Wichtigstes Projekt seit der Bild-Zeitung: Was Upday für Axel Springer bedeutet

CEO Peter Würtenberger, CPO Jan-Eric Peters: die Macher von Upday
CEO Peter Würtenberger, CPO Jan-Eric Peters: die Macher von Upday

Publishing WeltN24-Chefredakteur Jan-Eric Peters macht jetzt also Upday - das News-Angebot exklusiv für Samsung-Handys. Konservative Geister könnten die Personalie im ersten Moment als einen Abstieg missverstehen: Von der großen Medienmarke Welt hin zum kleinen Handy-Bildschirm. Das wäre eine eklatante Fehleinschätzung. Upday ist für Axel Springer das vielleicht wichtigste neue Medienprojekt seit der Bild-Zeitung.

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Springer-CEO Mathias Döpfner hat bei der Verkündung der jüngsten Personal-Rochaden im Welt-Newsroom keinen Zweifel an seiner Wertschätzung für Jan-Eric Peters als Welt-Chefredakteur gelassen. Er bezeichnete ihn als besten Welt-Chefredakteur aller Zeiten, was ihn, Döpfner, selbst ja auch mit einschließt.

Tatsächlich hat sich die Welt unter Peters vor allem multimedial hervorragend entwickelt. Egal ob mit Apps, im stationären Web, mobil oder Print – die Welt ist produktionstechnisch vermutlich die modernste Zeitung hierzulande (neben der Bild aus dem gleichen Hause). Überhaupt wäre zu diskutieren, ob der Begriff “Zeitung” auf so konsequent multimedial aufgestellte Medienmarken wie Welt und Bild überhaupt noch passt.

Peters selbst stach als Chefredakteur nicht durch brillante Schreibe oder meinungsstarke Kommentierung hervor – das war auch nicht seine Aufgabe. Er ist vielmehr der Archetyp des modernen Redaktionsmanagers. Für die Schreibe und die Meinungen hat er Leute eingekauft. Man kann den Wandel bei der Aufgabenbeschreibung einer medialen Führungskraft auch an seiner neuen Job-Bezeichnung ablesen. Er wird nicht Chefredakteur von Upday, sondern Chief Product Officer (CPO), ein Gesamtverantwortlicher für das Produkt. Das geht über die reine Inhalte-Verantwortung hinaus und schließt technische, konzeptionelle Fragen und Aspekte der Nutzerführung mit ein.

In einer Mail an die Mitarbeiter beschreibt Peters den Schritt zu Upday denn auch als persönliche Herausforderung:

Ich habe große Lust, nun schon mit einigen grauen Haaren, ein Startup zu machen, und das auf internationaler Ebene. „Upday“ ist eines der denkbar spannendsten Projekte. Eine Herausforderung für unseren Verlag und natürlich auch eine persönliche Herausforderung. Mit allen Chancen und Risiken. No risk, no fun.

Upday ist eine nativ in Samsung-Smartphones implementierte News-App, die sich stark personalisieren lässt und bei der auch Inhalte von anderen Anbietern einfließen können. Nur wer in den vergangenen Monaten die Augen vor den weltweiten Medientrends verschlossen hat, könnte glauben, dass dies keine große Sache ist. Die Big Player der Digitalen Welt gieren geradezu nach hochwertigen journalistischen Inhalten, um ihre Plattformen und Gerätschaften dauerhaft attraktiv zu halten.

Wo die Technik immer austauschbarer wird, sind es plötzlich wieder die Inhalte, die den Unterschied machen. Das gilt für die allseits beliebten TV-Serien genauso wie für News. Nicht umsonst buhlt Facebook mit Instant Articles um die Gunst der Medienhäuser weltweit, und Apple hat für die nächste Auflage seines iOS-Betriebssystems eine hauseigene News-App angekündigt.

Samsungs Upday geht in die gleiche Richtung, allerdings mit einem wichtigen Unterschied: Während Apple News offenbar in erster Linie Inhalte von Medienhäusern aggregieren wird, hat Samsung mit Axel Springer einen Medien-Anbieter als Produzenten mit ins Boot geholt. Wie auf der Website von Upday zu sehen ist, wird die App aber auch für Dritte geöffnet, so dass nicht nur von Axel Springer erstellte Inhalte dort zu sehen sein werden.

