„Ich bin nichts lieber als Mutter und Journalistin“: Bild-Vize Ulrike Zeitlinger kontert Wagner

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Sie tragen Hosenanzüge, trinken Smoothies – und sind deshalb Schuld daran, dass wir in Deutschland im vergangenen Jahr "mehr Tote als Babys" hatten. Zumindest wenn es nach Franz Josef Wagner und seiner Bild-Kolumne geht. Nicht nur in den Sozialen Netzwerken wurde der Text heftig kritisiert, auch die Bild-Vize-Chefin Ulrike Zeitlinger widerspricht ihm in ihrer "Post an Wagner" vehement.

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„Ich arbeite. Seit 25 Jahren. 16 davon als Chefredakteurin. Eine von diesen Karrierefrauen, die es wagen, Mutter zu werden“, schreibt die stellvertretende Bild-Chefredakteurin Ulrike Zeitlinger am Donnerstagabend auf Bild.de und richtet sich damit direkt an ihren Kollegen Franz Josef Wagner, der sich in seiner aktuellen „Post von Wagner“ arbeitende Mütter vorknöpfte. Diese beziehungsweise der Zeitgeist seien verantwortlich für den Geburtenrückgang in Deutschland, schrieb er.

Die Mütter seien Business- und Power-Frauen, Chefredakteurinnen und säßen im Aufsichtsrat. „Sie trinken Smoothies, sie laufen sich im Fitnesscenter ihr Fett ab“ – und hätten deswegen keine Zeit, ihr Kind in den Schlaf zu singen oder es in der Nacht zu trösten, wenn es Angst vor einem Gewitter hat. Kurzum, Wagner findet: „Sie sind keine Mütter mehr.“

Diese Aussagen sorgten für mächtig Ärger in den Sozialen Netzwerken und auch Ulrike Zeitlinger kontert Wagner. In ihrem Beitrag beschreibt sie ihr Leben als arbeitende Mutter: „Ich koche für meine Kinder. Ich fahre sie zu Geburtstagen und Basketballspielen. Ich pflastere aufgeschlagene Knie und kühle fieberheiße Stirnen.“ Ihr Mann, der ebenfalls berufstätig ist, würde das selbe tun: „Er liebt seine Familie abgöttisch. Und wenn unsere Tochter ihre kleinen Ärmchen um seinen Hals schlingt und ‚Mein Papa, wir gehören zusammen‘ säuselt, könnte ich schwören, wischt sich dieser breitschultrige Zwei-Meter-Mann manchmal verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel.“

Natürlich sei nicht alles perfekt, räumt Zeitlinger ein: „Und weißt Du was, lieber FJW? Du hast recht: Ich bin viel zu oft nicht da! Ich habe das erste Wort meiner Tochter verpasst und das erste Fußballtor meines Sohnes.“ Das schlechte Gewissen und die Unsicherheit seien ständige Begleiter. Und auch der Neid auf „die Frauen, die den Balanceakt zwischen Kindern und Karriere, Beruf und Familie nicht stemmen müssen“. Doch schließlich habe alles im Leben einen emotionalen Preis: Ich bezahle ihn jeden Tag. Ich bin nichts lieber als Mutter – und Journalistin.“

Für ihre Antwort an Franz Josef Wagner erntete die Journalistin Lob bei Twitter:

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Alle Kommentare

  1. „Kindermörder verprügelt Kindermörder“*
    Will sagen: welchen moralischen Qualitätsgehalt hat es, wenn zwei MitarbeiterInnen des „Organs der Niedertracht“ sich im selben Lügen- und Hetzblatt gegenseitig Briefchen schreiben, außer dass es für außenstehende BetrachterInnen ziemlich witzig ist? ☺

    Ihnen und euch allen ein Bild“Zeitung“s freies schönes Wochenende!
    Viele Grüße, Johanna

    *http://www.bildblog.de/67837/moerder-auf-der-titelseite/

  2. …die Frage ist:
    Warum gibt sich meedia dazu her, solche wohlkalkulierten Schmonzetten seinen in erster Linie an facts interessierten Lesern überhaupt „anzubieten“ ?

    Christian G. Christiansen, Berlin

  3. Entwaffend und lobenswert fand ich das gar nicht, sondern peinlich. So kommentierte ich gestern den entsprechenden Post auf der Bild-Facebook-Seite:
    „Frauenfeindlich, undifferenziert, falsch – wieso drucken Sie das „natürlich“ ab? Natürllich wissen Sie genau, dass erhöhte Erwerbstätgikeit nicht zwangsläufig zu geringerer Geburtenrate führen muss. Viele Länder haben deutlich höhere weibliche Erwerbsquoten und gleichzeitg höhere Geburtszahlen. Vielleicht ist das ja wohlkalkuliert gewesen – ein Kommentar, der das Netz beschäftigt, und dann noch eine scheinbar kontroverse Stellungnahme der Vizechefin. Indem Sie Ihre Lebenssituation und -weise rechtfertigen, bestätigen Sie die Vorurteile. Wagner könnte man getrost ignorieren, wenn die Bild-Zeitung nicht so viele Leser hätte, aber Ihr Statement ärgert mich sehr. Nicht zuletzt, weil zu Ihrer Berufsbiografie auch die Chefredaktion einer Frauenzeitschrift gehört. Flach, flacher, verwirrt… Völlig durch geht ihm der Gaul ja bei der Beschreibung der abendlichen und nächtlichen Szenerie im Kinderzimmer. Wo sind die nichttröstenden und nicht singenden Mütter? Alle bei der Nachtschicht? Ach nee, alle auf Businesstrips im Hotel…“

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