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Wie Wolfgang Büchner die Blick-Gruppe umkrempelt

Wolfgang Büchner ist seit rund einem Monat Geschäftsführer der Blick-Gruppe
Wolfgang Büchner ist seit rund einem Monat Geschäftsführer der Blick-Gruppe

Kaum im Amt, gibt Büchner für schweizer Branchenverhältnisse ein ungewohnt hohes Tempo vor. Während sich Medienmanager in der Regel Monate Zeit lassen, um Workflows und Angebote zu analysieren, ist Büchner bereits in der Umsetzungsphase. Der Deutsche weiß genau, wohin er mit der Blick-Gruppe will.

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Von Christian Lüscher

Ab Anfang 2016 soll der Newsroom der Blick-Gruppe noch stärker auf die Herausforderungen der fortschreitenden Digitalisierung ausgerichtet sein. Ab dann soll der Newsroom Inhalte produzieren, die in erster Linie auf dem Smartphone konsumiert werden. Herzstück wird der Content-Desk. Da wird alles fürs Digitale, für Mobile, Social Media und Video produziert. Auch die beiden Zeitungstitel Blick und SonntagsBlick sollen ihre Inhalte vom Content-Desk beziehen. Was bleibt: Die Chefredakteure René Lüchinger (Blick) und Christine Maier (SonntagsBlick) werden dann noch kleine Autorenteams führen, für ihre großen Geschichten. Dem Vernehmen nach sollen es fünf bis sechs pro Titel sein. Das hat intern schon mal für Aufruhr gesorgt. Das letzte Wort sei aber noch nicht gesprochen.

Büchner legt seinen Fokus auf Smartphones. Logisch, in Zeiten, in denen die Menschen nonstop an diesen Dingern hängen und ihr ganzes Leben mittlerweile damit organisieren, muss das journalistische Angebot angepasst werden. Dass die Zeitungtitel eine untergeordnete Rolle spielen werden, ist naheliegend. Büchner sagte vor versammelter Mannschaft jüngst: „Unsere Produkte sollen journalistische Gadgets sein, die jeder unbedingt haben will.“ Damit hat er die Marken gemeint, weniger die gedruckte Zeitung.

Büchners Strategie und Reorganisation geht nicht ohne Abbau, wie wir aus sicherer Quelle erfahren haben. Am Mittwoch wurden bereits vier Angestellte entlassen. Offenbar alles Frauen, was die Frauenbewegung in der Branche nicht freuen wird. Das war aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Laut einem internen Papier, das als „Shortlist“ bezeichnet wird, stehen bei der „Blick“-Gruppe rund 20 Stellen zur Diskussion. Auf Anfrage wollte die Pressestelle die Zahl nicht bestätigen. Per Mail teilte man uns mit: „Mit weiteren personellen Massnahmen ist zu rechnen, das ist richtig.“

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Die Nervosität bei der Belegschaft nimmt verständlicherweise zu. Wen es treffen wird? Überwiegend Angestellte, die wenig Erfahrung im Digitalen haben. Seit Monaten ist im Newsroom der Blick-Gruppe eine digitale Taskforce am Werk, geführt vom gebürtigen Kolumbianer Juan Fernando Baron. Wir haben in diesem Blog bereits im Januar geschrieben, dass der Ringier-CEO einen Digitalcrack holen will. Voilà, das ist er also. Der Branche vorgestellt wurde er nicht. Still und heimlich nahm Baron seine Arbeit auf. Selbst im Newsroom der Blick-Gruppe wussten Mitarbeiter nicht, dass da einer sitzt, der die Digitalstrategie der Blick-Gruppe noch massgeblich beeinflussen wird. Und der die digitalen Fähigkeiten der Belegschaft mitanalysiert.

Wie gehts weiter? Im September soll die zweite Phase von Büchners Plan umgesetzt werden. Jetzt geht er drei Wochen in die Ferien. Allerdings nicht ohne Aufgaben für die Chefredaktoren Lüchinger und Maier.

Der Text erschien zuerst im Blog Off the Record vom Tagesanzeiger.

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