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40 Prozent Rendite im digitalen Rubrikengeschäft: Döpfner sieht Axel Springer strategisch auf Kurs

Bestätigten die Prognose für das laufende Geschäftsjahr: Konzernchef Mathias Döpfner (re.) und Finanzvorstand Julian Deutz
Bestätigten die Prognose für das laufende Geschäftsjahr: Konzernchef Mathias Döpfner (re.) und Finanzvorstand Julian Deutz

Der Digitalmotor brummt: Bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz von Axel Springer zeigte sich Vorstandschef Mathias Döpfner mit der Geschäftsentwicklung mehr als zufrieden. Grund sind die kräftigen Zuwächse bei den digitalen Aktivitäten, vor allem in den Rubrikenmärkten. Print schwächelt weiter.

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„Das 1. Halbjahr 2015 ist noch besser gelaufen, als wir erwartet haben“, sagte Döpfner zu Beginn des traditionellen Conference-Calls am Dienstagmorgen. Dass dies ausschließlich den neuen Medien zu verdanken ist, hat bei Axel Springer inzwischen fast schon Tradition. Seit einigen Jahren hat sich das Verlagshaus radikal der digitalen Expansion verschrieben. „Diese Strategie zahlt sich jetzt aus“, so Döpfner und nannte dafür Eckdaten: 63 Prozent Umsatzanteil und 75 Prozent Ergebnisbeitrag steuerten die Online-Geschäfte bereits bei; in einzelnen Bereichen ließen sich Renditen von „mehr als 40 Prozent“ erwirtschaften, erklärte der Vorstandschef und fügte hinzu: „So war es früher im Print.“ Doch das ist Geschichte. Der Zeitungsmarkt, sagt Döpfner, stehe vor „anhaltenden Herausforderungen“.

Konsequenter Weise ist bei der PK, die Döpfner gemeinsam mit Finanzvorstand Julian Deutz bestritt, von den Bild oder Welt kaum die Rede. Wenn doch, dann geht es um die Zahl der Digital-Abonnenten, die derzeit bei insgesamt 348.000 liege und damit ein Plus von 37 Prozent gegenüber Mai vergangenen Jahres erzielt habe. Deutlich mehr Raum nehmen Projekte wie Politico.eu oder der für Ende des Jahres angekündigte Start des deutschen Business Insiders ein, auch wenn bei im Vergleich zum Boulevard-Riesen Bild oder auch der Welt-Gruppe extrem kleine Karos auf der Reichweiten-Landkarte sind. Vor allem Politico, das von einer 40 Köpfe starken Redaktionsmannschaft in Brüssel produziert wird, scheint ein Steckenpferd des Vorstandschefs zu sein. Er nennt die Entwicklung des Portals „extrem erfolgreich“ und führt zur Begründung die im Juli erreichte Zahl von einer Million Unique Users (bei 1,5 Millionen Visits) an und verweist auf „bereits 38.000 Newsletter-Abonnenten“ sowie 28.000 Beziehern der gedruckten Ausgabe. Geld soll das ambitionierte Projekt vor allem über kostenpflichtige Themenkanäle (etwa zum Energiesektor) in die Konzernkasse spülen. Aber bis dahin fürfte es noch ein weiter Weg sein.

Beim deutschen Business Insider setzt Springer auf die Strahlkraft der Marke mit weltweit 80 Millionen Unique Visitors. Das von der Springer-Tochter Finanzen.net betreute Portal soll für heimische Leser einen Mix aus übersetzten Artikeln des US-Originals und eigenen Stories bringen. Döpfner erwartet, dass sich der deutsche BI von der amerikanischen Version „deutlich unterscheiden wird“. Darüber, dass es neben den Beteiligungen an international erfolgreichen und lukrativen jungen Medienmarken weiterhin die Option gibt, eigene Content-basierte Startups in den Markt zu schicken, lässt Döpfner keinen Zweifel, schließlich sei „Berlin eines der attraktivsten Startup-Ökosysteme der Welt“, und die internationalen Investoren-Bewertungen für journalistische Digitalprojekte inzwischen erstaunlich hoch.Dass etwa Vice.com 2,5 Milliarden Dollar wert sein solle, sei „schon atemberaubend“. Springer selbst probiere im Kleinen aus und verfolge dabei eine „agile Strategie“, bei der viel angeschoben und bei Flops auch schnell der Stecker gezogen werde: „Unser Motto lautet: fail fast, fail cheap, fail better.“

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Natürlich ging es bei der PK auch um verpasste Chancen und Fusionsgerüchte, die rasch dementiert wurden. Die Financial Times, so Döpfner, „hätte ideal zu der Strategie von Axel Springer gepasst“. Es sei aber „ein kaufmännisch völlig normaler Vorgang“, dass am Ende nicht die Berliner, sondern der japanische Medienkonzern Nikkei den Zuschlag erhalten habe. Er ließ durchblicken, dass aus Sicht des Hauses die Akquisition an den Kosten gescheitert sei: „Wir haben uns eine hohe Preisdisziplin verordnet und rücken davon nicht ab, nur weil wir die Medienmarke attraktiv finden.“ Mit Blick auf die angestrebte Zusammenarbeit mit ProSiebenSat.1 stellte Döpfner erneut klar, dass eine Fusion für Axel Springer kein Thema sei. Es gehe um Kooperation und Co-Investition sowie die für Startups besonders verlockende Gelegenheit, über Springer und P7S1 „Medialeistungen auf allen relevanten Vertriebskanälen zu besonders attraktiven Konditionen zu erhalten“.

Genau beobachtet das Management von Axel Springer die aktuellen Angebote der Tech-Giganten aus dem Silicon Valley an die Verlage. „Da findet gerade eine sehr interessante Ausdifferenzierung statt“, so Döpfner, „die Tech-Industrie definiert ihr Verhältnis zur Inhalte-Industrie.“ Dabei gehe es darum, ob Apple, Google, Facebook oder Amazon den Verlagen Plattformen bieten oder deren Geschäft der Content-Produktion selbst übernehmen wollten. Hiervon hänge auch ab, ob Springer z.B. das gerade bei Bild gestartete Experiment mit Instant Articles langfristig verfolgen werde.

Die Börse jedenfalls belohnte die von Döpfner am Dienstag vorgestellten Zahlen und Aussichten: Bis zum Mittag legte die Aktie um fast sieben Prozent zu und rangierte über 55 Euro.

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