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Warum sich Google in Alphabet umbenennt

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Larry Page und Sergey Brin: Das "G" macht auch bei Alphabet weiter die Musik

Es ist einer der ganz großen Aufreger des Jahres: Google ist Geschichte – zumindest ist es nach dem Firmennamen nicht mehr das gleiche Unternehmen. Der wertvollste Internet-Konzern der Welt heißt künftig Alphabet. Dabei deutete sich die Transformation, die mit dem neuen Firmennamen besiegelt wird, seit Jahren an. Larry Page und Sergey Brin wollen demonstrieren, dass Google für so viel mehr steht als die Suche – für so viel mehr, dass nur ein Alphabet reicht.

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Daran wird man sich erst gewöhnen müssen: Die beiden wertvollsten Konzerne der Welt beginnen mit A: Apple und Alphabet, das Unternehmen, das bis gestern noch Google war. Spaßvögel könnten behaupten, dass Google auf dem Kursticker der Wall Street endlich einmal vor Apple stehen wollte, wenn es nach den Börsenwert schon nicht reicht – aber das trifft kaum die Beweggründe der Google Guys Larry Page und Sergey Brin.

18 Jahre nach Erfindung der Suchmaschine, die die Geschichte des Internets und beginnenden 21. Jahrhunderts für immer verändern sollte, sind Brin und Page der Reduzierung auf das Such-Business offenbar müde geworden, obwohl das hochprofitable Geschäft mit der Werbevermarktung von schlagwortbasierten Anzeigen immer noch pro Quartal mehr als drei Milliarden Dollar Gewinn in die Kassen spüllt.

Larry Page und Sergey Brin wollen Aufmerksamkeit vom Suchgeschäft weglenken

Doch Brins und Pages Ambitionen, die immer wieder in gewagten Moonshots ihren Ausdrucken finden, die sich oft genug als Rohrkrepierer erweisen, sind längst auf die Zeit nach der Suche fokussiert. Selbstfahrende Autos, die smarte Kontaktlinse, vielleicht doch noch die Datenbrille Google Glass im zweiten Anlauf, Smart Home-Anwendungen der neuen Tochter Nest und vom Internet-Geschäft abseitige Aktivitäten wie das Biotech-Start-up Calico oder das Robotics-Unternehmen Boston Dynamics spielen in den Zukunftsplänen des Internetriesen bekanntlich eine maßgebliche Rolle.

Die heutzutage bekannteren Marken YouTube, Google Maps und Android sollen unterdessen aber in der Google-Unit gebündelt werden. Calico, das Glasfasernetzprojekt Fiber, der Investmentfonds Google Capital, die Beteiligungsgesellschaft Google Venture, die Forschungsunit Google X und Nest sollen neben Google die verschiedenen Tochter-Unternehmen zum Start von Alphabet sein.

Alphabet soll ein modernes Berkshire Hathaway werden

Es scheint, als wollten Page und Brin Google nach dem Vorbild von Warren Buffets Firmen-Konglomerat Berkshire Hathaway umbauen, wie Apple-Blogger Neil Cybart („Above Avalon“) anmerkt:

Also: Den ewigen Vorwurf auszuhebeln, dass Google mit dem Suchgeschäft ein One Trick Pony besitzt, schließlich ist die bis gestern namensgebende Such-Tochter jetzt eine unter vielen.

Mehr Übernahmen wahrscheinlich

Im Umkehrschluss heißt das auch, dass Larry Page bei Übernahmen künftig offensiver agieren könnte – das Argumentationsmuster, was das Akquisitionsobjekt denn mit dem Kerngeschäft zu tun habe, entfällt. Gekauft wird, was Page und Brin für zukunftsträchtig halten – und wenn es ein Energiekonzern wäre.

Ob die Rechnung an der Wall Street aufgeht, bleibt abzuwarten. In einer ersten Reaktion schossen die Anteilsscheine nach Handelsschluss um 6 Prozent auf über 700 Dollar empor.

„alpha-bet“: Botschaft an die Wall Street

Dass Larry Page die Wall Street nicht so egal ist, wie den langfristig orientierten Google-Gründern immer wieder unterstellt wird, deutet der neue Firmenname an, den Page im offenen Brief an Aktionäre nach dem Geschmack der Kapitalmärkte erklärt: „Uns gefällt auch, dass es „alpha-bet“ (zu deutsch: „eine Alpha-Wette“) heißt“, macht Page deutlich, um die Bedeutung des Terminus dann explizit aufzulösen. „Alpha bedeutet: eine Rendite über der Benchmark, was wir anstreben!“

Google Inc. ist tot, lang lebe die weltweit größte Beteiligungsgesellschaft für Internet-, Tech- und andere Unternehmen.

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