gefühl ist die Empörung aber überdimensioniert.
    VW baut nach wie vor sehr gute Autos. Dass ein Abgaswert für eine US-Abgasnorm nicht eingehalten werden konnte, lässt aus einem VW ja keine Rostlaube werden (das VW-Logo wird in vielen Artikeln jetzt ja neuerdings auf einer durchrosteten Karosserie dargestellt). Wer jetzt überrascht darüber ist, dass sein VW ja doch ein paar Gramm mehr CO2 ausstößt, als auf dem Papier steht, ist scheinheilig.

  4. „Stattdessen wolle man nur einen Satz sagen: „Wir werden alles tun, um euer Vertrauen zurückzugewinnen.“ Erstaunlich, dass VW seine Kunden hier duzt…“

    Umso erstaunlicher, als da doch recht deutlich geschrieben steht: „Wir werden alles tun, um Ihr Vertrauen zurückgewinnen“.

    Oder gab es tatsächlich eine Du-Variante? Wenn ja, wo. Facebook?

  5. Belogen, nicht betrogen. Das ist ein Unterschied. Aber Vorwürfe an andere lassen sich ja leichter Formulieren als sich selbst an Qualiätsstandards zu halten.

    1. VW hat nicht nur gelogen, sondern auch seit Jahren in großem Maßstab betrogen. Denn mit den Autos mit Dreck-Dieselmotoren wurden den Kunden bewusst Fahrzeuge angedreht, die die zugesicherten Produkteigenschaften nicht einhalten können. Die Kunden haben also viel Geld für etwas bezahlt, was sie nicht bekommen haben: saubere Diesel-Autos. Und das SGB formuliert Betrug nun mal so: „1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Es könnte sogar ein besonders schwerer Fall vorliegen (bis zehn Jahre Gefängnis), beispielsweise, weil eine große Anzahl von Käufern geschädigt wurde. Selbst nach einer möglichen Nachbesserung haben die betrogenen Kunden ein schlechteres Auto. Sei es – je nach Motor – dass die Leistung im Straßenbetrieb spürbar absinkt, nämlich auf Prüfstand-Niveau (Einsatz von SCR-Technik), oder dass wesentlich mehr Diesel durch notwendige Nachverbrennung verbraucht wird (Einsatz von NOx-Speicherkatalysatoren).

  6. „Erstaunlich, dass VW seine Kunden hier duzt“: also in dem von euch verlinkten Bild der Anzeige steht da ziemlich eindeutig „Wir werden alles tun, um Ihr Vertrauen zurückzugewinnen.“?

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*