Anzeige

„Blomes Rolle war schlicht kläglich“ – Frederic Todenhöfer verteidigt seinen Vater nach Talkshow-Duell

Nikolaus Blome (l.) und Jürgen Todenhöfer bei „Ich stelle mich“ (WDR)
Nikolaus Blome (l.) und Jürgen Todenhöfer bei "Ich stelle mich" (WDR)

In der WDR-Talkshow "Ich stelle mich" am vergangenen Sonntag stritten Nikolaus Blome und Jürgen Todenhöfer über ein Zitat aus dessen Buch "Inside IS". Ein Faktencheck Sandra Maischbergers in der Sendung ergab, dass das fragliche Zitat in Todenhöfers Buch vorkam. Sein Sohn Frederic, der mit Jürgen Todenhöfer in den IS gereist war, ist der Meinung, das Zitat sei von Nikolaus Blome aus dem Zusammenhang gerissen worden. MEEDIA veröffentlicht seine Stellungnahme als Gastbeitrag.

Anzeige
Anzeige

ein Gastbeitrag von Frederic Todenhöfer

Herr Blome scheint wohl Übung zu haben in der Verfälschung von Zitaten. Billigster Trick ist immer, Sätze – und noch lieber Halbsätze – aus dem Zusammenhang zu reißen.

Blome sagte in der Sendung: “Herr Todenhöfer, Sie rechtfertigen das (den Terrorismus) zum Teil, wenn Sie sagen, die Verhöhnung oder die Lästerung des Propheten ist so schlimm und verletzt so sehr wie ein Bombenangriff.”

(Hier geht es zum Wortlaut-Protokoll des Talkshow-Duells zwischen Nikolaus Blome und Jürgen Todenhöfer, Anm.d.Red.) 

Anzeige

Der „zitierte“ Halbsatz steht auf Seite 24 in einem Absatz, in dem mein Vater für jeden erkennbar die Sicht von Terroristen und Extremisten schildert und nicht seine eigene. Und auch nicht die der „erdrückenden Mehrheit der Muslime“, die ebenfalls „friedliche Wege“ bevorzugen, wie mein Vater wenige Zeilen zuvor schreibt.

Schon auf Seite 23 beginnt mein Vater die Sichtweise der Terroristen darzustellen: “Terroristen verstehen ihre Anschläge als berechtigte Antwort auf….” Diese Darstellung der Sicht der Terroristen geht über mehrere Seiten. “All das sind Erklärungen, keine Entschuldigungen. Terrorismus lässt sich nicht rechtfertigen. …” endet die Argumentationslinie. Kein Kritiker ist bisher auf die absurde Idee gekommen, das sei die Sicht und Meinung des Autors. Deswegen war mein Vater ja so verblüfft, dass Blome ihm diesen Halbsatz als seine Meinung in den Mund legte. Er würde einen solchen Satz nie sagen. Und konnte sich daher auch nicht daran erinnern, das je so geschrieben zu haben. 

Ein Blick in die Bücher oder auf die Facebook-Seite meines Vaters reicht, um zu sehen, dass niemand in Deutschland sich deutlicher gegen Terroranschläge und den IS stellt. Trotz permanenter Morddrohungen. Selbst wenn es sich um Reaktionen auf Verhöhnungen des Propheten Mohammed handelt. (Siehe auch den Brief an Al Baghdadi, den Appell an deutsche IS-Kämpfer und vor allem den Facebook-Post zu den Morden an den Mitarbeitern von Charlie Hebdo).

Wenn Herr Blome  meinem Vater unterstellt, er rechtfertige diesen Revanche-Terrorismus, ist das nicht nur lächerlich, sondern infam. Weil er durch das Herauslösen eines Halbsatzes aus seinem klar erkennbaren Zusammenhang bewusst FÄLSCHT. Bei Herrn Blome ist das fast verständlich, da seine Rolle in dem Duell schlicht kläglich war.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Dieser Mensch hat für die Aufklärung, für ein tieferes Verständnis sein Leben riskiert, alleine das verdient die vollste Anerkennung. Natürlich werden diejenigen, die voreingenommen der Meinung sind, bezüglich des IS Terrors bräuchte es kein Verständnis sondern nur ausgeführte Gegenwehr, nicht in der Lage sein dieser Perspektive irgendeinen Wert abzugewinnen. Todenhöfer dringt in die Psyche des Terrors vor, und das finde ich herausragend. Das ist meiner Meinung nach der einzige Ansatz, der die Welt zur Änderung bewegen kann.

  2. Ein bizarrer Streit. Man kann sagen, Todenhöfer hat sich im Eifer des Gefechts etwas blamiert. Das kann passieren, kein Beinbruch. Man kann sagen, Blome interpretiert die Stelle in eine Richtung, in die Todenhöfer sie nicht verstanden wissen will. Darüber kann man sich sachlich auseinandersetzen. Alles andere sind überflüssige Eitelkeiten auf beiden Seiten.
    Vielleicht ist Blomes Auslegung etwas zu böswillig, vielleicht ist Todenhöfers Einstellung etwas zu blauäugig. Beides kann man vertreten. Die Richtigstellung des Sohnes ist völlig in Ordnung, dass er seinen Vater verteidigt und etwas dick aufträgt, braucht man ihm nicht zum Vorwurf zu machen.
    Ansonsten gebühren Todenhöfer und seinem Sohn großer Respekt. Man muss nicht in allen Punkten Todenhöfers Meinung sein, um das anzuerkennen, was er getan hat. Die Vorwürfe hier sind völlig überzogen und teilweise grotesk.

