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Vage iPhone 6s-Vorbestellungen: Liegt Apple wirklich über Vorjahresniveau?

Apple-Marketingchef Phil Schiller, neue iPhones 6s
Apple-Marketingchef Phil Schiller, neue iPhones 6s

Apple äußerte sich bereits vor dem Verkaufsstart der neuen iPhones zu den Vorbestellungszahlen. Man sei nach ersten Daten optimistisch, den Vorjahresrekord von zehn Millionen georderten iPhones übertreffen zu können, steckte Apple dem Wall Street Journal. Doch der Vergleich mit dem Vorjahresergebnis hinkt wegen des früheren Verkaufsstarts in China.

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Es ist die wichtigste Kennziffer für Apple-Aktionäre in den nächsten vier Monaten: Wie hoch fallen die Vorbestellungen für die neuen iPhones aus? Zwar wird der wertvollste Konzern der Welt Mitte bis Ende Oktober noch die vierte und letzte Quartalsbilanz für das dann abgelaufene Fiskaljahr 2015 verkünden, doch dieser Geschäftsbericht dürfte die Wall Street ziemlich kalt lassen, bilanziert er doch ein letztes Mal die Verkaufszahlen des iPhones 6 im Verhältnis zum iPhone 5s.

Was Anleger weitaus mehr interessiert, ist die Nachfrage nach den neuen iPhones. Das ist der eigentliche Gradmesser für das neue, im Oktober beginnende Geschäftsjahr, in dem Analysten inzwischen ein Ende des Wachstums befürchten.

Neue Apple-Taktik: Ein exklusives Pressestatement ist die neue Pressemeldung

Dass Apple sichtlich bemüht ist, die Bedenken aus dem Weg zu räumen, wurde am Montag deutlich. Eine exakte Hausnummer, die alle Zweifel pulverisieren würde, ob die Nachfrage nach dem iPhone 6s auch so hoch wie die nach dem iPhone 6 sein würde, blieb Apple indes schuldig. Im Vorjahr noch gab Apple stolz via Pressemeldung bekannt, man habe mit 4 Millionen Vorbestellungen in nur 24 Stunden einen neuen Rekord aufgestellt.

Am Montag vor Handelseröffnung wählte der Kultkonzern aus Cupertino indes dieselbe Taktik wie bereits beim Börsencrash vor drei Wochen: Ein exklusives Pressestatement ist die neue Pressemeldung. Nachdem CNBC Ende August zur Geschäftsentwicklung in China von Tim Cook eine Email erhalten hatte, wurde nun das Wall Street Journal von Apple als exklusives Sprachrohr auserkoren.

„Auf Kurs, um den Vorjahrsrekord zu übertreffen“

„Die Kundennachfrage nach dem iPhone 6s und iPhone 6s Plus war extrem positiv, und die Vorbestellungen dieses Wochenende waren auf der ganzen Welt sehr stark“, ließ Apple-Sprecherin Trudy Muller mitteilen. Die Botschaft: Läuft bei uns. Dann der entscheidende Satz für die Wall Street: Man sei auf Kurs, „um den Vorjahrsrekord zu übertreffen“.

Anleger sprangen begierig nach dem Knochen, den Cupertino ihnen hingeworfen hatte und schickten die Aktie im vorbörslichen Handel um vier Dollar nach oben, bis ihnen dämmerte, dass man die eigentlichen Zahlen vielleicht doch besser abwarten sollte.

Zeitgleicher China-Launch schönt den Verkaufsstart

Vor allem bleibt die Frage, was sie am Ende wert sind. Zwar schickt sich Apple an, einen neuen Rekord aufzustellen – doch das muss Cupertino auch. Schließlich begann die Vorbestellungsphase in China, anders als im vergangenen Jahr, als sich der Launch um einen Monat verzögerte, 2015 zeitgleich mit dem Rest der Welt.

Mit anderen Worten: In diesem Jahr sind in den Vorbestellungen für Millionen iPhones aus dem Reich der Mitte dabei, die im vergangenen noch September fehlten. Zwei Millionen vorbestellte iPhones konnte Apple im vergangenen Jahr in China im Oktober vermelden, dazu kommen die Ladenverkäufe am ersten Wochenende – folglich entsprächen dem Rekordwert von 10 Millionen Einheiten im Vorjahr in diesem Jahr wohl mindestens 12 bis 13 Millionen verkaufte iPhones, wenn man China dazurechnet.

„Ohne China wären die iPhone 6s-Vorbestellungen wahrscheinlich eine große Enttäuschung“, legt das Wirtschaftsportal Quartz den Finger in die Wunde.

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Geht es nach dem gut vernetzten Hedgefondsmanager Doug Kass könnten selbst die Vorbestellungen in China geschwächelt haben:

Investor Relations-Strategen aus Cupertino leisten ganze Arbeit

Tatsächlich scheint es so, als hätten die PR-Strategen aus Cupertino wieder einmal ganze Arbeit geleistet: Der Vorbestellungszeitpunkt der neuen iPhones erfolgte nicht nur ungewöhnlicherweise am Samstag und damit einen Tag später als im Vorjahr, der Verkaufsbeginn am 25. September liegt sogar eine ganze Woche später.

In der quarzgenau getakteten Apple-Welt unter Tim Cooks Ägide dürfte das kaum ein logistischer Zufall sein: Während bei der Terminierung der Keynote auf den 9.9. noch mit einer symbolischen Verneigung vor der neuen iPhone-Generation und dem Rollout von iOS 9 argumentiert werden könnte, scheint hinter der Verkaufsverschiebung ein anderes Kalkül zu stecken.

