Beme: die wichtigsten Fragen zum Hype um die Live-Streaming-App

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Vier Sekunden Wirklichkeit. Ohne Inszenierung, ohne Selfie: Die US-App Beme will das Live-Streaming revolutionieren indem sie auf totale Authentizität setzt. Das Konzept ist schlau und konsequent. Obwohl – zumindest gefühlt – alle über den Dienst reden, fehlt es noch an Best-Practice-Beispielen, die den Wert der App beweisen. Von einem journalistischen Einsatz ganz zu schweigen. MEEDIA beantwortet die wichtigsten Fragen zum Hype um Beme.

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Was ist die Philosophie hinter Beme?
Tatsächlich ist Beme weniger das Produkt von ein paar Kids oder Nerds, die einfach mal was ausprobieren wollten, als das Ergebnis interessanter und digital-philosophischer Grundüberlegungen.

So steht für den Neuling der Begriff der Authentizität über allem. Für den Macher, Casey Neistat, ist diese auch stets eine Frage der Perspektive. So könne ein Selfie nie wirklich ehrlich sein, weil das Bild immer gestellt und inszeniert sei.

Echte Authentizität geht nach Meinung des 34-Jährigen mit konsequentem Kontrollverlust einher. Wer ständig seine Selfie-Außendarstellung via Instagram, Vine, Facebook oder Snapchat kontrolliert, kann gar nicht mehr echt in den sozialen Netzwerken interagieren, so die Logik von Neistat und seinem Mitentwickler Matt Hackett, der zuvor Technikchef bei Tumblr war.

Wer ständig die Welt durch den Filter eines Smartphone-Displays betrachtet, kann die Realität gar nicht mehr wirklich wahrnehmen. Es galt also einen Streaming-Dienst zu entwickeln, der Live-Übertragungen ermöglicht, ohne dass der Filmer ständig auf das Display starrt oder Selfies schießen kann.

Was macht Beme so besonders?
Die Technik. Trotz allem Hype steckt hinter der Streaming-App eine clevere Idee, die technisch toll umgesetzt wurde. Gefilmt wird nicht mehr, in dem man auf das Display des Smartphones schaut und dann den roten Record-Button drückt, sondern mit Hilfe des Annäherungssensors, der in jedem modernen Mobiltelefon verbaut ist. Um ein Video aufzunehmen muss man das Handy mit geöffneter App an seinen Körper drücken. Alleine deshalb schon sind Selfies fast unmöglich, und auch ein Kontrollblick auf das Display kaum praktikabel.

Jedes Video ist vier Sekunden lang und wird sofort live übertragen. So verhindert die App ganz bewusst jede Form der Nachbereitung und Kontrolle.

Verzichtet Beme gänzlich auf Selfies?
Nein. Ein weiterer Clou des Dienstes ist der Umstand, dass er sehr wohl massiv auf die Ego-Portraits setzt – nur eben nicht als Mittel der Selbstinszenierung. Nach dem Anschauen eines Videos macht die App automatisch ein Foto des Betrachters. So funktioniert sein Gesichtsausdruck im Moment des Ansehens als Kommentar zum Clip.

Wer ist der Kopf hinter Beme?
Der Mastermind hinter der Streaming-App ist Casey Neistat. Der New Yorker ist nicht irgendein Nerd sondern einer der bekanntesten YouTube-Stars der USA. Gerade in dieser Vergangenheit liegt wohl auch sein Streben nach Authentizität begründet.

Warum ist ein solcher Hype um Beme ausgebrochen?
Vor allem, weil Neistat ein echter Profi seines Fachs ist. Seit Wochen liefert er in seinen Videos, Postings und Tweets Anspielungen. Zudem dachte er sich einen ausgeklügelten Mechanismus aus, um den Hype um seinen Dienst zu befeuern. So kann zum Start jeder die App auf sein Smartphone laden. Um sie allerdings nutzen zu können, braucht man einen Einladungscode von einem Mitglied. Ansonsten sieht man nur einen Counter, der in Minuten-Schritten hundert Tage runterzählt. Offiziell ist Beme noch im Beta-Status. Kurz nach dem Start wurden die Einladungscodes bereits für über 60 Euro bei Ebay gehandelt.

Ist der Hype berechtigt?
Theoretisch ja. Die Überlegungen, die hinter Beme stecken sind konsequent umgesetzt. Praktisch könnte die App aber unter dem Problem leiden, das Kyle Vanhemert bei Wired sehr treffend beschreibt: „Authentizität ist langweilig“. Tatsächlich fehlt es den Schnipseln fast immer an Sinn und Verstand. Es sind winzige Ausschnitte aus den Leben einer Person. Allerdings ist auch noch nicht das richtige Storytelling für Beme gefunden. Dafür braucht es einfach noch etwas Zeit. Das war bei Vine nicht anders.

Können und sollen Journalisten Beme nutzen?
Für eine professionelle Nutzung, sei es nur für PR, Werbung oder Journalismus, hat Beme das Problem, dass es nicht möglich ist die Kurz-Clips zu archivieren. Sie werden gesendet und sind sofort wieder weg. Das widerspricht schon einmal aller bisherigen Logik von journalistischem Veröffentlichen im Web. Früher war Fernsehen auch nur live zu sehen. Längst lassen sich aber fast alle Sendungen und Formate in den Mediatheken auch nachsehen.

Zum anderen macht die Sendezeit von nur vier Sekunden eine sinnvolle Berichterstattung sehr schwierig. Erste Beme-Versuche wird es sicherlich schon bald von roten Teppichen oder Sport-Events geben. Ob sich in der kurzen Streaming-Spanne interessantes transportieren lässt, ist jedoch noch unklar. Es wird spannend sein, diese ersten Versuche zu beobachten.

Auch für die Werbung und die Unternehmens-Kommunikation wird es erst einmal schwer sein, Beme zu nutzen. Schließlich geht es Agenturen und Firmen immer um möglichst viel Kontrolle der eigenen Inhalte. Das widerspricht konträr dem Ansatz der App.

Werden wir in einem Jahr noch über Beme reden?
Ja. Entweder hat sich Beme hat zu einem erfolgreichen Angebot gemausert, dann reden wir darüber oder aber es ist gescheitert. Aber auch dann werden wir darüber sprechen. Denn der Ansatz ist so spannend, dass selbst die Analyse des Scheiterns interessant sein wird. Zudem wird die erfolgreiche Marketing-Kampagne sicherlich noch ein paar Mal imitiert werden.

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Alle Kommentare

  1. ein invite ist überhaupt nicht nötig, es gibt universale Codes die man eingeben kann und man ist sofort freigeschaltet…ein kurzer Abstecher zu Google fürt umgehend zum Erfolg.

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