Zehn Monate Netflix in Deutschland: viel Lob und ein paar kleine Macken

Netflix-Schauen mit Familie: Eltern sollten „probegucken“
Netflix-Schauen mit Familie: Eltern sollten "probegucken"

Der us-amerikanische Streaming-Anbieter Netflix hat gerade hervorragende Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Einen Großteil des Abo-Wachstums generiert Netflix mittlerweile außerhalb der USA, seit September vergangenes Jahr ist der Dienst auch in Deutschland am Start. Zeit für eine erste Bilanz aus Nutzersicht, die überraschend positiv ausfällt.

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Was wurde nicht alles über Netflix geunkt, als der Dienst im September 2014 in Deutschland an den Start ging. Viele Medien witterten eine “programmierte Enttäuschung”, weil Netflix ein zu lückenhaftes Angebot an Hollywood-Ware präsentiere, weil deutsche Edel-Produktionen wie der “Tatort” fehlten, weil die Netflix-Vorzeige-Serie “House of Cards” weiter beim Pay-TV-Sender Sky läuft. Außerdem, so die Auguren, gebe es hierzulande schon eine mächtige Streaming-Konkurrenz – von der ProSiebenSat.1-Tochter Maxdome bis zu Amazons Prime Video-Angebot.

Alles richtig aber zehn Monate nach Start muss man festhalten: Netflix läuft. Und es läuft gut. Im 2. Quartal 2015 hat Netflix 3,3 Mio. neue Abonnenten dazugewonnen und kommt jetzt auf 65,55 Mio. Abonnenten weltweit. 900.000 der Neu-Abonnenten stammen aus den USA, der Rest kommt von Netflix’ internationalen Ablegern – also auch aus Deutschland. Wie viele konkret aus Deutschland kommen, verrät der Streamingdienst nicht.

Aus Nutzer-Sicht betrachtet ist Netflix auf jeden Fall ein Gewinn. Und das vor allem aus zwei Gründen:

1. Überragende Technik und User-Experience

Netflix hat im Vergleich mit anderen Streaming-Angeboten die subjektiv betrachtet beste Streaming-Technik. Ausfälle oder Ruckler sind bei einer normalen Internet-Verbindung extrem selten. Hinzu kommt, dass Netflix ausnahmslos alle Inhalte wahlweise in Original-Sprache, synchronisiert und auf Knopfdruck mit Untertiteln anbietet. Bei Amazon Prime beispielsweise muss man Original-Versionen erst mühsam suchen und wenn man sie findet, haben sie meist keine Untertitel. Die Verwaltung verschiedener Nutzer innerhalb eines Netflix-Abos und das Weiterschauen über diverse Geräte (Smartphone, Tablet, TV, Laptop) funktioniert absolut reibungslos. Zwar sind andere Anbieter, wie Amazon oder Maxdome, auch alles andere als schlecht – bei Netflix merkt man aber durchaus die jahrelange Erfahrung beim Anpassen der Nutzerführung an die Kunden.

2. Attraktive Exklusiv-Inhalte

Das Haupt-Verkaufsargument ist der zur Verfügung gestellte Content. Während Ware wie “Breaking Bad” mittlerweile überall angeboten wird, kämpfen die Streaming- und Pay-Anbieter mit exklusiven Inhalten um Kundschaft. Sky hat (für Serienfans) vor allem die Partnerschaft mit dem US-Pay-TV-Sender HBO als Trumpf, weshalb Sky in Deutschland HBO-Topserien wie “Game of Thrones” oder “True Detective” zeigen kann. HBO ist mit der Lizensierung seiner Inhalte sehr zurückhaltend – wer die genannten Serien zeitnah legal sehen will, kommt an Sky nicht vorbei. Netflix hat aber seine Investitionen in teure und attraktive Eigenproduktionen enorm erhöht. Netflix-Serien wie die Superheldenreihe “Daredevil”, das Familiendrama “Bloodline”, das Abenteuer-Epos “Marco Polo” die Sitcom “Unbreakable Kimmy Schmidt” oder die Wachowski-Reihe “Sense 8” sind super-aufwändig in Szene gesetzt und stehen HBO-Produktionen in nichts nach. Wäre Netflix nicht mittlerweile selbst in Deutschland präsent, hätte Sky mit Sicherheit auch gerne die Rechte an “Marco Polo” oder “Daredevil” gekauft. Sky mag die deutschen Ausstrahlungsrechte an allen Staffeln von “House of Cards” besitzen, die Serienhits der Zukunft behält Netflix dann aber lieber für sich. Hier hat das US-Unternehmen durch seine globale Ausbreitung und starke Finanzierung einen immensen Vorteil gegenüber lokalen Playern wie Maxdome. Netflix produziert Serien für ein globales Publikum. Und Netflix hat finanzielle einen langen Atem. Sky weiß das natürlich auch und investiert darum nun auch verstärkt in eigene Serienproduktionen.

