Angeklagter unverpixelt in Bild: Richter schließt Boulevardblatt vom IS-Prozess aus

Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt
Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt

Am Montag begann vor dem Oberlandesgericht Celle der Prozess gegen zwei mutmaßliche IS-Terroraktivisten aus Deutschland. Anordnung des Richters für Fotografen und Kamerateams: Die Angeklagten dürfen nur gepixelt gezeigt werden. Bild hielt sich nicht daran – und wurde vom Prozess ausgeschlossen.

Anzeige

Um 17.18 Uhr teilte eine Gerichtssprecherin dem Bild-Reporter die Entscheidung des Vorsitzenden Richters mit. In der Erklärung heißt es: „Nachdem Sie gegen die mit der Akkreditierung verbundene Absprache, Fotos der Angeklagten nur verpixelt zu veröffentlichen, verstoßen haben, hat der Vorsitzende in Ausübung des ihm übertragenen Hausrechts entschieden, dass die Akkreditierung für Ihr Medium verloren geht.“ Damit ist das Springer-Blatt bis auf Weiteres, möglicherweise sogar für die gesamte Verfahrensdauer bei den Verhandlungsterminen ausgesperrt.

Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt, der am Mittag entschieden hatte, sich dem richterlichen Verbot zu widersetzen, twitterte den Rauswurf am Abend:

Auf MEEDIA-Anfrage erklärte Reichelt, sein Medium sehe darin einen „inakzeptablen Angriff auf die Pressefreiheit“. Zugleich kündigte er an, dass Bild gegen die Entscheidung rechtlich vorgehen werde. Er habe kein Verständnis, dass die Medien Männer, „die sich nachweislich der schlimmsten Terrororganisation der Welt“ angeschlossen hätten, nur gepixelt zeigen sollen. Reichelt hält dies für „absurd“ und will dazu auch in der am Dienstag erscheinenden Bild-Printausgabe einen Kommentar veröffentlichen. Mit dieser Begründung, so Reichelt, hätte man in den Stammheimer Terrorprozessen der 70er Jahre „Andreas Baader nicht zeigen dürfen“.

Auch das Bildblog berichtet über den Vorgang und veröffentlicht dazu die „sitzungspolizeiliche Anordnung“, die alle Berichterstatter vor dem Beginn des Prozesses erhalten hätten. Sie lautet: „Bei den Filmaufnahmen ist sicherzustellen, dass das Gesicht der Angeklagten vor der Veröffentlichung und vor einer Weitergabe der Aufzeichnungen an Fernsehveranstalter oder andere Medien durch ein technisches Verfahren anonymisiert wird und nur eine Verwendung in anonymisierter Form möglich ist.“ Der zuständige Senat unter Vorsitz von Richter Henning Meier habe dies „aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes entschieden“.

Dennoch scheint die Anordnung des Richters nicht unproblematisch. Denn der von Bild identifizierbar abgebildete Angeklagte Ebrahim H. hatte sich im Vorfeld des Verfahrens in einem NDR-Interview ausführlich zu den Tatvorwürfen geäußert und sich dabei offen filmen lassen. Auch der Süddeutschen Zeitung gab er ein Interview. In welcher Weise die Springer-Juristen gegen den Ausschluss der Bild angehen werden, ist noch nicht bekannt.

 

Update 3.8., 20.59 Uhr: In einer früheren Version des Artikels hieß es, das NDR-Interview sei mit Ayoub B. geführt worden. Tatsächlich handelte es sich um Ebrahim H.

 
Update II (Dienstag, 10.00 Uhr):
Offenbar unterbreitete das OLG Celle der Bild einen Vorschlag zur Güte. Die Journalisten sollten doch „als Zuschauer“ den Prozess verfolgen. Die Bild lehnt das Angebot jedoch ab. „Wir wollen unsere Akkreditierung zurück“, twittert Bild.de-Chef Julian Reichelt empört in Richtung Justiz.

