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Presserat rügt mehrfach Schleichwerbung in Print- und Onlinemedien

v.l.: Die Chefredakteure Jan Emendöfer (LVZ), Daniel Steil (Focus Online),  Norbert Tiemann (WN) und Michael Bröcker (RP)
v.l.: Die Chefredakteure Jan Emendöfer (LVZ), Daniel Steil (Focus Online), Norbert Tiemann (WN) und Michael Bröcker (RP)

Der Presserat bemängelt in gleich sieben Fällen die Missachtung von Trennung zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung, u.a. bei der Rheinischen Post, der Leipziger Volkszeitung und der Westfälische Nachrichten. In insgesamt drei Fällen wurde Focus Online gerügt.

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Das Portal unter Führung von Chefredakteur Daniel Steil bekommt zum einen eins auf den Deckel für einen Beitrag über eine Drogeriekette. In dem Text wurden Gründe für die Popularität des Unternehmens aufgelistet. Das Stück habe „jegliche Distanz vermissen lassen“, so der Presserat. Focus Online fiel bereits mehrfach damit auf, dem Einzelhandel den einen oder anderen Gefallen damit zu tun, dass auf Inhalte aus Prospekten (beispielsweise im Falle der Drogeriekette Rossmann oder des Discounters Aldi) hingewiesen wird.

Die Trennung zwischen Werbung und Redaktion nicht ganz ernst genommen hat offenbar auch die Rheinische Post unter Führung von Chefredakteur Michael Bröcker sowie die Leipziger Volkszeitung mit Jan Emendörfer und die Westfälische Nachrichten mit Chefredakteur Norbert Tiemann.

Die RP hat in Print wie auch online „über ein Kreditangebot einer Bank ausschließlich positiv und völlig unkritisch berichtet“, so der Presserat. „Beigestellt war der Veröffentlichung zudem ein Foto, das einen Mitarbeiter der Bank mit einem großen Werbeplakat für das Angebot zeigte. Diese Art der Berichterstattung war nach Auffassung des Presserats nicht von öffentlichem Interesse und überschritt deutlich die Grenze zur Schleichwerbung nach Richtlinie 7.2 des Pressekodex.“

Die Leipziger Volkszeitung habe „im Rahmen eines redaktionellen Beitrages auf der Titelseite auf eine werbliche Veröffentlichung im Innenteil hingewiesen. Ein solcher Querverweis ist mit der erforderlichen klaren Trennung von Redaktion und Werbung nicht vereinbar“. Die Westfälische Nachrichten haben im Rahmen einer „Medienpartnerschaft“ redaktionelle Beiträge über Unternehmen und ihr Angebot veröffentlicht. „Beigestellt waren den Artikeln Anzeigen der Unternehmen. Der Presserat sah in den Beiträgen Werbung, die nicht als solche gekennzeichnet war.“

Rügen wegen Schleichwerbung erteilte der Presserat auch an Sonntag Aktuell, L.A. Multimedia sowie das Magazin St. Georg.

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Die zweite Rüge für Focus Online gab es im Falle eines Videos, das „ursprünglich zu Werbezwecken“ produziert worden sei, so der Presserat, und „dessen Inhalt nicht als fiktiv gekennzeichnet war“. Der Presserat schreibt: „Der Beitrag war unter ‚Panorama‘ neben ‚echten‘ Nachrichten veröffentlicht worden. Unter der Überschrift ‚Das muss passieren, wenn man kein Bußgeld zahlen will‘ ist in dem Video zu sehen, wie ein russischer Polizist während einer Verkehrskontrolle vor einem Rudel Wölfe in das kontrollierte Auto flüchten muss. Die Betrachter erfuhren weder im Begleittext noch bei Abspielen des Videos oder im Anschluss, dass die Wölfe computergeneriert sind und dass es sich um eine Wodka-Werbung handelt.“ Deshalb liege in diesem Fall ein Verstoß gegen Ziffer 1 des Pressekodex vor, der zur „wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit“ ermahnt.