  3. Diese dümmliche Polemik in den Kommentaren hier ist wirklich erschreckend und beschämend. Ich glaube nicht, dass Herr Todenhöfer es nötig hat, sich von seinem Sohn verteidigen zu lassen. Dass Frederic Todenhöfer dies hier trotzdem getan hat, ist aller Ehren wert. Da sind zwei Menschen von denen der eine versucht hat, einen Konflikt aus einer anderen Perspektive heraus zu beleuchten – und ich kann weder in der Textpassage des Buches noch in seinen gesprochenen Worten eine Solidarität mit dem IS erkennen – und da ist der andere, der versucht eine ihm sehr nahestehende Person vor dummen Anfeindungen und Diffamierungen in Schutz zu nehmen. Ich bin sicherlich kein Fan von Todenhöfer sen. aber sowohl er wie auch sein Sohn haben unter Einsatz ihres Lebens versucht Aufklärung zu betreiben, Sichtweisen wiederzugeben und Denkmuster zu verstehen. Jürgen Todenhöfer ist Journalist und nichts anderes als journalistische Arbeit hat er hier gemacht. Dies auch um, wie er auch bei Sandra Maischberger sagte, zu verstehen, wie diese Terroristen radikalisiert wurden bzw. zu verstehen, was sie antreibt. Denn nur wenn man das versteht, kann man diesen Strömungen auch entgegenwirken.
    Das große Wort, was über allem hier schwebt ist wohl Respekt – ein Wort, welches viele wohl erst mal nachschlagen müssen.

  4. Na in diesem Forum haben wir eine ganze Armee tapferer Kämpfer für Aufklärung und Gerechtigkeit am Start. Frederic Todenhoefers Kommentar polemisch in die kindlich naive Ecke abschieben zu wollen – schämt sich da keiner von euch? Menschen die schwere Konsequenzen für sich und ihr Privatleben auf sich nehmen, um alle Seiten eines Konfliktes zu betrachten, alle Parteien zu hören, die also aufklärerisch und journalistisch im besten Sinne arbeiten, ohne jegliche Argumente zu diffamieren – äußerst mutig. Hetzen, Mitlaufen, Brandstiften, Diffamieren, Verurteilen, nichts aus der Geschichte lernen, da seid ihr groß drin. Und später will es wieder keiner gewesen sein.

  5. Es gibt eine ganze Riege alter stockkonservativ-regressiver (CDU-) Deppen, die aus ihrer Liebe zu allen möglichen Diktatoren und Terrorgruppen Kapital schlagen.

    Todenhöfer, Latour, Polenz, Udo Steinbach usw. …

    Todenhöfer ist ein Kasper, der auch schonmal für die Propagandaabteilung der Hamas Modell stand. Das Beste wäre es, diese alten unmoralischen Männer endlich in Rente zu schicken, damit Sie weniger den Blutsäufern dieser Welt als nützliche Idioten zur Verfügung stehen mögen.

  6. Ach je, die Varoufakis-Nummer mit den aus den Zusammenhang gerissenen Zitaten. Frau Maischberger hat dankenswerterweise den gesamten Absatz veröffentlicht (kann man im verlinkten Media-Artikel nachlesen), und da kann man klar sehen, dass Todenhöfer sen. genau mit dem Satz von der Sichtweise der Terroristen zu seiner eigenen springt. Anschließend schreibt er, dazu, warum der Westen es nicht versteht und verstehen will, dass es ja gilt, unsere Werte zu verteidigen und nicht die der muslimischen Welt. Das wäre ein sehr merkwürdiger und wirrer Satz, wenn er aus Sicht des IS sein soll.

  7. Meiner Meinung nach haben sich sowohl Herr Blome als auch Frau Maischberger blamiert, weil sie die Textstelle und offensichtlich auch das ganze Buch nicht verstanden haben – oder nicht verstehen wollten. Herr Blomes Interpretation wurde vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. – Schade.

    1. Entschuldigung, aber was gibt es denn daran nicht zu verstehen? An dem, was Wolfgang (s. o.) eben gerade noch einmal als Original-Zitat (!) niederschrieb…

    2. Ich habe das buch gelesen und war verblüfft, als ich gesehen habe wie verfälscht oben genannte aussage durch, ein aus dem zusammenhang gerissenes zitieren wiedergegeben wurde..

