Für fast 1,3 Mrd. Dollar: Japaner schnappen Axel Springer die Financial Times weg

Springer-CEO Mathias Döpfner macht ohne FT weiter
Springer-CEO Mathias Döpfner macht ohne FT weiter

Kurz nachdem am Donnerstag die Financial Times über den möglichen Kauf der Financial Times Group durch Axel Springer schrieb, folgte das harte Dementi aus Berlin. Stattdessen kommt die japanische Nikkei-Gruppe zum Zug - für 1,3 Mrd. US-Dollar.

Anzeige

Die Financial Times berief sich auf mehrere Personen, die mit der Situation vertraut seien und schrieb davon, dass Verkaufsverhandlungen mit Springer „weit fortgeschritten seien.“ Denkste! Das Springer-Dementi folgte kurz darauf und ließ keine Zweifel offen: „Anlässlich der Medienberichte vom heutigen Tag weist die Axel Springer SE Spekulationen über einen Erwerb der Financial Times-Gruppe zurück und stellt fest, dass die Axel Springer SE die Financial Times-Gruppe nicht erwerben wird.“

Nur wenige Minuten später kam die Meldung, dass die japanische Mediengruppe Nikkei den Zuschlag bei der FT-Group erhält – für knapp 1,3 Mrd. US-Dollar. Offenbar hat Nikkei statt Springer den Zuschlag bekommen. Denn dass Springer Interesse hatte, davon konnte man laut dem FT-Bericht vom Donnerstag ausgehen. Die FT bezog sich auf mehrere Personen, die mit dem Vorgang vertraut gewesen seien und zitierte eine Quelle auch wörtlich.

Am Dienstag brachte die Agentur Bloomberg zuerst Spekulationen auf, Springer komme als Kauf-Interessent für die FT-Group in Frage. Pearson sondierte offenbar seit Wochen einen Verkauf der gesamten FT-Group. Dazu gehören neben der Financial Times selbst kleine Titel wie The Banker. Pearson konzentriert sich auf das Bildungsgeschäft und die FT-Group passt da nicht mehr so recht ins Portfolio. Den %0-Prozent Anteil am Economist, der auch zur FT-Group gehört, behält Pearson übrigens lieber selbst.

Für Springer wäre der Kauf ein Mega-Coup gewesen. Die Financial Times ist eine der renommiertesten Medienmarken der Welt. Die britische FT gilt zudem als Vorreiter bei der Digitalisierung ihrer Inhalte und betreibt ein höchst erfolgreiches Paid-Content-Geschäft, was exakt zu Springers eigener Strategie passt. Die britische FT wurde 1888 gegründet, aktuell arbeiten dort rund 500 Journalisten an über 50 Standorten weltweit. Die FT hat aktuell eine kombinierte Print-Digital-Auflage von über 700.000 Exemplaren. Die Digital-Abos bei FT.com sind im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent auf 522.000 gestiegen. Die Print-Auflage ist um fünf Prozent gefallen auf 213.000. 70 Prozent der FT-Abos sind digital.

Die Chance, so eine globale Top-Medienmarke zu erwerben, bekommt man nur einmal.

Springer versucht schon seit geraumer Zeit, sich internationaler aufzustellen. Diverse Investitionen in den USA belegen das. Außerdem haben die Berliner auch schon mal versucht, den Daily Telegraph und Daily Express zu kaufen. In Brüssel betreibt Springer das englischsprachige Joint Venture Politico Europe. CEO Mathias Döpfner hatte schon vor längerer Zeit erklärt, dass das Haus im englischen Sprachraum eine größere Rolle spielen will. Englisch sei die „Lingua franca“ (die Verkehrssprache) des Journalismus.

Es bleibt, den gescheiterten Kanzler-Kandidaten Peer Steinbrück zu zitieren: Hätte, hätte, Fahrradkette.

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige