Diekmann vs. „Monitor“: Twitter-Zoff um eine nicht veröffentlichte Bild-Stellungnahme

Twitter-Battle nach einem TV-Beitrag über die Bild-Aktion „Wir helfen“: „Monitor“-Chef Georg Restle (li.), Bild-Macher Kai Diekmann
Twitter-Battle nach einem TV-Beitrag über die Bild-Aktion "Wir helfen": "Monitor"-Chef Georg Restle (li.), Bild-Macher Kai Diekmann

Das Polit-Magazin "Monitor" hat in seiner aktuellen Sendung die "Wir helfen"-Kampagne der Bild-Zeitung unter die Lupe genommen und sich gefragt, "wer eigentlich wem hilft". Das wollten die Reporter auch von den Initiatoren bei Axel Springer wissen und haben um Antworten auf elf Fragen gebeten. Zitiert wurde Bild im Beitrag nur wenig, was Diekmann nun gar nicht passt.

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Deshalb nahm Diekmann die Vermittlung der Stellungnahme selbst in die Hand. Via Twitter veröffentlichte der Chefredakteur der Bild erst einmal die Fragen des WDR-Reporters um später im Periscope-Stream die Antworten vorzulesen. Dabei ließ er es sich nicht nehmen, das öffentlich-rechtliche Fernsehen anzuprangwern. So wollte es professionelles Fernsehen machen, sie „können es aber doch nicht“. Mehrmals betonte Diekmann die Gebührenfinanzierung.

Weshalb Diekmanns Antworten in der Sendung nicht aufgegriffen worden sind, das hat der WDR noch nicht erklärt (s. Update unten). Georg Restle, Chef von „Monitor“, reagierte bei Twitter. Dort veröffentlichte er dann auch die Bild-Antworten, stellt das Foto des Dokuments allerdings auf den Kopf.

Während der Twitter-Auseinandersetzung verschwand dann auch noch die „Monitor“-Sendung von der Videoplattform YouTube, wo der Beitrag ebenfalls zu sehen war. Eine „technische Panne“, wie der WDR erklärt.

Auf der Homepage von „Monitor“ hat die Redaktion das Skript zum Beitrag veröffentlicht. Darin wird auf die Stellungnahme der Bild eingegangen. Von elf Fragen und Antworten ist übrig geblieben:

Bild sieht das ganz anders: „Wir helfen“ sei keine Image-Kampagne für Bild, sondern eine Solidaritätskampagne. Es gehe ausschließlich um die gute Sache. Eine gute Sache vor allem für Bild. Experten schätzen den Werbewert der Budnesliga-Aktion auf eine Million Euro. Acht Zweitliga-Vereine wollten da nicht mitspielen – und viele Fans auch nicht.

Für Diekmann ist dieser Wortanteil selbstverständlich zu gering. Einen Grund dafür kann er sich auch vorstellen. Seine Antworten hätten nicht in das Konzept von „Monitor“ gepasst, erklärt er in seinem Livestream. Er bedauere, dass Bild nicht den Geschmack der WDR-Journalisten getroffen habe.

Tatsächlich sind zwei Sätze im Vergleich zu elf Fragen (und Antworten) wenig. Warum „Monitor“ sich so spärlich aus den Bild-Statements bediente, begründete Restle eher indirekt. Offenbar waren die meisten Bild-Antworten in den Augen der Investigativ-Reporter nicht substanziell genug.

Wie Restle mit der Länge eines typischen Bild-Artikels andeutet, merkten auch Periscope-Zuschauer per Kommentar an, dass Bild wohl auch Interviews kürze oder wegfallen ließe. Bei vielen Journalisten sind lange und umfangreiche Anfragen auch ein Mittel, das gern genutzt wird, um in der Masse von den wesentlichen, versteckten Fragen abzulenken. Eines jedenfalls ist sicher: Mit seiner Entscheidung, die Bild-Statements derart eklatant zu kürzen, hat „Monitor“-Chef Restle eine perfekte Vorlage für PR-Profi Kai Diekmann geliefert.

