Ressort mit meisten Fehlern soll die Küche putzen: Qualitätsoffensive bei Focus Online

Focus Online-Chefredakteur Daniel Steil
Focus Online-Chefredakteur Daniel Steil

Zukünftig sollen Redakteure von Focus Online gefundene Fehler über ein internes System melden. Ein Ranking soll aufzeigen, welches Ressort die meisten Patzer online stellt. Den zuständigen Ressortleitern drohen Konsequenzen – wenn auch nicht ganz ernst gemeinte, beteuert Chefredakteur Steil.

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Die Redakteure von Focus Online stellen noch zu viele Texte mit Fehlern online. Das hat, wie Daniel Steil im Gespräch mit MEEDIA erklärt, eine Analyse des extra eingestellten Qualitätsmanagers der Redaktion ergeben. Fehler sind niemals gänzlich vermeidbar, auch bei Focus Online arbeiten Menschen. Doch 90 Prozent der Patzer seien der Flüchtigkeit geschuldet, also beispielsweise Buchstabendreher, so Steil. „Aus Fehlern lernt man am Ende viel mehr, als wenn alles immer gerade läuft. Gleichzeitig ist es so, dass wir immer wieder Nutzerbeschwerden über Rechtschreibfehler haben.“

Um diese zu minimieren, habe die Redaktion bereits etwas getan: „Wir haben unter anderem vor einigen Monaten ein Tool entwickelt, über das Nutzer Fehler melden können. Darüber werden pro Tag bis zu 40 Rechtschreibfehler gemeldet, und wir haben so die Nutzerbeschwerden um rund 50 Prozent reduziert.“ Dem Focus-Online-Chef reicht das aber noch nicht. „Jetzt bitten wir explizit auch die eigenen Mitarbeiter, dieses sehr erfolgreiche Tool zu nutzen, um den Nutzer noch zufriedener zu machen.“ Zukünftig sollen Redakteure entdeckte Fehler anonym melden, um die Veröffentlichungen schneller zu korrigieren. Damit erweitert der Chefredakteur das bestehende Sechs-Augen-Prinzip und er erweitert auch das bisher bestehende Leser-Tool. Denn zukünftig werden die Fehler gelistet und nach Ressorts sortiert.

Die Mitarbeiter wurden in einer E-Mail über dieses neue Qualitätsverfahren aufgeklärt und darüber informiert, dass es zukünftig auch ein Fehler-Ranking geben wird. Das, erläutert Steil, sei eine Idee der Ressortleiter gewesen. Das gelte auch für die Konsequenzen, die das tabellenführende Ressort tragen muss: Küchendienst. Das sei allerdings „durchaus mit einem Augenzwinkern zu sehen“, erklärt Steil.

„Wir haben ein gemeinsames Ziel und wer möchte, kann sich beteiligten.“

Auch weil dies eher Jux sei, habe der Chef keine Sorge, dass aus dem Konzept eine Kultur des Anschwärzens entstünde. „Es geht hier um den spielerischen Umgang mit diesem Thema und es geht nicht darum, jemand anzuschwärzen“, beteuert Steil. So eine Organisation sei Focus Online nicht. „Wir haben aktuell einen für alle Mitarbeiter abteilungsübergreifend angelegten Weiterbildungsplan entworfen, der Mitarbeiter in jeder beruflichen Situation die Möglichkeit bietet, voranzukommen und damit noch wertvoller für das Unternehmen zu werden.“ Um die Fehlerquote zu senken, habe man nicht nur das Tool installiert, sondern auch die Rechtschreibprüfung innerhalb des Content-Management-Systems aktualisiert. „Wir haben ein gemeinsames Ziel und wer möchte, kann sich beteiligten.“

Trotz der wohl nicht ganz ernst gemeinten „Bestrafung“ ist nicht ganz klar, weshalb die Focus-Online-Macher kein Belohnungssystem eingeführt haben. Auf Nachfrage erklärt Steil, dass man auch daran arbeite. „Möglicherweise drehen wir das System in einigen Wochen um und belohnen das Ressort mit den wenigsten Fehler. Weniger Fehler sind dann auch gute Nachrichten.“ Bis dahin gäbe es aber trotzdem eine Belohnung für alle anderen: den „Fail-Cake“, den der Ressortleiter mit den meisten Fehlern backen muss.

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Alle Kommentare

  1. Die Qualitätsoffensive konsequent von „Focus Online“ zuende gedacht, würde bedeuten das eigene Angebot abzuschalten.

  2. Es fängt ja schon damit an, worauf ich jetzt drücken muss:

    „Kommentar absc
    hicken“

    Andererseits steht den Fehlerteufel-Aktivitäten auch die gedruckte Ausgabe des Magazins hie und da nicht nach. Ich könnte dies bei Bedarf erläutern.

    Gibt es eigentlich noch so etwas wie ein Lektorat??? Vielleicht könnte man auch das Gros der Lesermeinungen im Online-Bereich ein wenig redigieren; ohne den Sinn, der manchmal wirklich schwer erkennbar ist, zu entstellen.

    Was einem dort tagtäglich an Analphabetismus begegnet…

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