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Clickbaiting bei Facebook: der schmale Grat zwischen nervig und geschmacklos

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Bei den Facebook-Auftritten ihrer Zeitschriften folgt die Bauer Media Group offenbar einer neuen Strategie: Seit einigen Monaten setzen die Social-Media-Redakteure auf extremes Clickbaiting – und haben ihre Postings mit einer Kombination aus Bildern, Rätseln und kreischenden Überschriften versehen. Die Grenze zur Geschmacklosigkeit ist dabei schnell überschritten, wie der aktuelle Fehltritt von TV Movie zeigt. Allein steht Bauer damit freilich nicht.

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Clickbaiting – das Sammeln möglichst vieler Klicks durch möglichst reißerische Überschriften und neugierig machende Facebook-Posts – ist bereits seit vielen Monaten gängige Praxis – vor allem bei den Online-Auftritten von Boulevard- und Lifestyle-Magazinen.

In vielen Fällen ist der Klickfang harmlos, wie bei der Huffington Post („So reagiert ein dicker Junge auf alle, die ihn beim Joggen auslachen“) oder dem Onlinemagazin Très Click: „Du kommst NIE drauf, was die Rolltreppe bei diesem Fashion-Magazin lahmgelegt hat.“

Der schmale Grat zwischen nervig und geschmacklos

Meistens ist das Betteln um Klicks schlimmstenfalls schlicht nervig. Ganz groß ist darin zum Beispiel die Gala, die immer häufiger weder in der Facebook-Überschrift noch in der Headline des Artikels die Namen der Promis nennt, um die es geht: „Nach nur anderthalb Jahren Beziehung haben sich diese beiden verlobt!“ Dazu benutzen sie entweder nur Symbolfotos oder verzichten komplett auf eine Bebilderung. Außerdem geben sie ihren Lesern mit den Postings direkt vor, was sie fühlen sollen. In den meisten Fällen ist das natürlich: erstaunt, schockiert oder neugierig.

Welch ungewöhnliche Freundschaft! Was viele nicht wussten: Hollywood-Star Mila Kunis ist schon ziemlich lang mit dieser Prinzessin sehr gut befreundet: http://bit.ly/freundschaft-prinzessin_GALA

Posted by Gala.de on Dienstag, 18. August 2015

Die Leser reagieren zunehmend genervt auf das extreme Teasern und posten mittlerweile sogar Screenshots der betreffenden Artikel in die Kommentare oder verraten ganz einfach, um wen es geht – damit die anderen Facebook-Fans nicht ebenfalls klicken müssen.

Clickbaiting mit der Verlobung eines Promi-Paars tut freilich niemandem ernsthaft weh, was bei weniger erfreulichen Themen jedoch ganz schnell anders aussieht. Wenn die Redaktionen mit Schicksalsschlägen auf Klickfang gehen, wird es schmutzig und geschmacklos. Besonders häufig überschreitet hier die Bauer Media Group die Grenze: So schrieb die InTouch-Redaktion am Montag bei Facebook “R.I.P. Diese DSDS-Kandidatin starb mit nur 21 Jahren an Krebs“. Dazu gab es kein Bild der 21-jährigen Helena Zumsande zu sehen, sondern nur eine Schwarz/Weiß-Version des Logos von „Deutschland sucht den Superstar“.

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Die Redaktion der Bauer Fernsehzeitschrift TV Movie zeigte am Dienstagabend zu der Nachricht, dass Roger Willemsen an Krebs erkrankt ist, eine Fotomontage mit vier TV-Moderatoren und schrieb dazu: „Einer der vier TV-Moderatoren muss sich wegen einer Krebserkrankung zurückziehen.“ Um wen es sich handelte, verriet TV Movie erst nach dem Klick auf die Story. Der Post wurde nach einem Shitstorm gelöscht und Bauer entschuldigte sich.

Klickfang mit Schicksalsschlägen geht trotz Entschuldigung weiter

Doch um einen einmaligen Ausrutscher handelte es sich hier nicht, zahlreiche weitere verstorbene Prominente wurden schon für die Klick-Obsession von Fernsehzeitschriften missbraucht. Zwar hat Bauer die betreffenden Postings mittlerweile gelöscht (allerdings nur bei Facebook, der dazugehörige Tweet existiert nach wie vor), ein Blick auf die Facebook-Seite von TV Movie zeigt jedoch: Bei Schicksalsschlägen oder Gewaltverbrechen wird munter weiter geködert:

Sie kam nochmal mit dem Blessuren davon. DER TÄTER ist ein Hollywood-Star – und muss jetzt in den Knast ►►http://bit.ly/1NCkUfJ

Posted by TV Movie on Dienstag, 18. August 2015

Einer der POTTER-DARSTELLER sitzt heute im Rollstuhl. Das macht uns traurig ►► bit.ly/1N71ItB

Posted by TV Movie on Sonntag, 16. August 2015

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Alle Kommentare

  1. Ist doch kein Wunder bei Bauer. Sie sehen, was bei anderen „funktioniert“ und kopieren es. So geschehen bei Intouch bzw. Wunderweib. Und bei TV Movie sollte es auch keinen wundern. Fähige Redakteure schmeißt man raus und unfähige werden eingestellt. Wobei ich den jungen Mann, der da schreibt, nicht als Redakteur bezeichnen möchte. Dieser Verlag ist eigentlich nur eins: traurig.

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