  8. Hier ist das original Zitat aus dem Buch (zitiert nach „Menschen bei Maischberger“):
    „Die Terroristen des Mittleren Ostens wissen, dass sie nur eine Minderheit sind. Dass die erdrückende Mehrheit der Muslime sich auf friedlichem Wege aus ihrem Elend befreien möchte. Der Terrorismus des Mittleren Ostens ist ein Minderheitenphänomen. Doch er sieht die Rettung der muslimischen Welt als seine Pflicht an, der er sich angeblich nicht entziehen kann. Vor allem, wenn der Westen das Heiligste der Muslime, ihre Religion, verhöhnt und mit Füßen tritt. Der Westen versteht nicht, dass eine Verhöhnung des Propheten Mohammed genauso verletzt wie jeder Bombenangriff. Es interessiert ihn auch nicht. Es gilt ja, unsere Werte zu verteidigen und nicht die Werte der muslimischen Welt.“
    Da gibt der Stahlhelmer Todenhöfer doch eindeutig seine Position wieder.

  9. Zunächst einmal sehr schön, dass über dieses Thema im ÖR diskutiert werden darf. Die Todenhöfers nehmen doch nur eine andere Perspektive als die Atlantik-Brücken-Journalisten (und Frau Maischberger) ein. Das ist Demokratie.
    Diskreditierung über aus dem Zusammenhang gezogene Zitate ist ein Mittel, um die Glaubwürdigkeit JT zu untergraben. Andere Vorfälle in der Sendung auch. Eine Klarstellung richtig.

  10. Und die Phalanx der Qualitätsmedien: da braucht es (leider) dann doch der Aufklärung/Erläuterung durch Frederic Todenhöfer!
    Besten Dank ihm aber auch MEEDIA für den erhellenden Gastbeitrag!

    1. Genau, es braucht Aufklärung, dass Papi nicht in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen…

      Wer ist eigentlich Frederic Todenhöfer, muss ich den kennen?

      1. Nicht verzagen:
        Enkel fragen!
        Enkel weiß-jeden Sch…
        Auch wie die Rolle mal wieder vorwärts kommt 😉

    2. Das ist doch Unfug. Blome hat da überhaupt nichts aus dem Zusammenhang gerissen, das zeigt doch die zitierte Stelle ganz klar. Todenhöfer senior hat nicht eine Meinung des IS oder anderen Muslimen widergegeben oder von sonst jemand, er hat sich den Satz selbst zu eigen gemacht. „verletzt genauso wie….“ ist O-Ton von Todenhöfer. Da kann die Familie Todenhöfer generationenübergreifend behaupten, was sie will. Das ist pure Beleidigung, was der Sohn da treibt, im Grunde justiziabel. Alles nach der Devise, es wird schon was hängen bleiben. Übel, sowas.

  11. ein durchaus „ehrenwertes“ Ansinnen des Sohnes zu versuchen,
    den lapsus memoriae seines Vaters zu entschuldigen.

    Dazu hat er sich einer jämmerlichen Wortwahl bedient, die diesen Versuch zunichte gemacht hat.

    Zu fragen ist, warum meedia sich dazu hergibt, diesen „Gastbeitrag“ auch noch zu veröffentlichen…

    Christian G. Christiansen, Berlin

  12. „Herr Blome scheint wohl Übung zu haben in der Verfälschung von Zitaten. Billigster Trick ist immer, Sätze – und noch lieber Halbsätze – aus dem Zusammenhang zu reißen.“

    Dieser dumme Pauschal-Satz ist in der Tat billig und spricht nicht gerade für den, der ihn äußert…

    Außerdem frage ich mich, weshalb Todenhöfer jr. sich für den Papi überhaupt so ins Zeug legen muss: Hätte Jürgen Todenhöfer nicht selbst in der Lage sein sollen, sein „aus dem Zusammenhang gerisses Zitat“ an Ort und Stelle persönlich zu verteidigen, ohne dass es hier jetzt einer ausführlichen Erklärung seines Sohnes bedarf…?! Irgendwie kennt man doch seine eigenen Bücher, oder?

    1. „Das ist verfälscht“, „das ist aus dem Zusammenhang gerissen“ blabla… Diese Argumentationsweise kennt man ja schon von Muslimen zur Genüge, wenn man ihnen den Inhalt des Korans unter die Nase reibt. Ich frage mich übrigens schon seit geraumer Zeit, wann Todenhöfer sr. (und offenbar auch Junior) zum Islam konvertiert sind, denn so wie sie ständig die Muslime gegen alles und jeden in Schutz nehmen und von jedweder Verantwortung für ihr Handeln freisprechen, aber gleichzeitig übelst gegen Israel hetzen sehe ich keine andere Erklärung als eben diese.

  13. Lieber Fredi,

    selbst wenn ich dir in allem was du sagst Recht geben würde, macht dein Vater in dieser Sache keinen sehr professionellen Eindruck – womit du Blomes Position nur zusätzlich stärkst. Und dass sich „NIEMAND“ in Deutschland deutlicher gegen Terroranschläge und IS stellen würde als dein Vater, ist nun wirklich Unfug! 😉

    Trotzdem süßer Artikel!

  14. >Ein Blick in die Bücher oder auf die Facebook-Seite meines Vaters reicht, um zu sehen, dass niemand in Deutschland sich deutlicher gegen Terroranschläge und den IS stellt.

    Ich würde sagen Todenhöfer konkurriert hier mit Pierre Vogel

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*