Er hat “Neger” gesagt – Herrmanns Patzer bei “Hart aber fair” und die vergiftete Debatte

Wer hat hier“Neger“ gesagt?
Wer hat hier"Neger" gesagt?

Frank Plasbergs Rückkehr aus der Sommerpause mit “Hart aber fair” erhält ungewöhnlich viel mediale Aufmerksamkeit. Allerdings nicht wegen der in weiten Teilen konstruktiven Diskussion zum allgegenwärtigen Thema Flüchtlinge, sondern wegen eines dummen Patzers des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann, der das Un-Wort “Neger” in den Mund genommen hat.

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“Neger!”, er hat “NEGER!” gesagt, kreischt es seither im so genannten Social Web und in traditionellen Medien unisono. Der digitale wie analoge Shitstorm auf Herrmanns zugegebenermaßen bestenfalls extrem ungeschickte Äußerung übertönte sofort alles, was sonst noch in dieser Sendung gesagt wurde. Der Eklat, nach dem alle ständig gieren war mal wieder da.

Worum ging es eigentlich? Moderator Frank Plasberg konfrontierte die Talkrunde mit einem Einspielerfilm, in dem drei fremdenfeindlich-dümmliche Aussagen von Leuten dokumentiert wurden. Ein Konfliktforscher ordnete diese Aussagen anschließend im Film ein. Eine Aussage kam von einem lederbehosten Bayer, der sagte wörtlich:

“Die Neger, ich sage die Neger, auf bayrisch, die Neger?”

Reporter: “Das ist bayrisch? Okay?”

“Bayrisch, bayrisch ausgedrückt. Die können nicht hierbleiben. Die passen nicht zu uns. Ganz einfach. Es ist so.”

Herrmann bezeichnete die Aussagen des Bayern daraufhin als “Unfug”. Die Diskussion ging ein wenig weiter. Focus-Chefredakteur Ulrich Reitz warf dann ein, er hätte eine passende Replik auf “den Bayern” gehabt und begann über positive Integrationsgeschichten in Deutschland zu sprechen. Da fiel im Herrmann ins Wort und sagte den verhängnisvollen Satz:

Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat.

Im ZDF-”Morgenmagazin” wurde er auf den folgenden Shitstorm angesprochen. Herrmann erklärte die Äußerung damit, sie sei eine direkte Reaktion auf den vorangegangenen Einspieler gewesen. Das war – naja – so halb richtig. Wenn man es gut mit Herrmann meint, kann man ihm unterstellen, dass er sich tatsächlich auf den Einspielfilm bezogen hat – immerhin sprach Reitz in dieser Szene auch von dem Einspieler. Allerdings war die Diskussion zu diesem Zeitpunkt schon wieder weitergelaufen.

Wenn man es böse mit Herrmann meint, kann man ihm unterstellen, dass der unbedachte Gebrauch des Tabu-Wortes “Neger” einen tiefsitzenden Rassismus bayerischer Prägung offenlegt. Will man ihm gar nichts unterstellen und glaubt, dass das Wort Neger tatsächlich noch von dem Einspieler in seinem Kopf war und von dort den Weg über den Mund nach draußen gefunden hat, dann ist Herrmann ganz banal ein Landespolitiker, der in einer TV-Talkshow ungeschickt agiert hat. So etwas soll es geben.

Damit hat er den Skandal-Eklat-Trigger ausgelöst, auf den bei solchen TV-Talks mittlerweile gewartet wird, um die Quoten/Klick/Auflagenmaschine ordentlich zu schmieren. Genauso wie neulich, als Til Schweiger bei “Menschen bei Maischberger” zum CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer blökte, dieser gehe ihm “auf den Sack”. Das mit dem “Neger” ist für die Meute natürlich noch feineres Futter, weil es das Klischees vom tumben, bayerischen Provinz-CSU’ler so trefflich bedient. Ranga Yogeshwar, der von den meisten vermutlich als positive und des Rassismus gänzlich unverdächtige Identifikationsfigur wahrgenommen wird, leistete sich noch vor Herrmann übrigens auch einen sprachlichen Patzer in der Sendung als er Flüchtlingslager als „Konzentrationslager“ bezeichnete. Ist Yogeshwar darum ein Nazi? Sicher nicht. Kann in einer Live-Sendung eine ungeschickte Formulierung fallen? Aber ja! Hätte es einen Shitstorm gegeben, wenn statt Yogeshwar ein CSU-Politiker versehentlich „Konezntartionslager“ gesagt hätte? Wer weiß.

