„Stimmung im Keller“: Betriebsrat der Hamburger Mopo wehrt sich gegen geplanten „Change-Prozess“

Boulevardjournalismus aus Hamburg – der Politikteil der Morgenpost entsteht bald aber in Berlin
Boulevardjournalismus aus Hamburg – der Politikteil der Morgenpost entsteht bald aber in Berlin

In einem Info-Schreiben übt der Betriebsrat der Hamburger Morgenpost scharfe Kritik am digitalen Transformationsprozess im Verlag. Nach Betriebsrat-Infos sind Kündigungen in Redaktion und Verlag geplant. Bis zu 90 Prozent der Redakteure sollen künftig angeblich für die digitale Redaktion arbeiten. Bei DuMont heißt es, dass es noch keine konkreten Beschlüsse für die Mopo gibt.

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Das Schreiben des Mopo-Betriebsrats wurde im DuMont-Blog dokumentiert, das die Entwicklungen bei der Mediengruppe aus Mitarbeitersicht begleitet. Der Betriebsrat erklärt in dem Schreiben: „Mit uns wird es keine Kündigungen geben, wer die digitale Transformation so plant wie sie sich uns im Moment darstellt, der muss mit heftigem Widerstand rechnen.“ Nach Infos des Betriebsrates sollen in der Redaktion vier feste Stellen abgebaut werden, die anschließend wieder mit Neueinstellungen besetzt werden sollen. Feste Freie und Mitarbeiter des Verlages seien ebenfalls vom Stellenabbau bedroht.

 

Der Betriebsrat moniert weiter, dass das technische Konzept der Transformation nicht schlüssig sei. Im vergangenen Geschäftsjahr seien rote Zahlen geschrieben worden. Der Betriebsrat vermutet dies auch für das laufende Geschäftsjahr. Zitat: „Bei geplanten Investitionen in die Transformation wie räumlicher Umbau und neue technische Ausstattungen gehen wir davon aus, dass dann auch 2016 mit roten Zahlen zu rechnen wäre.“

Die Mitarbeitervertreter erklären, dass sie nicht generell gegen einen Transformationsprozess seien. Aber: „Ein ‚Change-Prozess‘, so wie er jetzt geplant sein dürfte, findet keine Akzeptanz im Betriebsrat. Wir sind für einen Wandel in der Arbeits- und Kommunikationskultur im Haus, aber wir wehren uns gegen einen Umbau, der nicht die redaktionelle Leistung in den Mittelpunkt stellt, sondern ein strukturell kaufmännisches Konzept verfolgt, dass weiterhin auf dünnen Beinen steht, schaut man auf die Online-Anzeigen-Umsätze, fehlende neue digitale Produkte und die unsortierte digitale Vertriebsstrategie.“ Die Stimmung im Hause sei dementsprechend „im Keller“.

Bei DuMont verweist man offiziell darauf, dass der digitale Transformationsprozess nach der Analysephase nun in die Konzeptionsphase gehe. Die ersten Redaktionen, die Konzepte erstellt haben, sind die Mitteldeutsche Zeitung und der Kölner Express. „Bei der Analyse hat sich herausgestellt, dass immer mehr Menschen unsere Medien mobil nutzen, dabei stechen vor allem der Express und die Hamburger Morgenpost deutschlandweit heraus. Dies hat auch zur Folge, dass wir die Organisation in den Redaktionen umstellen und uns viel stärker den mobilen Anforderungen des Digitalgeschäfts stellen und dafür die richtigen Voraussetzungen schaffen“, so ein Verlagssprecher zu MEEDIA. Was genau bei den einzelnen Medienmarken passiere, werde derzeit im Rahmen des Projekts mit den Redaktionen und Geschäftsführungen beraten. Chefredaktion und Digitale Leitung in Hamburg hätten die ersten Erkenntnisse der Redaktion vor Wochen detailliert in einer Belegschaftsversammlung präsentiert. Darüber hinaus gebe es keine konkreten Beschlüsse, so der Sprecher.

(swi)

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