Tausende Kommentare, Millionen Klicks: der phänomenale Erfolg von Joko & Klaas‘ #mundaufmachen-Video

Joko & Klaas
Joko & Klaas

"Sehr geehrte Ich bin-zwar-kein-Nazi-aber-Idioten, diplomierte Wahrheitskenner, Hobby-Provokateure und Intelligenzflüchtlinge ..." Mit diesen Worten beginnen die beiden ProSieben-Entertainer Joko & Klaas ("Circus Halligalli") ihre Video-Botschaft, in der sie Fremdenfeindlichkeit und Hass-Kommentierern eine deutliche Absage erteilten ("Ich seid die Dummheit. Die Peinlichkeit."). Das Video wurde innerhalb kurzer Zeit zu einem riesigen Erfolg mit Millionen Klicks.

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Am Mittwoch, 26. August, veröffentlichten Joko Winterscheidt und Klaas Heufer Umlauf das Video, seither wurde es auf YouTube fast 3,3 Millionen mal angeklickt. Der Facebook-Post auf der Seite von ihrer Show „Circus Halligalli“ wurde über 35.000 mal geteilt, 77.500 Leute klickten auf „Gefällt mir“. Über 3.500 Kommentare liefen bei Facebook auf, über 11.000 Kommentare bei YouTube (Stand aller Zahlenangaben: Freitag, 28.8.2015, 10.50 Uhr).

Um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen, werden Joko und Klaas doch „wohl mal was sagen dürfen.“ #mundaufmachen

Posted by Circus HalliGalli on Mittwoch, 26. August 2015

Die überwiegende Zahl der Kommentare scheint dabei von überwältigender Zustimmung zur Botschaft von Joko & Klaas getragen. Das belegt auch die Daumen-Funktion bei YouTube: Über 107.000 Nutzer klickten das „Daumen hoch“-Symbol an, das Zustimmung ausdrückt, etwas über 4.000 Nutzer klickten auf Daumen runter. Wobei sich bei den kritischen Kommentaren durchaus nicht nur dümmliche Hetze und Hass finden, sondern teilweise auch differenzierte Kritik an Joko & Klass und der deutschen Asylpolitik.

Das Video von Joko & Klaas hat ganz offenbar einen Nerv getroffen, noch viel mehr als die auch schon stark beachteten Aussagen von Schauspieler Til Schweiger. Das mag damit zusammenhängen, dass Joko & Klaas in der jungen, internet-affinen Zielgruppe deutlich populärer sind als Schweiger. Außerdem lässt ihr Video-Kommentar zwar an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig und bezieht glasklar Stellung pro Flüchtlinge und gegen Fremdenhass – diese Haltung wird aber mit dem typischen Humor von Joko & Klaas und einer Prise Selbstironie kombiniert. So erläutert Joko Winterscheidt im Video vor der eigentlichen Botschaft, dass sie sich viele Gedanken gemacht hätten, ob sie sich zu dem Thema äußern sollten. Dagegen habe zum Beispiel gesprochen, dass Klaas sich mal einen Donut in die Stirn habe injizieren lassen und er, Joko, habe sich den Mund zunähen lassen und einen Monat lang mit einer Socke unterhalten – Anspielungen auf verrückte Aktionen, die die beiden in ihren TV-Shows gemacht haben.

Sie betonen, dass sie vermutlich wegen ihres Status als TV-Unterhalter gerade die Falschen seien, um die Moralkeule zu schwingen, dass sie sich aufgrund ihres großen Publikums aber dann doch entscheiden hätten, den Mund aufzumachen. Durch diese Selbsteinschätzung kommt die Botschaft dann eben nicht wie eine Moralkeule daher, sondern ist umso authentischer. Joko & Klaas haben mit dem Video gezeigt, wie man sich auch als Mensch aus der Entertainment-Branche ernsthaft an solch einer wichtigen Debatte beteiligen kann, ohne dass es gleich moralinsauer wird. Ihr Publikum dankt es ihnen mit überwältigendem Zuspruch.

(swi)

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Alle Kommentare

  1. Ein Friseur und ein Volontär erklären uns die Welt, darauf hat man gewartet. Wo haben sich bloss all die vielen Nazis, gegen die man in den Medien so massiv vorgeht, bisher versteckt? Und selbst wenn jemand in der NPD ist, so ist dies sein gutes Recht, die Partei ist nicht verboten. Seine Meinung frei zu äußern ist ebenfalls ein Grundrecht. Wenn linke Wirrköpfe offiziell Terror ankündigen (was hier als Demo gehandelt wird) und dabei Polizisten attackieren, dann wird das nicht so präsent in den Medien gezeigt, wenn Fahndungsmitteilungen nicht über die Medien gesendet werden, weil der mutmassliche Täter gelb, braun rot oder grün ist, gibt es doch auch keinen Aufschrei von irgendwelchen A-, B- oder C-Promis…..

    1. @ilka: Doch ich habe das auch sofort gedacht und das als Kommentar unter das Video gepostet. (Hab auch erwähnt dass die beiden leider ein paar Worte unmöglich machen, die eigentlich gar keine „Nazi-Sprache“ sind). Der Gegenwind war heftig. Die Debatte ist so einseitig und polarisierend, dass man inzwischen schon automatisch ein Nazi ist, wenn man Nazi-Kritiker kritisiert. Das ist Realsatire, so sieht man es hier bestimmt in 10-20 Jahren auch 😉

    2. Nö, oder hat Butz Lachmann schon einer die Bude angezündet? Stehen schon Leute vor seiner Tür und besaufen sich und „protestieren“? Nee? Merkste was?!

      1. @Andy: Eine sehr zuverlässige Reaktion. Mehr schwarz-weiß bitte! Eines Tages haben wir alle Graustufen vernichtet und die Dinge sind endlich so eindeutig und klar zu unterscheiden, wie wir uns das immer gewünscht haben! Graustufen sind bei uns nämlich absolut nicht welcome!

      2. @Lewi: Ich verstehe ihren Kommentar nicht. Aber ich ahne in welche Richtung es gehen soll.
        Gewalt ist NICHT Teil der Meinungsvielfalt. Saufend Menschen bedrohen und beschimpfen ist keine Form der „Kritik“ – gegen was auch immer. Molotowcocktails in bewohnte Häuser zu werfen ist nicht Teil der „freien Meinungsäußerung“.
        Welche Graustufen fehlen ihnen denn, mh? Etwa eine Form des „gemäßigten Extremismus“, ja?

      3. @Andy: Sie verstehen meine Antwort so, wie Sie sie verstehen wollen und liefern damit wieder einen erwartbaren Beitrag. Es gibt für Sie nur gute und böse Menschen und wenn man nicht exakt die Gut-Kriterien erfüllt, die Sie festgelegt haben (oder die der Herrgot Ihnen vom Himmel herabgereicht hat), ist man automatisch ein Sympatisant für übelste Gewalt. Man kann mit Ihnen nur diskutieren, wenn man einer Meinung mit Ihnen ist – das ist doch sterbenslangweilig! 🙁

      4. @Andy: Ich schulde Ihnen noch eine Antwort! Mir fehlen viele Graustufen, in dem Zusammenhang aber die Erlaubnis, die Wortwahl von Nazikritikern kritisieren zu dürfen, ohne sofort ein Fan von rechtsradikaler Hetze zu sein. Die Erlaubnis, Meinungen rechts von der Mitte genauso äußern zu dürfen wie Meinungen links von der Mitte (Extremismen braucht niemand). Den Hinweis darauf, dass viele derzeitige Vertreter von Toleranz und Buntheit ganz furchtbar aggressiv und herablassend werden, wenn man nicht vollumfänglich ihre Meinung vertritt – ohne gleich das Gegenteil zu behaupten (Graustufen eben). Da frage ich mich immer, wie diese Leute sich die multikulturelle Gesellschaft vorstellen, wenn sie schon von Meinungen anderer EInheimischer solche Ausschläge bekommen …?!?)

      5. @Lewi: klar darf man Meinungen rechts der Mitte vertreten. Man darf sogar Meinungen weit rechts verteten. Das ist ja das Schöne an dieser BRD.
        Wenn man sich aber als besorgter Bürger bei der NPD mit einreiht (und das Joko und Klaas Video ist ja vorm Hintergrund von Heidenau entstanden), dann muss man sich nicht wundern, wenn man verbal auf die Mütze bekommt. Und wenn man als besorgter Bürger bei Pegida die Bezeichnung „Pack“ aufgreift (die sich eindeutig auf Heidenau bezog), dann macht man sich genau mit diesen Menschen gemein und identifiziert sich mit ihnen.

  2. Jungs,
    besser als ihr kann man sich nicht zu diesem Thema äußern!
    Die ganzen rassistischen Äußerungen zeigen wieder mal, wie primitiv der Mensch noch sein kann. Der Mensch ist des Menschen größter Feind, leider.

  3. Auch wenn ich bisher von diesen beiden Typen nicht viel gehalten habe, so ist es umso erfreulicher dass die beiden Stellung beziehen. Wenn wir damit auf eine sachliche Diskussionsebene gelangen und vor allem auch junge Menschen sich mit diesem Thema befassen sind wir schon viel weiter. Am besten ist ganz bestimmt die klare Titulierung der rechten Populisten, die gern so tun als wären sie „Volkes Stimme“, dass sind diese Demagogen nämlich ganz bestimmt nicht!

  4. Danke für den Arsch in der Hose Joko u. Klaas.
    Endlich mal ernst zu nehmende Entertainer die sogar auf Quote verzichten um Menschen zur Seite zu stehen und Vakuum gefüllten Hohlkörpern in den Arsch zu treten!

    Viele grüße Christian

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