In der Runde fiel das N-Wort Herrmanns jedenfalls sofort auf. Reitz grinste, Plasberg sagte “Holla”, Ranga Yogeshwar warf ein, dass sogar er mal als “Neger” bezeichnet worden ist. Da griff Plasberg ein und lenkte die Diskussion schnell wieder weg vom bösen N-Wort. Aber alle Ablenkung war vergeblich. Der Rest der Talksendung war ab diesem Zeitpunkt nur noch die Staffage für den Neger-Zwischenfall. Die Sozialdezernentin aus Königswinter, die vor Ort unter chaotischen Bedingungen hervorragende Arbeit leistet. Die allgemeine Zustimmung, was die bedingungslose Aufnahme von Kriegsflüchtlingen betrifft. Die in weiten Teilen konstruktive Diskussion, wie mit den so genannten “Wirtschaftsflüchtlingen” aus Balkan-Staaten umgegangen werden könnte. All dies wurde überlagert von dem Wort “Neger”.

Wie schon die Maischberger-Sendung neulich so kann auch diese “Hart aber fair”-Ausgabe als Beispiel dafür herhalten, warum eine sinnvolle öffentliche Debatte so schwierig geworden ist. Fehler, Ausbrüche, jede Abweichung von der Norm wird in Medien – sozialen wie sonstigen – sofort gnadenlos aufgegriffen, verstärkt und durch den Wolf gedreht. Was folgt ist sind Hohn und Häme in den in immer kürzeren Abständen auftretenden Shitstorms auf der einen und eine Un-Kultur der wabbeligen Political-Correctness-Sprache auf der anderen Seite. Erfolgreich auf der öffentlichen Bühne ist, wer am wenigsten Angriffsfläche bietet. Vermutlich ist die Kanzlerin darum so beliebt.

Wobei. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel durfte unlängst eine Art Shitstorm am eigenen Leib erfahren, und zwar wegen ihrer unbeholfenen Art, ein Mädchen mit Migrationshintergrund zu trösten. Es scheint mittlerweile fast egal, ob man “Neger” sagt oder sich in einer emotional schwierigen Situation nicht sofort perfekt verhält – die öffentliche Meute sucht unablässig nach Fehlern, nach emotionalen Schwachstellen. Ist der potenzielle Shitstorm gewittert, wird sofort getwittert. Diese Art und Weise der Auseinandersetzung vergiftet zunehmend die öffentliche Debatte.

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Alle Kommentare

  1. Lieber Oscbuc,

    das ist doch genau der Schluss, den ich dem Begriff vorwerfe. Der*die Einzelne sieht vielleicht in dem Moment nicht die ganze Assoziationskette, die sich hinter einem Begriff verbirgt – eben auch, weil jemand wie Herr Hermann sich nie auseinandergesetzt hat mit der Bedeutung, weil er gar nicht abschätzen will, wie sehr Menschen dadurch verletzt werden. Es geht ja auch nicht darum, Ihnen das Wort zu verbieten, wie Sie es insinuieren. Es soll lediglich dazu angeregt werden, sich vielleicht mal in einen Menschen hineinzuversetzen, der eben nicht als Teil einer privilegierten, sich immer wieder selbst vergewissernden „Mehrheitsgesellschaft“ aufgewachsen ist.

    Natürlich sind „Negerküsse“ und früher der „Sarotti-Mohr“ rassistisch, selbst wenn Sie vom Individuum oder von Ihnen nicht so gesehen werden. Denn unabhängig davon, was Sie persönlich in ihrer Kindheit liebgewonnen haben, sind beide Begriffe und Symbole einer ziemlich brutalen Geschichte. Das Bild vom „Mohren“ ist ja eben nicht davon geprägt, dass sich Menschen auf Augenhöhe begegnet sind sondern entstammt der Rezeptionsgeschichte europäischer Gesellschaften, die abgesehen von brutaler Unterjochung ganzer Kontinente immer „den anderen“ als Gegenpart inszeniert und sozial und kulturell reproduziert hat. Sie entstammen einer kolonialen Sicht auf die Welt, einer exotisierenden, die immer vom weißen, europäischstämmigen Mann als „Default“ ausgeht und von da aus alles andere definiert.

