„Nicht ausreichend belegbar“: Chip.de löscht nordkoreanische Kriegsdrohung gegen die USA

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Mit Kim Jong-un kann man es ja machen. Wann hat sich schließlich Nordkorea schon einmal ernsthaft über falsche Presse beschwert? Unter diesem Motto wurde offenbar bei Chip.de eine Story veröffentlicht, wonach das kommunistische Land den USA wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen bei Windows 10 mit einem Krieg gedroht habe. Nachdem das Bildblog versucht hatte, die nicht vorhandenen Quellen nachzurecherchieren, nahmen die Technik-Experten die Story am Montagmittag wieder offline.

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Unter der Headline „Verbot für Windows 10: Nordkorea will Release verhindern, droht mit Krieg“ ging in der vergangenen Woche bei Chip.de eine Story online, in der es unter anderem hieß:

Anscheinend hat sich auch Kim Jong-un (oder einer seiner Untergebenen) eine Preview von Windows 10 besorgt und ist nun der Meinung, dass Microsoft sich bei Red Star OS bedient hat, berichtet der nordkoreanische Staats-Fernsehsender KCTV. Der Machthaber fordert nun: US-Präsident Obama müssen den Release von Windows 10 verhindern, da Microsoft das Urheberrecht verletzt. Schreitet Obama nicht ein, werde man nicht zögern, mit aller Macht die diebische US-Gesellschaft zur Rechenschaft zu ziehen, heißt es.

Andere Medien wie stern.de brachten die „News“ ebenfalls. Als Quelle gaben sie jeweils Chip.de an. Den Medienwächtern vom Bildblog fiel allerdings auf, dass nicht ein einziges US-Medium berichtete. Dabei handelte es sich immerhin um eine direkte Bedrohung. Auch in den USA dürften Storys über die neueste schrullige Drohung des Diktators aus Pjöngjang bestimmt auf Interesse stoßen. Das Bildblog ging der Story nach und fand weder im Archiv des TV-Senders KCTV, noch bei der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA irgendeinen Beleg für die angebliche Kriegsdrohung.

Die Medienwächter kommen zu Schluss:

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder es gibt diesen Bericht tatsächlich, Nordkorea hat wirklich eine Kriegsdrohung ausgesprochen, und nur ein paar deutsche Medien haben Notiz davon genommen — oder irgendwer hat sich die Story ausgedacht und alle anderen verbreiten sie ungeprüft weiter.

Letztere Deutung dürfte näher an der Wahrheit liegen. Auf MEEDIA-Anfrage erklärte eine Chip-Sprecherin, dass sich der Beitrag „als nicht ausreichend belegbar herausgestellt“ habe und „daher offline genommen“ wurde. „Die Veröffentlichung des Artikels war ein Fehler, den wir bedauern“.

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