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Wie die Bild einen Witz von Micky Beisenherz 42 Millionen mal verhunzte

Wann haben Sie zuletzt bei Ihrem Samsung TV die Abgaswerte gecheckt?
Wann haben Sie zuletzt bei Ihrem Samsung TV die Abgaswerte gecheckt?

Die Bild druckte 42 Millionen mal einen versauten Witz von Micky Beisenherz ab. Nicht, was Sie jetzt denken! Die Pointe wurde versaut. Ob Jörg Kachelmann wirklich Schmerzensgeld von Axel Springer bekommt, ist noch gar nicht so klar. B.Z.-Chef Peter Huth sieht Abschreiber, wo keine sind und Samsung wandelt auf den Pfaden von VW.

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Um 25 Jahre Deutsche Einheit zu feiern, ließ die Bild-Zeitung 42 Millionen Exemplare einer Gratis-Einheits-Sonderausgabe drucken. Diese bot u.a. allerhand kurzweilige Listen (25 beste deutsche Hits, beste Museen usw.) sowie ein verstörendes Foto von Veronica Ferres, Maria Furtwängler und einem Wolf.

Es gab auch eine Sammlung von Lieblingswitzen besonders lustiger Deutscher. Darunter Komiker und Facebook-Schreck Micky Beisenherz, der einen klassischen Oneliner zum Besten gab: “Kommt ein Zyklop zum Augearzt”. Sie verstehen: Augearzt statt AugeNarzt. Weil – kicher – der Zyklop, der hat ja bloß ein Auge! Lach! Prust! Leider sind sie im Korrektorat der Bild nicht ganz so witzig und haben den Witz vom Beisenherz mit dem nur scheinbar fehlenden “n” verschlimmbessert, weshalb sich 42 Millionen Empfänger der Einheits-Bild gewundert haben dürften, warum dieser Beisenheini als so mörderlustig gilt:

In dieser Woche wurde das Urteil im Schmerzensgeldprozess Jörg Kachelmann vs. Bild-Zeitung verkündet. Wegen Persönlichkeitsrechtsverletzungen in 38 Fällen bekam der Wetterexperte vom Kölner Landgericht 635.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Das ist die höchste Entschädigungssumme, die ein Prominenter jemals vor einem deutschen Gericht erstritten hat. Aber wird sie auch bezahlt? Der Medienanwalt Johannes Eisenberg, der in vielen Verfahren die taz vertrat und gewiss kein Freund der Bild-Zeitung ist, äußerte bei Zeit.de Zweifel daran:

Dazu muss man wissen, dass es sich um eine Entscheidung des Landgerichts Köln handelt. Da gehen die Mühseligen und Beladenen gern hin, wenn sie sich an anderen Landgerichten weniger Chancen ausrechnen. Das sollte man berücksichtigen. Ich bin nicht sicher, ob das Urteil die nächsten Instanzen überstehen wird. Dass es eine Präzedenz für zukünftige Schadensersatzfälle oder gar einen Paradigmenwechsel in der Rechtsprechung darstellt, wage ich jedenfalls zu bezweifeln.

Nächster Halt: Oberlandesgericht. Die Springer-Anwälte haben vorsorglich schon mal angekündigt, zur Not auch bis zum Bundesgerichtshof zu ziehen.

Peter Huth, Chefredakteur der Berliner Boulevardzeitung B.Z., glaubte, die Leute bei Spiegel Online der verschärften Abschreiberei überführt zu haben und tat dies sogleich bei Twitter kund

Blöd nur, dass das Timmerberg-Buch mit den Tigern, die keine Yogis fressen, im SpOn-Text explizit erwähnt wird. Einige Stunden später hatte Herr Huth den Text zur Überschrift dann offenbar auch gelesen und leistete bei Twitter brav Abbitte:

Dass unser liebster, ur-deutscher Autokonzern Volkswagen bei über elf Millionen Autos eine fiese Mogel-Software einbaut, die dafür sorgt, dass Abgaswerte in Testsituationen niedriger sind, das ist schon ein starkes Stück. Was kommt bitte als nächstes? Fernseher, die in Tests weniger Strom verbrauchen als im alltäglichen Gebrauch? Klingt wie ein Witz vom Beisenherz? Von wegen:

Independent lab tests have found that some Samsung TVs in Europe appear to use less energy during official testing conditions than they do during real-world use, raising questions about whether they are set up to game energy efficiency tests.

Quelle: The Guardian

Wenn es bei der Glotze hinten rausraucht, wissen Sie jetzt Bescheid. Also Fernseher ausmachen, Diesel in der Garage lassen und sich am Tag der Deutschen Einheit gepflegt ein paar Witze erzählen. Das spart dann Emissionen wie Sau. Aber bitte die Pointe nicht versauen!

Allseits fröhliches Feiertagswochenende!

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