    Es ist ja nun auch nicht so, als hätten die Relikte jener Zeit (siehe Rassenlehre) nicht auch profunde Eindrücke hinterlassen. Sie wirken ja bis heute nach. Denken Sie an die vielen Karikaturen, die bis heute noch Juden mit großen Hakennasen zeigen (fieses Beispiel Mark Zuckerberg als Datenkrake, Sie erinnern sich vielleicht).

    Das Wort „Neger“ kommt ja nun nicht aus dem Zusammenhang des Antisemitismus. Aber es ist ideengeschichtlich verwandt und es zeigt auch eine Geisteshaltung. Selbst wenn Herr Hermann nun Herrn Blanco ausnehmen wollte als „wunderbaren Neger“, dann zeigt er damit doch eine ziemlich problematische Haltung. Denn was sagt er denn aus: der eine ist in Ordnung, schaut mal auf die anderen, die nicht. Der „Neger an sich“ halt.

    Und es geht nicht um die ach so passend einem verlogenen Opfernimbus dienende „Political Correctness“, sondern schlicht und einfach darum, den anderen Menschen mit Respekt zu behandeln – selbst, wenn das ab und zu mal die Anstrengung erfordert, die eigenen Werte, Einstellungen und Gewohnheiten zu hinterfragen.

    1. Hallo Michael,

      von den Zielen her widersprechen wir uns ja gar nicht.

      Ich sehe das Thema aber eher pragmatisch. Sie kennen die 80:20-Regel: Mit 20 Prozent des Aufwands 80 Prozent der Ziele erreichen. Weil die letzten „nicht erreichten“ 20 Prozent der Ziele 80 Prozent des Aufwands beanspruchen – so viel Aufwand kann man selten leisten.

      Z.B. der Berliner Flughafen: er ist „fast“ fertig (80% des Ziels) – ob er irgendwann überhaupt fertig wird / fertig werden soll (noch 80% Aufwand), kann ich nicht erkennen.

      Ob wir es wahr haben wollen oder nicht: 80:20 bestimmt unser Leben. Viele Entscheidungen kommen aus erlernten Reflexen, nur über wenige muss man nachdenken, weil es dafür (noch) keine erlernten Reflexe gibt. Wahrscheinlich ist der Mix von erlernten Reflexen und neuem Nachdenken lebenserhaltend. Wenn ich unerwartet in eine Unfallsituation komme, analysiere ich nicht, denke ich nicht über Alternativen nach, über ein sichereres Auto, was ich besser hätte kaufen sollen – ich bremse.

      Sobald ich erkenne, dass es für „Negerkuss“ eine weniger diskriminierende Alternative gibt, kann ich sie nutzen.

      Mein Enkel wird „Negerkuss“ vielleicht nie sagen, weil das Wort nie in sein Langzeitgedächtnis gelangt ist, weil das Ultrakurzzeit- oder das Kurzzeitgedächtnis es „weggegefiltert“ hat. Das finde ich gut so.

      1. Ich habe nicht das Ziel, mit „Negerkuss“ jemanden zu diskriminieren – ich bin bereit zu lernen.
      2. Ich möchte aber auch selbst Toleranz erfahren, solange mein Lernprozess noch nicht abgeschlossen ist. Jemanden mit der ideologischen Keule zu schlagen ist auch eine Art Diskriminierung.
      3. Es ist mehr oder weniger leicht, etwas zu lernen. Soweit ich weiß, ist es physiologisch nicht möglich, etwas zu „ent“-lernen. Vergessen ist nicht „ent“-lernen, sondern bestenfalls überlagern.

      Schönes Wochenende
      osbuc

  2. Negerküsse habe ich als Kind geliebt – die Wortklauberei heute – sowohl der Foristen als auch der Journalisten kotzt mich an. Ein Neger hat nun einmal eine dunkle Hautfarbe und wer mit diesem Begriff aufgewachsen ist (der absolut positiv belegt ist) – für den ist ein dunkelhaeutiger Mensch eben ein Neger und ein Negerkuss eine suesse Kalorienbombe. Über Roberto Blanco kann man allerdings – je nach Musikgeschmack -geteilter Meinung sein.