Späterer iPhone 6s-Verkaufsstart: Apple könnte 5 bis 10 Millionen iPhones mehr im Weihnachtsquartal verbuchen

Durch den eine Woche späteren iPhone 6s-Verkaufsstart rettet Tim Cook nämlich wertvolle erste Verkaufstage für das alles entscheidende Weihnachtsquartal. Apple hat in der Vergangenheit die Bücher seines Fiskaljahres zudem immer einige Tage eher geschlossen.

Hält Cook an der Bilanzierungsmethode fest und beendet das Fiskaljahr bereits am 26. September, könnte Apple durch die aufgestaute Nachfrage zum iPhone 6s-Launch leicht 5 bis 10 Millionen Einheiten mehr im wichtigen Weihnachtsquartal verbuchen, in dem immer mehr Analysten Stagnation befürchten.

Wie schon bei der Apple Watch, bei der sich Tim Cook weiter beharrlich in Schweigen hüllt und es sogar nötig hatte, das erste Verkaufsquartal in der Juni-Bilanz unter „Sonstigen Produkten“ zu verstecken, scheint es, als wolle der Apple-CEO mit Taschenspielertricks das Blatt so weit es geht ausreizen. Bleibt abzuwarten, ob die Wall Street dem Bilanzierungs-Vodoo erliegt.

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Alle Kommentare

  1. Wieder einmal ein Beitrag des Herrn Jacobsen, der den spekulativen Artikel eines Wirtschaftsmagazins nutzt, um mit diskriminierenden Begriffen wie „Taschenspielertricks“ und „Bilanzierungsvodoo“ seiner persönlichen Abneigung gegen Apple Ausdruck zu verleihen. Wieder einmal ein in seiner Motivation sehr leicht durchschaubarer und daher im Grunde peinlicher Artikel.

    1. Hallo Herr Blum,

      ich freue mich, dass Sie trotzdem weiterhin zu meinen regelmäßigen Lesern zählen:)

      In der Sache: Nein, ich nutze nicht den spekulativen Artikel eines Wirtschaftsmagazins – ich stelle die Rechnung schließlich selbst auf. Quartz untermauert nur meine These.

      1.) Durch die Einbeziehung des Verkaufsstarts von China und der um eine Woche längeren Vorbestellungsphase hinkt der Vergleich zum Vorjahr deutlich. Wenn Apple das Vorjahresergebnis nur marginal übertrifft, wurde es tatsächlich unterboten. Wenn Sie der Rechnung folgen, sehen Sie, dass Apple inklusive China mind. 3 Mio. wenn nicht 5 Mio. mehr iPhones verkaufen muss, um den Vorjahreswert überhaupt zu egalisieren. Insofern darf nach dem hingeworfenen Statement ans WSJ, das dieselbe Handschrift trägt wie vor drei Wochen an CNBC, schon Skepsis erlaubt sein.

      2.) Über die Verschiebung des iPhone-EVT um eine Woche habe ich noch nirgends etwas gelesen – insofern geht auch dieser Vorwurfs des Abschreibens ins Leere. Rechnen Sie mal nach, wie sich der späte Launch, der zum Verkaufsstart am 25.9. ja um eine Woche weiter aufgestaute Nachfrage bedeutet, in der Bilanz niederschlägt : Wenn Apple für das Fiskaljahr 2015 die Bücher am 26.9. schließt, fließt lediglich der EVT des iPhone 6s mit ein – der 25.9. Das mögen 10+ Mio. Einheiten sein – es fehlen aber 9 ganze Verkaufstage im Vergleich zum Vorjahr, als das iPhone am 18.9. debütierte und Apples Fiskaljahr 2014 am 27.9. endete. 9 Verkaufstage zum Launch! Wissen Sie, was das bedeutet? 9 Tage, in denen die Nachfrage naheliegenderweise am größten ist – also ganz schnell 5-10 Mio. Einheiten, die nun verschoben werden.

      Ich glaube, dass weder das Eine (eine Woche mehr Zeit zur Vorbestellung) noch das Andere (eine Woche Verschiebung aufs Weihnachtsquartal) Zufall ist – sondern eben jener von mir so benannte Kunstgriff, um die Weihnachtsbilanz zu retten, in der von immer mehr Analysten angezweifelt wird, ob Apple weiter mit dem iPhone wachsen kann. Wir werden es erleben.

      Zu guter Letzt, da Sie mir das ja wiederholt unterstellen: Nein, ich hege keine „persönliche Abneigung“ gegen Apple. Ich beschreibe die Unternehmens- und Geschäftsentwicklung, wie ich sie sehe. Wenn mitunter kritische Töne Apple-Fans missfallen, kann ich das zwar aus Fansicht nachvollziehen – mein Auftrag als Journalist ist es allerdings nicht, Apple-Fans glücklich zu machen, sondern zu schreiben, was ist – und was in der Zukunft sein könnte.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Nils Jacobsen

      1. Ihr Auftrag ist es weder Apple-Fanboys zu bespaßen noch Apple permanent zu veralbern. Ihr Auftrag ist es neutrale, informative Artikel zu publizieren, denn Sie schreiben in keinster Weise was ist, sondern lediglich was Sie denken, was ist oder in Zukunft sein könnte. Ich habe mir einen Artikel von Ihnen durchgelesen zur WWDC 2015. Dort sind viele negative (wenngleich nicht unbedingt geistreiche aber trotzdem teilweise belustigende) Kommentare zu finden – Trotzdem ist an einigen von ihnen etwas dran. Hr. Jacobsen – vllt. sollten Sie an einige dieser Kommentare einen Gedanken mehr verschwenden, als Sie es bisher getan haben.

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