Task Force und Counter Speech: So stellt sich Facebook den Kampf gegen Hass-Kommentare vor

Wohin mit dem Hass im Netz? Facebook-CEO Mark Zuckerberg, Justizminister Heiko Maas
Wohin mit dem Hass im Netz? Facebook-CEO Mark Zuckerberg, Justizminister Heiko Maas

Noch vor dem Treffen zwischen Justizminister Heiko Maas (SPD) und Vertretern von Facebook signalisiert das weltgrößte Social Network, dass es in Sachen Hetz-Kommentare nachbessern will. Facebook hat Maßnahmen angekündigt, um Hetz- und Hass-Kommentare künftig wirkungsvoller zu bekämpfen. U.a. will Facebook dafür mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) zusammenarbeiten.

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Wenn jemand auf Facebook bedenkliche Inhalte entdeckt, kann man diese dem Facebook Community Operations-Team melden. Diese Meldungen werden laut Facebook rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche auch von Muttersprachlern bearbeitet. Im Zuge der Flüchtlingskrise kam es bei Facebook allerdings vermehrt zu rassistischen, beleidigenden und zu Gewalt aufrufenden Kommentaren, die gar nicht oder sehr spät entfernt wurden. Facebook berief sich in vielen Fällen darauf, dass die von Nutzern als Hass-Kommentare gemeldeten Beiträge nicht gegen die Gemeinschaftsregeln von Facebook verstoßen würden.

In der Folge hagelte es reichlich Kritik für Facebook für den zu lockeren Umgang mit Hass-Kommentaren und auch die Politik schaltete sich ein. Bei einem Treffen mit Facebook-Vertretern will Bundesjustizminister Heiko Maas wissen, wie das Network künftig gegen Hass-Kommentare vorgehen will. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte Facebook bereits dazu auf, strenger gegen Hass-Kommentare vorzugehen. Facebook gibt seine Antworten darauf mit drei Schritten, die im Wesentlichen Ankündigungen sind:

Punkt eins: Das Network wird Mitglied in der FSM.  Otto Vollmers, Geschäftsführer der FSM, sagt dazu: „Die FSM hat langjährige Expertise im Umgang mit kontroversen Onlineinhalten und der schwierigen Abwägung zwischen Meinungsfreiheit und dem Schutz anderer grundgesetzlich geschützter Rechte, etwa dem Persönlichkeitsrecht und der Menschenwürde. Zusammen mit Facebook können wir gemeinsame Lösungen erarbeiten, um kontroverse Fälle im Sinne dieser sensiblen und schwierigen Güterabwägung zu adressieren.“

Punkt 2: Facebook kündigt an, eine Task-Force zum Umgang mit Hassrede im Internet aufzubauen. „Facebook ist überzeugt, dass der Austausch und Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, NGOs und Politikern der beste Weg ist, um komplexe Herausforderungen wie Hassrede im Internet aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und anzugehen“, heißt es dazu in einer Mitteilung des Networks. Facebook will gemeinnützige Organisationen wie „Netz gegen Nazis“, „Laut gegen Nazis“ und FSM, als auch Vertreter politischer Parteien in Deutschland und anderer Online-Service dazu einladen, sich der Task Force anzuschließen. Auch das Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz soll sich nach der Vorstellung von Facebook beteiligen.

Punkt 3: Facebook kündigt eine Kampagne zur Förderung von Counter Speech in Deutschland an. Damit gemeint ist, dass Hass-Kommentare durch gegenteilige Äußerungen praktisch übertönt und somit „neutralisiert“ werden. Außerdem würden die Hass-Kommentierer bestenfalls in Diskussionen verwickelt und ändern eventuell sogar ihre Ansichten. Dazu heißt es in der Facebook-Mitteilung: „Facebook ist davon überzeugt, dass soziale Medien effektiv dafür eingesetzt werden können, um Ansichten wie Fremdenfeindlichkeit zu diskutieren und zu hinterfragen.“  Facebook will interessierten Organisationen dafür Best Practice Beispiele zum effektiven Einsatz von Counter Speech zur Verfügung stellen. Darüber hinaus will Facebook Experten aus Großbritannien und Skandinavien hinzuziehen, wo es eine größere Erfahrung in Sachen Counter Speech gibt.

„Die Unterhaltungen, die auf Facebook stattfinden, spiegeln die Vielfalt einer Gemeinschaft mit mehr als einer Milliarde Menschen wider. Es ist eine ständige Herausforderung, die Interessen dieser vielfältigen Gemeinschaft abzuwägen und wir sind stets bemüht, unsere Richtlinien und Prozesse noch effektiver und sensibler an die Bedenken lokaler Gemeinschaften anzupassen“, sagt Eva-Maria Kirschsieper, Policy Manager Deutschland von Facebook.

Facebook schreibt: „Wir begrüßen politische Debatten auf unserer Plattform und glauben, dass es besonders wichtig ist, diese bei kontroversen Themen zuzulassen. Diese Debatte kann in robuster Diktion geführt werden, darf aber keinesfalls dazu übergehen, Hassrede gegenüber geschützten Gruppen zu verwenden oder versuchen, Gewalt gegen andere Menschen organisieren.“ Welche konkreten Auswirkungen die Ankündigungen von Facebook haben, bleibt abzuwarten.

(swi)

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Alle Kommentare

  1. Gedenkt man auch endlich etwas gegen Terroristen zu unternehmen? Soviel man weiss, tummeln sich die munter auf Facebook und anderen sozialen Medien? Und dass einzelne Gruppen bestimmen, was ein „Hasskommentar“ ist, finde ich auch nicht in Ordnung. Wenn schon müsste das eine neutrale Instanz sein.

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