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Wird Apple Music zum Türöffner für Apples Video-Streaming-Dienst?

CEO Tim Cook forciert Apple Music
CEO Tim Cook forciert Apple Music

Es ist bisher ein ziemlich ruckeliger Start: Zwei Monate nach dem Launch ist Apple Music noch nicht die Erfolgsgeschichte, die man aus Cupertino gewohnt ist. Doch mit dem späten Markteintritt bei Streaming-Angeboten dürfte Apple weitaus größere Ziele verfolgen, als weiter die Musikindustrie zu dominieren. Wie Jessica Lessin auf ihrem Premiumportal The Informationen spekuliert, soll Apple Music erst einem Video-Streaming-Service wie Netflix die Tür öffnen.

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Knapp einen Monat noch – dann rückt der Zahltag für Apple näher: Wer seine dreimonatige Testphase des neuen Streaming-Dienstes Apple Music nicht kündigt, zahlt nach einem ganzen Gratis-Quartal ab Oktober mindestens 9,99 Euro im Monat. Elf Millionen haben sich nach einem Monat registriert  – das entspräche etwa der Hälfte der zahlenden Kunden des Rivalen Spotify, sofern die Testhörer denn auch über den September hinaus bleiben.

Um Apple Music zu einem Erfolg zu machen – hinter vorgehaltener Hand kursieren Zielvorgaben von 100 Millionen zahlenden Nutzern –, hat sich der wertvollste Konzern der Zelt nicht lumpen lassen: Kolportierte drei Milliarden Dollar hat Apple für die Musik-Nutzungsrechte zum Start investiert, war zu hören. Dazu kommt noch einmal die gleiche Summe für die technische Plattform, die Apple Music überhaupt erst ermöglichte: Beats Music des vor einem Jahr übernommen Kopfhörerherstellers Beats.

Beats-Kauf erscheint in einem anderen Licht

Selbst für Apple sind das keine Kleckerbeträge, sondern immerhin in etwa der Nettogewinn von 50 Tagen im abgelaufenen Quartal.  Nicht von ungefähr wurde in den vergangenen Monaten die Frage aufgeworfen, warum sich Apple den auffällig späten Eintritt in den Streaming-Markt überhaupt antut – zu verdienen gibt es angesichts der erheblichen Lizenzierungs-Gebühren und Marketingskosten im Geschäft mit Musik-Inhalten bekanntlich nichts; Spotify verliert im neunten Jahr des Bestehens weiter Geld.

Die reflexartige Antwort lautete bisher: Weil Apple seit jeher darauf bedacht war, den nötigen Rohstoff – Content – bereitzustellen, damit seine Millionen Fanboys und -girls um den Erdball begierig zum Werkzeug – dem iPhone, iPad, iPod oder den Mac – greifen, an dem Cupertino dann verdient.

The Information: Apple Music soll „gesunde“ Abonnentenzahl aufbauen

Der üblich gut unterrichteten Techreporterin Jessica Lessin geht die Standardantwort indes nicht weit genug. Als vor zwei Tagen die Einzelheiten zu einem mutmaßlichen Video-Streaming-Angebot kursierten, das Apple sogar mit Eigenproduktionen ausstatten könnte, bemühte die frühere Reporterin des Wall Street Journal, die seit knapp zwei Jahren das Premiumportal The Informationen betreibt, wieder einmal ihr Netzwerk.

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Neue Erkenntnis: Apple Music ist nur die Vorstufe eines neuen groß angelegten Streaming-Angebots nach dem Vorbild von Netflix oder Amazons Prime. Der iKonzern versuche, sich mit Apple Music eine „gesunde“ Abonnentenzahl aufzubauen, der der Zusatzservice im Film- und im TV-Segment angeboten werde. „Es ist sehr schwer, einen Streaming-Service mit Abo-Modell in den Markt zu bringen, wenn man bei Null anfängt“, schreibt Lessin. „Netflix hatte seinen DVD-Verleiher, Amazon hatte Prime. Apple Music ist, gewissermaßen, nun Apples Version von Amazon Prime“, schlussfolgert die Techreporterin.

Apple Music als trojanisches Pferd für TV-Streaming Service

In anderen Worten: Apple Music ist das trojanische Pferd in das Streaming-Segment, aus dem nach und nach weitere Inhalte strömen – Filme, Videos, TV-Angebote. Apples verschiedene Pläne und Baustellen im Content-Bereich sind auf diesem Weg alle miteinander verbunden: Die neue Set-Top-Box Apple TV liefert endlich die Grundlage für ein echtes Smart TV-Erlebnis, an das ein Streaming-Angebot angedockt werden kann.

Das Abo-TV-Bündel in den USA könnte im nächsten Jahr der erste Schritt sein, das klassische TV-Modell der Kabelnetzbetreiber zu entkoppeln und auf Apple TV und alle anderen Apple-Endgeräte zu bringen; Eigenproduktionen wie bei Netflix und Amazon werten Apples Streaming-Angebot auf. Technisch verschmelzen die Plattformen: So wie Apple Music in iTunes integriert ist, gehen die Streaming-Inhalte wiederum in Apple Music / iTunes auf, das wiederum bei Apple TV seinen festen Platz hat.

Kopiert Apple die iTunes-Blaupause?

Die Launchreihenfolge erweist sich im Nachhinein als logische Kopie des ‚iTunes-Halo-Effects‘:  Erst wurde die Software als mutmaßliches Spielzeug zum Brennen von CDs auf dem Mac angeboten, dann folgte der iTunes Store für MP3s, ein Jahr später Videos und wieder ein Jahr später Filme – Content, der den MP3-Player iPod beflügelte, der wiederum nur die Testphase für das größte Apple-Gadget aller Zeiten darstellte: das iPhone.

Nach dieser Blaupause weiter gedacht, erscheinen Apples erhebliche Investitionen in Apple Music damit auch klarer: Der Musik-Streaming-Dienst muss ein Erfolg werden, um einen Erfolg des weitaus wichtigeren (und umsatzstärkeren) Film-Streaming-Services zu ermöglichen. Wohin ein Netflix-ähnliches Apple-Angebot am Ende im Wohnzimmer führen könnte, wird von Fans des Techpioniers seit über einem Jahrzehnt erträumt: vielleicht wird ein echter Fernseher am Ende doch noch wahr.

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