Was noch verbessert werden kann

Neben dem Positiven gibt es aus Nutzersicht aber auch einige Punkte, die im Alltagsbetrieb verbesserungswürdig sind. Der viel gepriesene Algorithmus ist bislang eine Enttäuschung. Statt passender Vorschläge zu unterbreiten folgt die Vorschlagslogik von Netflix augenscheinlich einem eher simplen Prinzip. Nach dem Motto: Weil Sie “Mord mit Aussicht” geschaut haben, muss ihnen auch “Stromberg” gefallen. Oder: Weil Sie “Bülent Ceylan” geschaut haben, wie wäre es mit “Dieter Nuhr”? Nur, weil, die Vorschläge jeweils aus derselben Kategorie kommen. Wünschenswert wäre, Netflix würde weniger, dafür bessere Vorschläge machen, was man zu bestimmten Zeiten schauen kann.

Der Algorithmus wird natürlich auch dadurch irritiert, wenn man gemeinsam mit der Familie einen Film schaut. Netflix denkt dann natürlich, dass man eine unstillbare Vorliebe für animierte Trickfilme hat, weil man gemeinsammit dem Kind einen solchen geschaut hat. Hier müsste man dann den Nutzer auf “Kind” wechseln, aber sobald mehr als Zwei Personen gleichzeitig schauen, wird es mit der Nutzer-Verwaltung unübersichtlich.

Eine Problematik beim Netflix-Schauen mit Kindern sind auch die fehlenden Altersangaben bei Eigenproduktionen. So sollte man als Elternteil Netflix-Produktionen wie “Marco Polo”, “Daredevil” oder “Sense 8” durchaus erst einmal “probeschauen”, bevor man sie dem Nachwuchs zu Gemüte führt. Die Netflix-Eigenproduktionen sind nämlich allesamt ohne Altersangaben, teilweise aber alles andere als jugendfrei.

Von solchen (kleinen) Einschränkungen abgesehen, hat sich Netflix aber erstaunlich schnell im heimischen Medien-Menü breitgemacht. Das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut, das Angebot größtenteils attraktiv, Technik und Präsentation sind überragend. Gerade für lokale Streaminganbieter wird es sehr schwer werden, langfristig hier mitzuhalten.

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Alle Kommentare

  1. Es überrascht mich nicht, dass mehr als 50% derer neuen Kunden sind in Ländern wo Netflix ist schon nicht verfügbar und sie verwenden PureVpn zu Netflix anwählen. Ich bin jetzt in Pakistan und Ich habe PureVPN zu anschauen Terminator 1 und A Haunted House 2 auf Amerikanisch Netflix auf mein HD Fernsehen gestern Nacht verwendet. Das ist Spaß, einfach und leicht.

  2. Es überrascht mich nicht, dass mehr als 50% derer neuen Kunden sind in Ländern wo Netflix ist schon nicht verfügbar und sie verwenden PureVpn zu Netflix anwählen. Ich bin jetzt in Pakistan und Ich habe PureVPN zu anschauen Terminator 1 und A Haunted House 2 auf Amerikanisch Netflix auf mein HD Fernsehen gestern Nacht verwendet. Das ist Spaß, einfach und leicht.

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