    1. Aber die Definitionsmacht darüber, ob etwas „positiv besetzt“ ist oder nicht, haben doch nicht Sie. Die haben die Menschen, die von genau solchen Ausdrücken getroffen werden – und für diese ist der Begriff verletzend, beleidigend und historisch auch nicht positiv konnotiert. Fragen Sie doch mal die Kinder von afroamerikanischen GI, die nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland aufgewachsen sind, wenn wir so weit in die Geschicht zurückblicken wollen.

      Es ist ja verständlich, dass es ein wenig Anstrengung erfordert, Gewohnheiten zu hinterfragen und auch hinter sich zu lassen. Es mag Sie ja vielleicht „ankotzen“, aber Sie sind ja wahrscheinlich auch nicht ständig mit Rassismus konfrontiert. Versuchen Sie es doch mal ganz empathisch, sich in die Lage derjenigen hineinzuversetzen, die mit solchen Klischees und Verletzungen ständig leben müssen. Sie werden ja auch nicht ständig als Kartoffel bezeichnet. Oder wie würde sich das anfühlen für Sie?

      Für Sie ist der Unterschied lediglich, eben das Wort aus Ihrem Wortschatz zu streichen und höchstens eben „Schokoküsse“ zu essen – verkraftbar, oder?

      Selbst wenn Sie persönlich es vielleicht nicht „böse meinen“ – wie etwas verstanden wird und wie etwas auf Betroffene wirkt, entscheiden nicht Sie.

      1. Nochmal das strapazierte Beispiel „Negerkuss“: Welcher Schwarze, Farbige, Dunkelhäutige, Afroamerikaner, ausländische Mitbürger, Deutsche mit Migrationshintergrund muss sich diskriminiert fühlen, wenn ich im Tante-Emma-Laden nach „Negerküssen“ frage? Entschuldigung, ich weiß wirklich nicht, was ich aktuell nicht sagen darf. Ich weiß auch nicht, was objektiv richtig ist – vielleicht ist der vermeintliche „Afroamerikaner“ Deutscher, der nie im Ausland war. Gibt es ein Political Correctness-Synonymenlexikon, das ich eben im Smartphone abfragen kann?

        Das Wort „Negerkuss“ hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern mit Langzeitgedächtnis – Physiologie, Proteine, Assoziationen.

        Nein, ich weigere mich nicht, „Negerkuss“ durch ein anderes Wort zu ersetzen. Aber dieser Lernschritt steht nicht am Anfang meiner Prioritätenliste. Ich habe eigentlich immer eine Menge unterschiedliche Sachen zu bedenken und kann mir nicht die Zeit nehmen, jede ideologische Strömung auf ihre Auswirkung auf meine Sprache zu analysieren. Gendering – Rechtschreibreformen – Europa – Gerechtigkeit etc. Dass ich damit evtl. gegen intolerante Möchtegern-Regeln verstoße, muss ich in Kauf nehmen. Und wenn ich persönlich darauf angesprochen werde, kann ich meine Formulierung aufklären und ggf. um Entschuldigung bitten.

        Die Schere im Kopf. Warum kann das nicht alles ein bisschen moderater ablaufen? Warum muss Diskriminierung unterstellt werden, wenn sie eindeutig nichts mit dem Kontext zu tun hat?

        Ich glaube sogar, dass die ständige Angst unserer Politiker vor dem Stimmenverlust dazu führt, dass die meisten stromlinienförmig denken und populistisch ihren persönlichen Machterhalt betreiben. „Berechenbare“ Politiker, „kantige Typen“, die sich ihr Gewissen vor den Fraktionszwang stellen, sind selten geworden. Das führt zur Politik(er)-Verdrossenheit und zur geringen Wahlbeteiligung. Und zur Verschlechterung der Politik.

  3. Die Reaktionen auf die Verwendung des Wortes „Neger“, egal von welcher Seite, kann ich nur als Schwachsinn bezeichnen. Mal wieder, das hat MEEDIA treffend, aber leider nicht wirklich konsequent analysiert, feiert die von selbst ernannten Gutmenschen definierte political correctness hier fröhliche Urstände und befeuert selbstverständlich die Empörungskultur – wie schon bei Plasbergs „Ampelmännchen“-Sendung. Auf der Strecke bleiben letztlich Meinungs- und Pressefreiheit. Achtung, der folgende Vorschlag ist blanker Zynismus: Gesprächssendungen werden grundsätzlich nicht mehr live ausgestrahlt, sondern nur noch als Aufzeichnung, dann jedoch gründlichst von allem bereinigt, was nicht politisch korrekt ist. Das nennen wir dann Meinungsfreiheit netto.

  4. Früher war die Bezeichnung Neger ja mal üblich. Da und allgemein bei den »Unworten« des politisch korrekten »Neusprech« tut sich die Frage auf woher das angebliche Abwertende kommt – vom allgemeinen Gebrauch her (nicht nur vom abwertenden Gebrauch weniger) oder weil Gutmensch-Moralapostel dem Begriff das angehängt haben. Das wäre mal eine Ferse-Diskussion wert.
    Wo weit degeneriert ist unsere Kultur, wenn sich alles über den Begriff »Neger« aufregt, aber keiner über »Scheiße«, Arschloch« oder »auf den Sack gehen«?

  5. Ich weiß nicht genau wie alt Herr Herrmann ist, aber der Generation unter ca. 40 muss mal folgendes erklärt werden:
    In meiner Jugend war es völlig normal und in gar keiner Form diskriminierend gemeint, einen Schwarzen „Neger“ zu nennen. Das war einfach nur ein Wort wie jedes andere auch. Da hieß ein Schokokuss noch Negerkuss und der Sarotti Mohr (damals noch schwarz) hieß halt Sarotti Mohr.
    Ich muss tatsächlich noch heute jedes Mal nachdenken (bin 58) wie diese schwarzen, schaumigen „…küsse“ heute eigentlich heißen.
    Also, wenn einem Mensch ab ca. 50 das Wort Neger rausrutscht muss das nicht bedeuten, dass er ein Rassist ist. Meine Generation ist da noch in der „Umerziehungs-Phase“ – gebt uns bitte eine Chance.

  6. Ich habe die Sendung aufmerksam (wie immer) verfolgt.
    Nur wer in der Lage ist, zwei, drei oder sogar fünf Sätze im Gedächtnis behalten zu können (er/sie muß dazu nicht studiert sein, Grundschule genügt auch) wird die Worte des Ministers richtig interpretieren und Wissen, wie gesprochene Worte einen Sinn, eine Aussage ergeben. Nur dauert es bei Politikern halt immer etwas länger – das reden…, das Tun.

    Wer nur mit zwei Daumen schreibt und kaum in der Lage ist, zumindest einen mündlich gesprochen Satz zu formulieren, ist und bleibt eine arme S….
    Früher hätte der Lehrer gesagt: Du bist und bleibst ein Depp, setzen 6. Doch das darf man ja heute nicht mehr sagen, nicht mal denken. Vielleicht liegt hier schon das grundlegende Problem. „Nix Wissen, aber saudumm daher reden“.

    Vor Jahren waren es die „herkömmlichen“ Medien, die es trefflichst verstanden, einzelne Wörter und Sätze so aus dem Zusammenhang zu reißen, nur um Auflage zu machen. Jetzt kommen die „neuen“ Medien“ FB, Twitter & Co und jeder fühlt sich berufen, der „neue Vor-Denker“ für alle deutschen Bürger zu sein.
    Gierig werden diese „neuen Denker“ auf die Titelseite der Printmedien, ins TV gehievt.
    Um Panik zu schüren, Auflage/Clicks zu machen, Geld zu scheffeln…..
    Ist doch geil, gell ?

    Ein Teufelskreis, der in unserer globalen Welt das Image von uns Deutschen in aller Welt widerspiegelt. Ein „braver“ Bürger hätte dagegen niemals die Chance so schnell, so weit nach oben auf ein Titelblatt zu kommen……

    Passend dazu die beiden (!) Titelbilder vom SPIEGEL Nr. 36:
    Wer täte sich schon die Ausgabe mit dem „schöne heile Welt“- Titelbild kaufen?
    Erst die darüber liegende dunkle Titelseite, passend mit der richtigen Schrift (eine Gotische-/Frakturschrift) vermag die Aufmerksamkeit, die Auflage zu steigern.

    Fragen Sie mal den Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, (artikel@spiegel.de) warum er die Seiten nicht umgekehrt platziert hat! Also ERST das Titelbild mit dem heilen Willkommen- -Gutmenschen-Deutschland, der die dunkle Seite Deutschlands überdeckt. Das hätte dann sogar noch einen symbolischen Charakter

    Aber es geht weder um Charakter noch um Anstand, sondern um Panikmache, Geld, Macht… und um die Plattform für Politiker vorzubereiten, die die dumme und eingeschüchterte Masse nur brauchen um wieder gewählt zu werden.

    Willkommen in der realen Welt.
    Willkommen in Deutschland!

  7. „Das mit dem “Neger” ist für die Meute natürlich noch feineres Futter, weil es das Klischees vom tumben, bayerischen Provinz-CSU’ler so trefflich bedient.“
    Das ist zwar richtig, andererseits lässt Herr Herrmann auch sonst keine Gelegenheit aus, diesen Eindruck zu hinterlassen…

  8. Ich würde gern einhaken. Natürlich ist es beunruhigend, wenn ein vermeintliches Fehlverhalten auf kürzestem Weg einen Instant-Shitstorm verursacht. Das ist vor allem dann problematisch, wenn die getroffene Person keine Person des öffentlichen Lebens ist und im schlimmeren Fall die Intention des Individuums (Fehlverhalten kritisieren, Verhaltensänderung erreichen) und Wirkung stark auseinanderfallen. Auch teile ich vollkommen Ihre Auffassung dazu, dass wir im Moment wirklich andere Debatten führen sollten als über einen schwer verunglückten Begriff.

    Allerdings sehe ich bei Herrn Hermann die Fortsetzung einer ewig auf Populismus zielenden rhetorischen Strategie. Es ist ja nun beileibe nicht das erste Mal, dass er auffällt mit entweder rassistischem Subtext oder ganz unverholenem rechtspopulistischen Geschwafel. Ist ja auch klar: gemeinsam mit Herrn Scheuer und Herrn Friedrich sammelt er rechts ein. Es ist aber genau aus diesem Grund auch, dass sein Kommentar so eine Wirkung nach sich zieht. Abgesehen davon, dass die Begriffsverwendung heute zu Recht in starker Kritik steht als Ausdruck von Kolonialismus, Rassismus und im Geiste dunkler Kapitel der Geschichte, steht sie auch bei Herrn Hermann ganz individuell im Zeichen einer politischen Biografie, die mit genau diesen Ausfällen Wirkung erzielt hat. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass ganz kalkuliert mit solchen „Ausfällen“ ebenjene Strategie fortgesetzt wird: was stört es die Rechtsausleger*innen der Gesellschaft, wenn ein Politiker so spricht? Im Gegenteil, da redet ja mal jemand, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.

    Bei Frau Merkel würde ich ebenfalls einhaken wollen. Der Shitstorm bezog sich nicht so sehr auf ihre Unbeholfenheit. Es wussten alle, dass Frau Merkel nicht gerade die Königin der emotionalen Ansprache ist. Allerdings hat sich hier etwas anderes manifestiert: Frau Merkel reagierte selbst als mächtigste Person im Land so als gebe es eine Distanz zwischen ihr selbst und ihrer Politik. Frau Merkel reagierte glatt so als sei es nicht auch das Werk ihrer Politik, ihrer Untätigkeit und der teilweisen Realitätsverweigerung ihrer eigenen Partei, dass eben dieses eine Mädchen Angst um ihre Zukunftsperspektiven hatte. Dieses Gefälle zwischen tatsächlicher Macht und dem, was zur Schau gestellt wurde, war letztendlich viel frappierender als ihre Unbeholfenheit, die nur als Katalysator des Shitstorms diente und letztendlich genau die Wirkung verstärkte.

    Ich halte Shitstorms auch für sehr problematisch und teile die Kritik vollkommen, vor allem an der Tonalität – denke aber eben auch, dass wir unterscheiden müssen zwischen denen, die es eben in Kauf nehmen müssen, in der Kritik zu stehen und jenen, die da mangels besseren Wissens oder mangels Instrumenten sich zur Wehr zu setzen, hineingezogen werden.

  9. Guter Text. Winterbauer ist damit aber leider ein einsamer Rufer in der Wüste. Die Meute in den „Sozialen“ Medien will nur noch Beute machen, abwägende Wort sin selten geworden …..

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