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Facebooks Instant Articles: das uneingelöste Versprechen

Facebook-Chef Mark Zuckerberg will Medienangebote in sein Angebot integrieren.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg will Medienangebote in sein Angebot integrieren.

Mit der Ankündigung, Artikel großer Medienseiten direkt bei sich einzubinden, löste Facebook in der Branche eine große Diskussion aus. Macht der Social-Media-Riese nun auch noch Portale überflüssig? Das war im Mai. Passiert ist seit der Ankündigung der Instant Articles nicht viel. Die Facebook-Partner publizierten zum größten Teil jeweils einen Instant Article als Demo – und das taten noch nicht einmal alle.

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Die Irritationen waren groß, als Facebook vergangenen Mai ankündigte, Instant Articles zu starten und damit einen weiteren Schritt auf dem Weg in Richtung Content-Plattform zu gehen. Gleichzeitig waren die Erwartungen hoch. Mit Instant Articles will das Soziale Netzwerk bislang extern verlinkte Artikel direkt auf eigenen Servern einbinden, um die Nutzungsdauer auf der eigenen Plattform zu erhöhen und Nutzern eine besser und vor allem schnellere Präsentation der Inhalte zu ermöglichen. Facebook-CEO Mark Zuckerberg lockte namhafte Medienpartner (NBC News, Guardian, BuzzFeed, hierzulande Bild und Spiegel Online) nicht nur mit einem attraktiven Vermarktungsangebot, sondern auch mit dem Reiz der größeren Möglichkeiten und Reichweiten, die Facebook hat. In den Demo-Artikeln wollten die Verlage zeigen, was sie können. So stach National Geographic mit einem optisch herausragenden Bienenreport hervor, BuzzFeed (wie auch später Bild) setze auf wenig Text und viel Bild und Video, wohingegen Medien wie der Guardian oder The Atlantic es offenbar der New York Times mit ihrer Reportage Snowfall gleich machen wollten.

Instant Articles kann viel – vielleicht zu viel? Bisher wurde mehr über Instant Articles geschrieben und gesprochen, als dass sie veröffentlicht wurden. Nach drei Monaten haben noch nicht mal alle Medienpartner eine erste Demo ins Netz gebracht. Hierzulande wartet man immer noch auf Spiegel Online. Auf der offiziellen Facebook-Seite zu Instant Articles, auf der die bereits produzierten Geschichten gepostet worden sind, ist seit dem 13. Juli nichts mehr geschehen.

Auf Verlags- wie auch Netzwerkseite gibt man sich verschlossen, warum das so ist. Alles in Arbeit, heißt es immer wieder. Das muss man erst einmal glauben. Unklar ist, ob es technische oder vielleicht inhaltliche Gründe für die Verzögerungen geben könnte. Spiegel Online zeigt regelmäßig, dass die Redaktion in der Lage ist, umfangreiche und aussagekräftige Multimedia-Projekte ins Leben zu rufen. Storytelling-Reportagen wie jene über das Leben des Uli Hoeneß‘ oder das Werwolf-Projekt von Cordt Schnibben sind als Beispiel zu nennen. Auch Bild.de zeigt regelmäßig, was die Redaktion leisten kann. So liegt die Vermutung nahe, dass das Tool-Kit, das Facebook seinen Partnern zur Seite stellt, zu umständlich sein könnte. Vielleicht fehlt auch eine Möglichkeit der Automatisierung, um Instant Articles regelmäßig und in hohen Stückzahlen zu produzieren. Gerade dies sollte aber im Interesse von Facebook liegen, denn immerhin geht es darum, Leser länger auf der eigenen Plattform zu halten. Gerade ein Medium wie BuzzFeed würde seine Inhalte vermutlich komplett an Facebook abtreten und einen Instant Article nach dem anderen produzieren – wenn es denn nur könnte. Noch ist unklar, ob Facebook und seine Technik zu schwierig sind oder die Verlage zu vorsichtig.

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Fakt ist: Facebooks Instant Articles sind technisch brillant, wenn sie mal veröffentlicht werden. Doch die beste Technik ist sinnlos, wenn sie nicht genutzt wird oder zu hohen Aufwand bedeutet. So gesehen sind Instant Articles bislang ein uneingelöstes Versprechen und kein Paradebeispiel für eine Zusammenarbeit zwischen den Medien und Facebook.

Update, 17.00 Uhr, Anmerkung der Redaktion:
Auch wenn nicht nicht alle Partner eine Demo veröffentlicht haben, ging es bei einzelnen Anbietern – wie beispielsweise der New York Times – bereits darüber hinaus. 

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