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Schließung des Content-Desks: Funke und Arbeitnehmer brauchen einen Schlichter

Die Funke-Manager machen es jetzt total viral: Funke-Chefs Manfred Braun und Michael Wüller (r.)
Die Funke-Manager machen es jetzt total viral: Funke-Chefs Manfred Braun und Michael Wüller (r.)

Die Gründung der Funke Zentralredaktion und die damit einhergehende Schließung des Content Desks in Essen sorgt für Streit zwischen Betriebsräten und Konzernführung. Verhandlungen für einen Sozialplan sind nach neun Runden gescheitert, das Verhalten Funkes sei "peinlich", so der DJV. Der Konzern entgegnet, es hätte schon längst eine Lösung geben können.

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Nach Ansicht des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) lasse der Essener Konzern „derzeit wieder einige Beschäftigte im Stich“. Die Betriebsräte von WAZ, NRZ, WP und des Funke Redaktions-Services hätten Gespräche über einen Sozialplan für den Stellenabbau in Essen nach insgesamt neun Versuchen endgültig für gescheitert erklärt. „Was bei Funke passiert, ist peinlich für einen solchen Konzern“, meint DJV-NRW-Chef Frank Stach. „Und es ist an Missachtung den Mitarbeitern gegenüber nicht zu überbieten.“

Im Zuge der neuen Zentralredaktion unter Leitung von Jörg Quoos in Berlin hat Funke entschieden, den Content Desk in Essen zu schließen. Bisher versorgten die Content-Desk-Redakteure die Funke-Tageszeitungen in NRW mit überregionalen Inhalten. Zukünftig wird dies in Berlin übernommen. Funke hatte seinen Mitarbeitern angeboten, sich auf die Stellen in der Hauptstadt zu bewerben. Stellenstreichungen sollten vermieden werden, hieß es im Mai dieses Jahres.

Ob diese Vorstellung tatsächlich umgesetzt wird, ist fraglich. Wie der DJV in einer Mitteilung erklärt, sei man mit seinem „Latein am Ende“. Die Geschäftsführung, die bis dahin bereits auf alle Vorschläge der Arbeitnehmervertreter nicht reagiert habe, hätte auch eine geforderte Transfergesellschaft für die 13 Mitarbeiter abgelehnt.

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Der Konzern schildert auf Anfrage eine völlig andere Perspektive: „Leider konnten wir uns (noch) nicht auf einen Sozialplan verständigen. Das hat uns überrascht, denn wir sind den Forderungen des Betriebsrats sehr weit gefolgt“, so der Konzern. „So weit,dass es für die von der Schließung des Content Desks betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Lösung hätte geben können, die in wirtschaftlicher Hinsicht der Ursprungsforderung des Betriebsrats vollständig entsprochen hätte.“ Das Scheitern der Gespräche sei zwar „ärgerlich, aber kein Beinbruch“. Den nach Berlin wechselnden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Content Desk werde noch Gesamtpaket der vom Verlag angebotenen Leistungen übermittelt. „Mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, für die sich (bisher) leider keine neuen Beschäftigungsmöglichkeiten abzeichnen, wird das Personalteam im August das Gespräch und individuelle Lösungen suchen.“

Für weitere Verhandlungen werden Funke und Arbeitnehmervertreter nicht mehr alleine zusammenkommen. Die Gespräche sollen im August bzw. September unter Aufsicht einer Einigungsstelle, also eines Schlichters, wieder aufgenommen werden.

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Alle Kommentare

  1. Die Schließung eines Geschäftsbereichs ist ein klassischer Fall für betriebsbedingte Kündigungen. Wenn die durch den Markt erzwungenen Anpassungen bei Funke in den vergangenen Jahren juristisch klug organisiert waren, kann das Ziel nur sein, einen Sozialplan von vornherein zu vermeiden. Das ist insbesondere bei neuen Unternehmen und bei richtig gesteuerter Zahl von Entlassungen die Option der Wahl. Denn auch bei Funke wird nicht mehr „Reichtum“ im Zuge sogenannter „sozialer Gerechtigkeit“ zu verteilen sein, sondern Mangel und Niedergang.

    Da Funke nur ein Beispiel für viele ist, sollten insbesondere „Gewerkschaften“, denen die Mitglieder davonlaufen und die kein wirkungsvolles Erpressungspotenzial mehr haben (wie z.B. Lokomotivführer), ihre Träumereien von vergangener Macht („Wenn mein starker Arm es will, stehen alle Räder still“) und die Illusionen von „Sozialpartnerschaft“ („Sozialgedöns“ gemäß O-Ton Gerhard Schröder) hinter sich lassen. Seit 1989 gibt es keinen „dritten Weg“ mehr. Ein Unternehmen gründet und unterhält man nicht, um Gutes zu tun und möglichst viele Angestellte lebenslang bestens zu versorgen. Der Sinn eines Unternehmens ist Profit, sonst nichts.

    Ob mit oder ohne Sozialplan: Die bedauerlicherweise überflüssigen Redakteure in Nordrhein-Westfalen sind chancenlos. Wer ihnen das Gegenteil einredet, ist verantwortungslos.

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