Geschmacklos oder wichtige Konfrontation? Charlie Hebdo karikiert toten Flüchtlingsjungen

Zwei Karikaturen in der aktuellen Charlie- Hebdo-Ausgabe zeigen den ertrunkenen Flüchtlingsjungen
Zwei Karikaturen in der aktuellen Charlie- Hebdo-Ausgabe zeigen den ertrunkenen Flüchtlingsjungen

Die französische Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo nimmt sich in ihrer aktuellen Ausgabe der Flüchtlingskrise an und entfacht damit erneut eine Debatte über die Grenzen von Satire. Denn das Heft enthält gleich zwei Zeichnung, die den ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan zeigen. Vor allem bei Twitter wird hitzig diskutiert: Dürfen die das?

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Das erschütternde Bild des ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan steht wie kein anderes für das Flüchtlingsdrama und stellte Medienmacher Anfang des Monats vor eine Gewissensfrage: Darf man das Foto des toten Kindes veröffentlichen oder nicht?

Die französische Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo hat sich entschieden, es zu zeigen – auf ihre ganz eigene Art und Weise: Eine Karikatur in der aktuellen Ausgabe zeigt den toten Jungen am Strand, dahinter ist ein Werbeplakat von McDonalds mit den Worten „Sonderangebot: Zwei Kinder-Menüs zum Preis von einem“ zu sehen. Die Zeichnung trägt die Überschrift: „Willkommen, Flüchtlinge! So nah am Ziel…“

Ein anderes Bild im Heft zeigt Jesus, der neben dem ertrinkenden Jungen übers Meer läuft. Darüber steht geschrieben: „Der Beweis, dass Europa christlich ist. Die Christen laufen übers Wasser. Muslimische Kinder ertrinken.“

Die Karikaturen sorgen zum einen für große Empörung und entfachen zum anderen die Debatte neu, wie weit Satire gehen darf. Bei Twitter beschweren sich etliche Nutzer entrüstet über die „geschmacklosen“ Zeichnungen, andere betonten, hier ginge es nicht um ein Bloßstellen des Kindes, sondern um wichtige Kritik an der westlichen Überflussgesellschaft und der Asylpolitik.

Anfang des Jahres solidarisierten sich Menschen weltweit unter dem Slogan „Je Suis Charlie“ mit den Machern des Satire-Magazins, nachdem Islamisten einen Terroranschlag auf die Charlie-Hebdo-Redaktion verübt hatten. Zwölf Menschen waren damals ums Leben gekommen.

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Alle Kommentare

  1. Es ist grossartig!

    Charlie Hebdo hat einen tollen Coup gelandet. Damit entlarvt man die verlogene Doppelmoral um Meinungsfreiheit/Satirefreiheit und hält den selbstgerechten öffentlich-Empörten einen Spiegel vor, trotz dessen sie es nicht erkennen.

    Man könnte einen Schritt weitergehen.
    Charlie Hebdo führt den „Kult“ der Gutmenschen in die Gefilde die schon Adorno an Blumenkindern und ihren Anti-Vietnam-Liedern kritisiert hat. Beides kommerzielle Auswüchse und die Konsumenten wähnen sich „auf der guten Seite“, ohne zu merken ein Teil des Problems zu sein.

    Alleine der Shitstorm der zur Zeit nicht nur durch Twitter/Facebook sondern durch Feuilleton schwappt zeigt den punktgenauen Treffer.

    Nächsten Monat dürfen „wir“, also die meinungsbioldende Schreiberkaste der Gutmenschen, dann wieder auf Satire-/Meinungsfreiheit pochen wenn sich religiöse Gruppen auf den Schlips getreten fühlen.

    #k.

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