Update: Auf Anfrage von MEEDIA übersandte „Monitor“ am Nachmittag eine ausführliche Stellungnahme:

„Die Sache ist sehr einfach: Die Redaktion ‚Monitor‘ hat am Montag eine Interviewanfrage an Herrn Diekmann gestellt und zugleich einen Katalog von elf Fragen zur ‚Wir-helfen‘-Kampagne an die Bild-Zeitung gemailt. Darin ging es um die Kampagne an sich, wie auch um Fragen zur Transparenz der Mittelverwendung und die Zusammenarbeit mit Politikern im Rahmen dieser Aktion.

Bild hat die Fragen am Donnerstagmorgen, 24.9.2015, schriftlich beantwortet, weil Kai Diekmann für ein Interview nicht zur Verfügung stand. Alle Fragen und Antworten finden Sie im Twitter-Account von Georg Restle: https://mobile.twitter.com/georgrestle?p=s

Der Beitrag bei ‚Monitor‘ hat sich dann ausschließlich auf die Frage beschränkt, ob es sich bei ‚Wir helfen‘ um eine reine Hilfsaktion handelt oder doch auch um eine PR-Kampagne für die Bild-Zeitung, bei der nicht nur die meisten Bundesliga-Vereine, sondern auch zahlreiche Spitzenpolitiker teilgenommen haben. Die Antworten der BILD-Zeitung auf diese Fragen haben wir im Beitrag natürlich (in indirekter Rede) zitiert:

„Bild sieht das ganz anders: ‚Wir helfen‘ sei keine Image-Kampagne für Bild, sondern eine Solidaritätskampagne. Es gehe ausschließlich um die gute Sache.“

Insofern ist die Position der Bild-Zeitung zum Vorwurf der Kampagne im Beitrag eingearbeitet. Zu Komplexen, die gar nicht Thema des Beitrages waren, wurde naturgemäß auch die Stellungnahme der Bild-Zeitung nicht erwähnt. Manche Vorwürfe u.a. von Hilfsorganisationen, mit denen wir Bild journalistisch korrekt konfrontiert haben, ließen sich durch unsere Recherchen nicht bestätigen. Insoweit wäre es unsinnig gewesen, die Antworten im Monitor-Beitrag zu erwähnen.“

Auch für das Verschwinden des Beitrags bei YouTube führte Restle eine Erklärung an:

„Dass der Youtube-Link zum Beitrag zwischendurch deaktiviert war, hatte indes einen ganz einfachen Grund: Da die ARD keine Internet-Rechte zur Übertragung von Bundesliga-Bildern besitzt, wurden diese im Internet zunächst nur durch eine Texttafel ersetzt und in einer zweiten Version durch Fotos. Beim Austausch beider Versionen im ARD-Youtube-Kanal gab es ein technisches Problem, was zu einer kleinen Verzögerung führte. Auf der Sendungshomepage und in den Mediatheken von ARD und Das Erste gab es keinerlei Verzögerungen.“

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Alle Kommentare

  1. Meedia mal wieder als Hofberichterstatter der Bild. Ist das monatliche Pensum noch nicht erfüllt?

  2. Kai Diekmann hat sich doch mit seiner Aktion selbst ein Ei ins Nest gelegt, vor allem nach seinem völlig irrwitzigen Agriff auf den Verein FC St. Pauli ging die Nummer völlig baden. Deswegen ist er nun dünnhäutig, was man oft von Leuten kennt, die selbst gerne mit der Keule austeilen. Jetzt sich über „Monitor“ über angeblich verkürzte Antworten beschweren, aber zuvor nicht einmal die Eier gehabt zu haben, vor der Kamera Rede und Antwort zu stehen – das ist dann nur noch konsequent.

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