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Screenshot aus der Upday-App

Für Axel Springer ist das Projekt Upday von nicht zu unterschätzender strategischer Bedeutung. Es gibt im wesentlichen drei große Medien-Trends derzeit: 1. Medien werden globaler, 2. Bewegtbild wird immer wichtiger, 3. Medienkonsum wird immer mobiler.

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Auch Inhalte von anderen werden eingebunden – hier beispielsweise von Spiegel Online

Springer ist nun mit Upday bei allen Trends mit dabei. Upday wird ein internationales Medienprodukt, das als native App auf Samsung-Smartphones installiert ist. Auf einen Schlag erreicht Springer damit (zunächst) europaweit ein mobiles Publikum. Dass bei Upday auch Bewegtbild eine große Rolle spielen wird, versteht sich von selbst. Ein Traum für einen erfahrenen Digital-Vermarkter wie Peter Würtenberger. Wirklich Sinn ergibt Upday freilich nur wenn das Produkt irgendwann global ausgerollt wird. Derzeit beschränkt sich die Partnerschaft zwischen Samsung und Springer auf den europäischen Markt. Bislang waren die Versuche von Springer, die globale Bühne zu bespielen, nicht von großem Erfolg gekrönt. Es blieb bislang bei eher kleinen Engagements, wie dem Digitalmagazin Ozy, oder Minderheitsbeteiligungen wie jene am Business Insider. Der Kauf der Financial Times als globale Medienmarke war in letzter Minute gescheitert.

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Personalisierung spielt eine wichtige Rolle

Upday könnte für Springer aber in der Tat noch wichtiger werden als es die Übernahme der FT je gewesen wäre. Das Projekt ist ein digitales Zukunftsprojekt in Reinkultur mit einem der beiden großen weltweiten Hardware-Player als Partner. Dafür hat Mathias Döpfner zwei seiner besten Leute abgestellt: Peter Würtenberger als CEO und Jan-Eric Peters als CPO. Upday könnte für Springer die wichtigste Medien-Neuerung seit Einführung der Bild-Zeitung werden. Ähnlich wie das Boulevardblatt nach dem Zweiten Weltkrieg zum ersten wirklichen Massenmedium in Deutschland wurde und den Umgang mit Bildern und Texten im Medium Zeitung revolutioniert hat, könnten Apps wie Upday heute zu Prototypen einer neuen Medien-Revolution werden, bei der der Fokus ganz auf dem Konsum von digitalen Inhalten über Mobilgeräte liegt.

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Alle Kommentare

  1. Erst aus der konservativen Marke Welt (jetzt mit kleinem Google „e“) ein typografisches Desaster machen (ja alle Kanäle wollen bedient werden, aber will man diese Verflachung als Kunde) und jetzt kommt die Revolution (im Wasserglas).

    Samsung und Axel Springer machen upday (da waren Kreative am Werk). Ein Aggregator von News, so aufbereitet, dass auch eine kleine Redaktion oberflächlich Inhalte bereitstellen kann. Ich dachte immer, das gibt’s es schon seit einem Jahrzehnt und nennt sich Newsfeed (Google News Alerts, RSS, News Aggregator). Sicher hat Samsung eine gewisse Reichweite, aber wenn Springer dann mit Paywalls und erdrückender Werbung kommt, sind die User weg.

    Ich liebe kompakte News als Widget (Google News und Wetter) und wenn mich etwas genauer interessiert, rufe ich aus einer Vielzahl von Quellen (ich will ja auch unabhängige Berichterstattung die ich bei upday nicht erwarten kann) die gewünschten Infos ab. Bild und Fokus werden gleich weggeklickt, weil man meist von Werbung oder komischen Inline Videos genervt wird – und kaum von tiefergehenden Inhalten.

    Das Problem ist nicht die Aufbereitung, sondern die fehlende journalistische Substanz und die maßlose Gier (Ladezeiten wie Ende der 90er dank Werbung, Videos und Tracking), Bezahlmodelle wie von anno dazumal.

    Aber immerhin der Name ist klasse, ist so beliebig und kann auch für Frühstücksflocken oder Damen-Hygienartikel verwendet werden, wenn es mit der News-Revolution nicht klappt…

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