Hass und Hetze im Netz: Facebook setzt auf „Counter Speech“ als Lösung

Die Facebook-Sprecherin TIna Kulow und Lobbyistin Eva Maria Kirschsieper.
Die Facebook-Sprecherin TIna Kulow und Lobbyistin Eva Maria Kirschsieper.

In sehr kleinem Rahmen lud Facebook am Montag ausgewählte Journalisten zu einem Round Table nach Berlin, um seinen Umgang mit Hass und Hetze im Netz zu erklären. Dabei machte das internationale Management deutlich, dass für Rassismus und "Hate Speech" kein Platz sei, Löschen von Inhalten aber keine Lösung sein könne. Man setze daher auf "Counter Speech".

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Fast schon heimlich war das Treffen mit Spiegel Online, Tagesspiegel und t3n.de organisiert worden, zu dem nicht nur die deutschen Facebook-Sprecherinnen Tina Kulow und Eva-Maria Kirschsieper erschienen, sondern auch die Managerinnen Ciara Lyden und Julie de Bailliencourtaus aus der Europa-Zentrale in Dublin eingeflogen.

Facebook erklärte den geladenen Medien sein Verhaltens im Umgang mit Hass und Hetze. Und die Verantwortlichen erläuterten, wie sich die Atmosphäre zukünftig wieder entspannen soll – ohne eigenes Zutun. Facebook, so die Erklärung, habe „Fehler gemacht“ und dulde weder Rassismus noch Hate Speech. Inhalte zu löschen sei aber – so der noch immer unveränderte Standpunkt – nicht der richtige Weg. „Die Lösung kann nicht sein, dass man Menschen das Sprachrohr nimmt“, so Eva-Maria Kirschsieper. Facebook sei sich seiner Verantwortung aber auch bewusst. Statt auf Löschung der Beiträge, setze man allerdings auf „Counter Speech“ (zu deutsch: Gegenrede), wie Spiegel Online zusammenfasst. Dabei verhält sich Facebook wie immer, hält sich nämlich heraus und überlässt den Nutzern sich selbst. Ebenfalls für Spiegel Online erklärte mal Digital-Experte Sascha Lobo das Phänomen: „Dabei kommt es darauf an, Hass gerade nicht mit gleicher Münze zu beantworten, so emotional naheliegend das auch sein mag.“ So gehe es darum, eine Hasswelle mit dem Gegenteil zu begegnen, wie man es in der Flüchtlingsdebatte mit den digitalen Lichterketten  erlebt hat. Wie Facebook diese Gegenproteste fördern will, haben die Managerinnen in Berlin offenbar nicht verraten. Zumindest hat keines der anwesenden Medien konkrete Vorstellungen zitiert.

Zu diesem Schritt hat man sich wohl auch entschlossen, weil oft genug nicht klar scheint, ob ein Beitrag als „Hate Speech“ eingeordnet werden kann oder nicht. „Es gibt keine universelle Definition von Hate Speech“, erklärte Lyden. Man sei überzeugt, das Löschen möglicherweise auch schlimmere gesellschaftliche Auswirkungen haben könnte, gibt der Tagesspiegel wieder.

In Berlin erklärte man ebenfalls, dass man über genügend Manpower verfüge, die zahlreichen Meldungen – „Millionen pro Woche“ – „zeitnah“ zu bearbeiten. Oft seien die Anzeigen jedoch nicht konkret genug, heißt es. Deshalb werde geraten einzelne Beiträge statt ganzer Seiten zu melden.

Versprochen haben die Facebook-Frauen, dass man weiter an den Prozesses arbeiten werde und sich alles sehr genau anschaue.

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Alle Kommentare

  1. Das alte Problem, das seit dem Bestehen des Internets existiert und für das bisher meines Wissens noch niemand eine befriedigende Lösung gefunden hat: Das Netz will sich nicht einschränken lassen, seine Protagonisten propagieren die Freiheit des Menschen seine Meinung unter (nahezu) allen Umständen zu vertreten. Die Frage ist, ob die Menschheit bereit ist, mit dieser in nur wenigen Jahren gewachsenen ungeheuren Komplexität umzugehen.

  2. Nichts als schlechte Ausreden von Facebook!

    Selbst wenn man einzelne Beiträge mit ganz konkreten Aufrufen zu Gewalt meldet, kommt sinngemäß als Antwort: „Verstößt nicht gegen unsere Richtlinien!“
    Das ist mir mehr als einmal so gegangen.

  3. „Oft seien die Anzeigen jedoch nicht konkret genug, heißt es.“

    Und warum ist das so? Weil die Auswahlmöglichkeiten bei den Meldungen viel zu allgemein gehalten sind.

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