Die dritte Rüge kassierten die Münchener wegen Verletzung des Persönlichkeitsschutzes nach Ziffer 8 des Kodex‘. „Die Redaktion hatte in ihrem Facebook-Auftritt über den Suizid eines 13-jährigen Mädchens berichtet. Beigestellt war der Veröffentlichung ein Foto des Mädchens. Zudem wurde ihr voller Name genannt. Sie war somit eindeutig identifizierbar. Die in Richtlinie 8.7 geforderte Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Selbsttötung wurde hier grob missachtet.“

In der Rügenauflistung darf die Bild nicht fehlen. Springers Boulevardmarke, die sich sogar mit den Rügen des Presserates brüstet, wird wegen einer „unangemessen sensationellen Darstellung eines grausamen Unfalls“ bei Bild.de kritisiert. „Die Redaktion hatte ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie Sportler der European Games von einem Bus angefahren werden. Sie erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Im Video wird mehrfach der Moment des Aufpralls gezeigt. Diese Wiederholung des Unfallmoments geht über ein öffentliches Interesse hinaus, die Grenze zur Sensationsberichterstattung nach Ziffer 11 des Pressekodex wird überschritten.“

Neben den zehn öffentlichen Rügen sprach der Presserat 19 Missbilligungen und 37 Hinweise aus. Zwölf Beschwerden wurden als begründet bewertet, auf eine Maßnahme wurde jedoch verzichtet, 70 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet.

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Alle Kommentare

  1. Die Trennung von redaktionellem Inhalt und Werbung ist nun wirklich nicht das Hauptproblem des deutschen aggressiv-abkanzelnden Gesinnungsjournalismus, der unter rapidem Leser- und damit Geld-Schwund leidet. Es ist eher heuchlerisch, wenn sich linksradikale Gewerkschafts-Apparatschiks im „Presserat“ über mangelnde „Distanz“ zu Zahnpastaverkäufern erregen, während die Distanz in (partei-) politischen und gesellschaftlichen Fragen längst nicht mehr gegeben ist. Zur Vereinfachung hier der Artikel aus der NZZ, der in D. wegen flächendeckender Gesinnungszensur nicht hätte erscheinen können.

    http://www.nzz.ch/feuilleton/medien/berichterstatter-als-stimmungsmacher-1.18615593

    Kümmert das den vom Merkel-Regime subventionierten „Presserat“? Natürlich nicht. Da ist es immerhin wohltuend zu wissen, dass es sich um einen „zahnlosen Papier-Tiger“ (doppelt hält besser) handelt, dessen folgenloses Geschwurbel im Nirwana verplätschert.

  2. Bringen diese Rügen was? Die sollen Geldstrafen zahlen. Empfindliche… Dann hören sie vielleicht auch auf.

    1. Auch Werbung unterfällt der Meinungs- und Äußerungsfreiheit gem. Art. 5 GG; das hat das Bundesverfassungsgericht wiederholt entschieden. Werbung und Journalismus – in derselben Zeitung! – zu trennen, mag ein hübscher Gedanke dann sein, wenn man professionelle Journalisten und gute Umsatz- und Eigenkapitalrediten hat. Beides gibt es nicht mehr. Reichweiten der Print-Presse folgen den Sterbetafeln.
      Mit Strafen durchsetzen ließe sich die Trennung ohnehin nicht; die Pressegesetze der Länder sind insoweit (rechtlich und tatsächlich) Unfug. Der „Presserat“ ist eine zutiefst lächerliche rot-grüne Quasselbude; kein Chefredakteur oder Verlagsmanager lässt sich von Minderleistern aus dem linken Gewerkschafts-Milieu vorschreiben, wie seine Zeitung auszusehen hat – von Blogs übrigens auch nicht. Es zählt, was Geld bringt, sonst nichts.
      Gemessen an den Alternativen – staatliche Agitprop-Presse, Umerziehungslager für Bürgerliche, Politische Korrektheit als „Staatsreligion“, usw. – ist Geldgier die bessere Lösung.

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