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Es ist wieder passiert … ich schäme mich dafür …. war gerade auf BILD.de … und was sehe ich …. BILD verbreitet mal wieder IS Propaganderbilder auf ihrer Plattform … Warum gibt BILD diesen Mördern die Möglichkeit ihre Bilder und Botschaften zu verbreiten? Lieber Herr Reichelt … was Sie tun … ist kein Journalismus … das ist Menschenverachtend und eckelig

  2. Das ist außerdem ein Fall von Pressefreiheit vs. Pressekodex. Ein einfaches Nachlesen im Pressekodex des Presserates schafft Klarheit und führt zu dem Schluss, dass die BILD wie immer nur auf Sensation aus ist, frei nach dem Motto: „Wir konstruieren uns einen Skandal“. Der Pressekodex, als Ehrenkodex des seriösen Journalismus verstanden, ist bekannterweise nicht mit den Persönlichkeitsprofilen von BILD-Redakteuren zu vereinbaren.

    Einfach mal nachlesen in Ziffer 8 „Schutz der Persönlichkeit“; Richtlinie 8.1 – „Kriminalberichterstattung“; Eine Aussnahme nach Absatz (2) Satz 3 liegt definitiv nicht vor.

  3. Bilder sind im Radio verboten. Man sollte das Verbot auf Zeitungen und Fernsehen ausweiten.

  4. Dient es einem journalistischen Zweck die Gesichter der Angeklagten zu zeigen? Die Frage beantwortet sich von allein!

  5. das war keine „geplante Provokation“ (schönes Stasi-Deutsch), sondern ein ganz normaler Aufsager, für den man die Tür von aussen als Zwischenschnitt drehen wollte. Sind Sie aus Lichtenberg? Oder vllt. Hohenschönhausen? Würde mich nicht wundern.

    1. Da muss ich Sie leider bei Ihrer Vorverurteilung und vorurteilsträchtigen Annahme entäuschen. Nein, diese Ortschaften sagen mir nicht das geringste und als „Ur-Westfale“ muss ich dazu noch gestehen, dass ich noch niemals in den „neuen“ Bundesländern war, weil sich das noch nie ergeben hat. Der Wachtmeister beim OLG hatte scheinbar keine ordentliche Informationen des Vorsitzenden Richters bekommen außerdem dürfen auch Justizwachtmeister, zur Wahrung von Ruhe und Ordnung im und vor dem Gerichtsgebäude das Hausrecht ausüben, wenn der Vorsitzende Richter nicht erreichbar ist auch nach eigenem Ermessen. OK, der Justizbeamte hätte besonnener reagieren müssen aber unter Stress und bei vorgehaltener Kamera eines aufdringlichem Journalisten ist das meistens gar nicht so einfach. Aber das versteht Die BILD nicht. Fehler machen da nur die Anderen. BILD selbst ist natürlich unfehlbar und Herr Reichelt der vom Herrgott ermächtigte Richter über Gut und Böse.

  6. Zitat Herr Reichelt:

    ,,. @BILD wurde nun vom #ISIS Prozess in Celle ausgeschlossen, weil wir die Terroristen gezeigt haben. Wir werden uns dagegen wehren.“

    Man beachte den unfassbaren Passus: ,,die Terroristen“.

    Warum macht sich das OLG eigentlich die Mühe, ca. 30 Verhandlungstage anzusetzen, wenn es sich doch bereits um ,,Terroristen“ handelt ???

    Ist Herrn Reichelt bewusst, dass wir in einem Rechtsstaat leben?

    Hat Herr Reichelt (wohlgemerkt: Chefredakteur) schon etwas von der Unschuldsvermutung gehört?

    Ich habe da leider bedenkliche Zweifel.

    1. Genau das meine ich mit schwachem Niveau,

      „Herr Lehrer, ich weiss was, es gilt die Unschuldsvermutung“

      ….so lächerlich!

      Bei klaren Fällen mach die BILD (und andere) das übrigens immer so, richtigerweise!

      1. „Bei klaren Fällen mach die BILD (und andere) das übrigens immer so, richtigerweise!“

        Sie merken scheinbar nicht einmal mehr selber, wenn Sie das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit mit Füßen treten (bzw. mit Worten geißeln).

        Die BILD-Redaktion entscheidet also Ihrer bescheidenen Meinung nach, wann „ein Fall klar ist“ – und nimmt somit das Urteil vorweg? Interessante Sichtweise – da vertraue ich (auch bei klaren Fällen) doch lieber auf Richter, wenn es um Schuld und die damit ggf. einhergehende Einschränkung der Persönlichkeitsrechte geht.

      2. @Frank

        Ich sachs mal freundlich, sie haben ein komplett falsches Verständnis von Journalismus!

