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„Boulevardisierung der Dritten“: Studie kritisiert WDR und MDR

WDR-Intendant Tom Buhrow
WDR-Intendant Tom Buhrow

Im vergangenen Jahr NDR und SWR, gerade erst die Politmagazine von "Monitor" bis "Report" und jetzt der WDR und der MDR: Die Otto Brenner Stiftung und die ARD werden so schnell keine Freunde mehr. Gerne nimmt sich das Institut die öffentlich-rechtlichen Sender zur Brust. Der Wiederhall ist stets immens, die Ergebnisse kontrovers. Die aktuelle Studie zum MDR- und WDR-Programm kommt zu dem knackigen Ergebnis: "Viele Wiederholungen, weniger Information als behauptet, Trend zu Human-Touch-Themen.“

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Mit der Studie „Zwischen Boulevard und Ratgeber-TV“ gelang Professor Joachim Trebbe vor zwei Jahren ein kleiner Coup. Mit dem NDR und dem SWR wurde erstmals das Programm von zwei dritten Programmen wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse gefielen den Senderverantwortlichen nicht wirklich, sorgten jedoch für eine große Debatte. Jetzt legt der Berliner Medienwissenschaftler nach und nahm sich den WDR und den MDR vor.

„Ähnlich wie NDR und SWR, können auch WDR und MDR ihren Sendebetrieb nur durch hohe Wiederholungsraten aufrechterhalten“, heißt es im Vorwort. Grundsätzlich hat Trebbe offenbar nicht nur Gutes beim Zappen zwischen den beiden dritten Programmen entdeckt. So meint er eine „Boulevardisierung der Dritten“ zu beobachten. Zudem hätte die „Human-Touch-Berichterstattung in den dritten Programmen inzwischen ein ähnliches Ausmaß wie bei der privaten Konkurrenz erreicht“

Wenig verwunderlich, dass der WDR in einer ersten Stellungnahme vehement widerspricht:

Den in der Pressemitteilung behaupteten und negativ konnotierten „Trend zu Human-Touch-Themen“ belegt die Studie nicht, da bezogen auf die einzelnen Sender Vergleichsdaten früherer Jahre fehlen. Zudem ist der „Human-Touch“-Begriff der Studie sehr weit gefasst. Die Autoren zählen dazu „Menschen und Emotionen“, die im WDR Fernsehen u.a. in vielfach preisgekrönten Doku- und Reportage-Formaten wie „Menschen hautnah“ eine große Rolle spielen, die sich mit anspruchsvollen gesellschaftlich relevanten Themen beschäftigen. Auch die Berichterstattung über „besondere Schadensereignisse“ gehört für die Autoren zu „Human Touch-Themen“. Diese ist jedoch bei einer öffentlich-rechtlichen Regionalberichterstattung geradezu geboten.

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Weiter kritisiert die Untersuchung den von den Sendern „kolportierte hohe Anteil von bis zu 70 Prozent Informationsanteil“.  Dieser lasse sich für Erstsendungen im Untersuchungszeitraum nicht nachweisen. „Selbst wenn man Ratgebersendungen berücksichtigt, liegt er beim WDR nur bei rund 50 Prozent, der MDR kommt lediglich auf 37 Prozent“, sagt Trebbe.

Nach Einschätzung der Forscher sei der MDR der unterhaltungsorientiertere der beiden Sender. Als besondere Stärke des Westdeutschen Rundfunks erkannten die Wissenschaftler eine ausdifferenzierte, in vielen Fällen eher lokal anmutende und auf die Ballungsräume bezogenen Regionalberichterstattung. Diese sei kontroverse und würde von politischen Themen dominiert.

Grundsätzlich hält die Untersuchung allerdings bereits im Vorwort auch fest: „Die vorliegende Studie lässt Zweifel daran aufkommen, ob der WDR und insbesondere der MDR ihrem Programmauftrag in vollem Umfang gerecht werden.“

Als nächstes will sich Trebbe und sein Team den HR und BR vornehmen. Zu welchem Ergebnis diese Untersuchung dann auch immer kommt. Auch sie wird sicherlich wieder für Debatten sorgen.

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