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Peinlich oder genial? Hellmuth Karasek „rezensiert“ für Viralvideo den neuen Ikea-Katalog

Hellmuth Karasek liest im neuen Ikea-Katalog
Hellmuth Karasek liest im neuen Ikea-Katalog

Einst saß Literaturkritiker Hellmuth Karasek an der Seite des legendären Marcel Reich-Ranicki im "Literarischen Quartett" und stritt sich über Werke der Hochkultur. Heute verdingt sich derselbe Karasek als Werbefigur für den schwedischen Möbelkonzern Ikea in einem Viralvideo. Der Spot hinterlässt zwiespältige Gefühle.

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Für Ikea ist die Sache ein lupenreiner PR-Coup. Mit Hellmuth Karasek wurde eine bekannte Figur des Literaturbetriebs für ein Werbevideo gewonnen. Dass er sich für keinen Quatsch zu schade ist, hat der berüchtigte Witze-Erzähler Karasek schon in zahlreichen Talkshows unter Beweis gestellt. Und so ist sein Auftritt als Ikea-Werbeonkel gewiss auch mit dem berühmten „Augenzwinkern“ zu verstehen. Laut Ikea gab es für Karasek keinerlei Vorgaben bei der Rezension des Katalogs. Der komische Effekt soll dadurch eintreten, dass Karasek die Sprache und Mittel der klassischen Literaturkritik auf ein so durch und durch banales und hochkommerzielles Produkt wie den Ikea-Katalog anwendet.

Dabei fallen dann Sätze wie: „Die Personen müssen sich zwischen die Möbel drängen, sie kommen selten zu Wort, sie reden kaum zusammenhängend – und trotzdem hat das Buch einen solchen Erfolg.“ Oder: „Was fehlte dem Buch, wenn es ein schöngeistiger Roman wäre? Die Antwort muss heißen: alles.“ Das ist dann leidlich lustig aber auch nicht sonderlich überraschend.

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Bei Ikea scheuen sie keinen Vergleich. Der seit dem Jahr 1951 verschickte Katalog sei mit 220 Mio. Exemplaren weltweit noch vor der Bibel „das auflagenstärkste Druckerzeugnis der Gegenwart“.

Für Hellmuth Karsek ist die Werbung eine zweischneidige Sache. Er macht sich dank gebührend zur Schau gestellter Selbstironie nicht komplett zum Werbe-Affen. Aber so ein bisschen dann eben doch. Hilfreich für die Beurteilung des Werbe-Stunts ist vielleicht, wenn man sich fragt: Hätte sich MRR für solch einen Werbespot zur Verfügung gestellt? Die Antwort muss heißen: niemals. Das ist es dann vielleicht, was einen wirklich großen von einem leidlich lustigen Literaturkritiker unterscheidet.

(swi)

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Alle Kommentare

  1. Ich fand die Idee echt witzig – aber der Spot war mir schon nach 1 Minute zu langatmig… Uih.
    MRR fand ich viel kurzweiliger!
    Die englischen Untertitel find ich übrigens auch bisschen seltsam. Das wirkt auf mich insgesamt wie ein witzige, gute Idee, die zu bürokratisch umgesetzt ist. Für ein Viral mE zu unspontan und nicht frech genug.

  2. Zitat:
    „Bei Ikea scheuen sie keinen Vergleich. Der seit dem Jahr 1951 verschickte Katalog sei mit 220 Exemplaren weltweit noch vor der Bibel “das auflagenstärkste Druckerzeugnis der Gegenwart”“

    220 Exemplare weltweit? Donnerwetter.
    Ich sehe schon, wie die Menschen sich förmlich drum prügeln 🙂

  3. Der seit dem Jahr 1951 verschickte Katalog sei mit 220 Exemplaren weltweit noch vor der Bibel “das auflagenstärkste Druckerzeugnis der Gegenwart”.

    Naja, Recherche kommt vor der Veröffentlichung,

  4. MRR hat aber mal für das Telefonbuch geworben. „Die großen Namen der Weltliteratur in einem Buch“. Hing in meiner WG.

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