        Leute wie sie sind Teil des Krebsgeschwürs im deutschen Medienbetrieb und der Grund warum die ganze Welt über die deutsche Presse lacht.

      3. Meine Güte Klaus, bist Du so dämlich oder tust Du nur so?
        Das Bild-Schweineblatt hat gegen die Anordnung des Gerichts verstossen. Was bildet sich dieser Blöd-Fuzzi eigentlich ein. Das das Gericht das mit Wohlwollen sieht?
        Die Blöd-Mischpoke versucht Einfluss auf die Justiz zu nehmen mit dieser Geschichte, Druck zu erzeugen.
        Ein Klima der Angst unter Richtern zu erzeugen.
        Ähnlich wie bei der Griechenland Hetze , die man als Ablenkung zur schwerkriminellen Banken- und Wirtschaftsbranche inszeniert.
        Das Blöd-Geschmeiss hätte einfach gegen diese Anordnung klagen können.
        Hat es aber nicht, es hat den kriminellen Weg genommen.
        Es ging nur darum ein Foto zur täglichen Blöd-Hetze zu haben.
        An Deinen Absonderungen kann man den Blöd-Ungeist gut erkennen. Ich denke daher, dass Du zu dieser Blöd-Bande gehörst. So ein Brett vor dem Kopf wie Du, hat kein normaler Mensch!

    2. „Unschuldsvermutung“ oder ähnliche Termini hatten für die BILD-Zeitung, etc. noch selten vorrangige Bedeutung. Ein Gutteil ihrer typischen Stammleserschaft hält sich mit Phänomenen, die unseren Rechtsstaat nun mal ausmachen sollten, anscheinend nicht gerne auf – das verwässert die simplifizierend aufgebauten klaren Feindbilder und somit die Stimmung, die nötig ist für den reißenden Absatz ihrer Lieblingspostille. Gut für das Blatt, schlecht für die Menschen, dass es so viele Reizthemen gibt – nicht nur den „IS“ , z.B. „Putin“ oder „Griechenland“ . Da kann man auch mit Halbwahrheiten oder letztlich nur allzu oft juristisch nicht haltbaren und teilweise schlampig recherchierten Berichten nicht viel verkehrt machen.
      Herr Reichelt passt da hervorragend auf den Posten des Chefredakteurs; er ist, wenn man so will, die jugendlich anmutende Personifizierung der notorischen Philosophie der Bildzeitung: erst mal ganz groß über etwas zu berichten, um dann, wenn’s denn unbedingt sein muss, winzig klein das zu revidieren, was gerade wieder einmal schnell und vor-verurteilend an Fragwürdigem, aber halt schon mal mit Riesenlettern mit dem berühmten Suggestiv-Fragezeichen am Ende der Zeile, in die Gegend posaunt worden war.
      Diesmal ging’s eben schief – man mag sich über Reichelt’s „pflichtgemäße“ Reaktion auf die richterliche Anordnung amüsieren, weil sie im Kern bestätigt, was man vom auflagenstärksten Blatt Deutschlands ohnedies weiß…
      „Pressefreiheit“- für das Funktionieren einer Demokratie essenziell –
      endet, auch für die BILD-Zeitung und den Boulevard, eben dort, wo ihr der Gesetzgeber auf der Grundlage der bürgerlichen Rechte die Grenzen aufzeigt.
      Ist das so schwer zu verstehen, Herr Reichelt?

  7. BILD war schon immer ein Schweineblatt, ist ein Schweineblatt und wird auf ewige Zeiten ein Schweineblatt bleiben!
    BILD ist nicht „irgendwie doof“, BILD ist verbrecherisch. Von Haus aus!

    1. „BILD ist verbrecherisch“

      Nö, die IS(lamo)-Terroraktivisten sind „verbrecherisch“.

      Wenn der eigene moralische Kompass schlechter justiert ist als jener von der BlLD, dann sollte man sich Sorgen machen.

      1. Hat simplicissimus500 in seinem Kommentar den behauptet, das der IS nicht „“verbrecherisch” ist? Aus ihrem Kommentar entnehme ich, dass sie ebenfalles ein eingefleischter BILD Jünger sind.
        Ihre Aussage „Nö, die IS(lamo)-Terroraktivisten sind “verbrecherisch”.“ …. passt zur Ideologie der BILD. Generell alle „Islamo“ als Verbrecher zu bezeichnen entlarft Sie. Wer die Art des Journalismus der BILD verteidigt sollte besser nicht über moralische Kompasse fabulieren. Mittlerweile hat sich die Berichterstattung der BILD zum Thema verschärft. Es gab eine geplante und gefilmte Provokation vor dem Landgericht. BILD.de befindet sich mal wieder auf einem persönlichen Feldzug zur Selbstdarstellung.

      2. Wer es wagt das Grundgesetz (nach eindeutiger Aufforderung) zu missachten ist also ihrer Meinung nach nicht verbrecherisch?

      3. Bild und Gosse gehören zusammen.
        Erkennt man unschwer an den Blöd-Lesern.
        Eine dämliche und zusammenhangslose Absonderung wie die Ihre beweist es.

  8. ob es ein persönliches angebot des olg celle war… oder nur ein einfacher hinweis auf die gesetzeslage und den grundsatz der öffentlickeit?

  9. Die Kommentare hier zeigen sehr schön das schwache intellektuelle Niveau der Medienmacher aus der „Pisageneration“

    „Die Bild ist irgendwie doof“ habt ihr jedenfalls gut verinnerlicht

    1. Also gehören BILD Kritiker in Ihren Augen zur schwachen intellektuellen Pisageneration? Alle reden von Putin-Trollen. Es gibt also auch treue BILD-Trolle. Respekt, dass sie sich so mutig outen. In welcher Abteilung von Bild arbeiten Sie denn? Aktuelle Leichenbilder photoshopen, IS Propagander Hinrichtungsvideo remastern? Oder kriminelle Bikerchefs supporten? Oder doch in der Abteilung „Tittenbilder von gerade volljährigen C-Promis“. Sorry aber wer wirklich ernsthaft Partei für die Zeitschrift ergreift kann einfach nicht ernst genommen werden.

  10. Die BILD pocht auf Pressefreiheit missachtet aber selber täglich die Persönlichkeitsrechte und Würde von Menschen. Herr Reichelt sollte sich mal nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Wer entscheidet, dass die Pressefreiheit ein höheres Gut ist als das Persönlichkeitsrecht oder die Menschenwürde. Nur weil diese beiden Angeklagten schlimmes getan haben, sind sie nicht der Willkür des Herr Reichelt auszusetzen. Auch für einen BILD „Journalisten“ gelten Gesetze und Regeln. Und wenn es eine richterliche Entscheidung gibt, muss sich auch diese Zeitung daran halten. Oder halten sich Reichelt, Diekmann und Co für so erhaben und gottgleich, dass das für sie nicht gilt?

  11. Richtig so, endlich ist diese Wurstblatt mal auf jemanden gestoßen, der Ihm Paroli bietet. Müsste viel öfter geschehen.

  12. Diese Entscheidung des Richters finde ich vollkommen richtig. So etwas hat für mich nichts mit Presefreiheit zu tun. Endlich mal jemand, der nicht vor der Bild Zeitung kuscht.

    1. Zustimmung! Das ist unverhältnismäßig!
      Wer im Grundgesetz verankerte Rechte mit Füßen tritt hat noch ganz andere Strafen verdient.

    1. …was bringts Ihnen denn? Anderes als Ihre primitiven Sensationsemotionen wird dabei nicht stimuliert.
      Was glaubt dieser Rotzlöffel Reichelt eigentlich? Das ein Gericht zusieht wie er sich aufplustert weil er früher auf dem Schulhof immer der Dumme war?
      Er hätte auch ohne Veröffentlichung gegen diese Anordnung vorgehen können, ist er aber nicht.
      Es geht Ihm nicht um Pressefreiheit, das ist ja völliger Käse was dieser Heini da erzählt.
      Es ging Ihm eben einzig und allein darum die primitiven Gefühle der Menschen zu bedienen und somit monetär zu nutzen.
      Typisch Springer Pack!
      Verlogene und widerwärtige Heuchler!

    2. Und warum sollte sie jeder sehen dürfen?
      Damit man sie auf der Straße bepöbeln kann? Damit Selbstjustiz möglich wird, wenn sie, aus welchem Grund auch immer, doch unschuldig sein sollten?
      Ne, ne es ist schon richtig das sie eben NICHT jeder sehen soll….

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige