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Mißfelder-Nachrufe: „Er war das House of Cards von Berlin“

Der CDU-Politiker Philipp Mißfelder ist im Alter von 35 Jahren an einer Lungenembolie gestorben
Der CDU-Politiker Philipp Mißfelder ist im Alter von 35 Jahren an einer Lungenembolie gestorben

Philipp Mißfelder starb in der Nacht auf Montag völlig unerwartet an einer Lungenembolie. Sein früher Tod bewegt und schockiert auch viele Medienmacher, die in Nachrufen an den CDU-Politikern erinnern – und um einen so außergewöhnlichen wie streitbaren Charakter trauern.

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Bild-de-Chef Julian Reichelt betont: „Über Typen wie Philipp Mißfelder sagt man in Amerika, they don’t make guys like him anymore, Männer wie er werden eigentlich nicht mehr gebaut.“ Mißfelder sei ein „political animal“ gewesen, ein „Politik-Besessener, Konservativer, Transatlantiker“. Er habe die Politik entlang menschlicher Linien gelebt, geliebt und analysiert: „Er wusste, wer wie tickt. Er war das ‚House of Cards‘ von Berlin. Mißfelder liebte es, die politische Seele von Menschen auszuleuchten. Ich wünschte, er könnte noch miterleben, was nun geschieht.“

Kai Biermann und Michael Schlieben bezeichnen Mißfelder bei bei Zeit Online als „eines der größten Politikertalente in der Generation Kohl“ und fassen seine Karriere zusammen: „Mißfelder selbst stand nie für eine bestimmte politische Position, für Inhalte. Viele sahen in ihm nur den Karrieristen, den Streber, den Machtpolitiker. Er selbst war stets der Erste, der das bestätigte, der sich freimütig dazu bekannte, dass er vor allem Einfluss wollte. Er sah darin nichts Schlechtes. Es ist ja, aus dem Inneren des politischen Betriebes betrachtet, nur konsequent. Mißfelder wollte zwar Karriere machen, glatt jedoch war er nicht. Er hatte eine Haltung und machte aus ihr zumindest dann keinen Hehl, wenn sie ihm nicht zu sehr schadete.“

Henning Krumrey schreibt in der Wirtschaftswoche: „Frei von Eitelkeit war der Zwei-Meter-Hüne nicht: Einen gnadenlosen Verriss im „Spiegel“, den Parteifreunde als Vernichtung werteten, sah er als Ausdruck von Respekt – ‚auf sieben Seiten‘. Mißfelder galt in der CDU lange als großes politisches Talent, von denen die Partei nicht allzu viele aufzuweisen hat.“

„Er war der profilierteste Unionspolitiker seiner Generation – und der ungewöhnlichste: Er hielt zu Helmut Kohl, verteidigte Israel leidenschaftlich und redete mit Putin“, bilanziert Robin Alexander bei Welt.de. „Als typische Politikerkarriere ist Philipp Mißfelders Weg oft beschrieben worden, dabei war sie das ganze Gegenteil. Höchst eigenwillig war es für einen Teenager aus dem roten Ruhrgebiet, sich in den grünen 80er-Jahren ausgerechnet die CDU auszusuchen: als politische Heimat, im wahren Sinn des Wortes“, so Alexander. „Es ist seltsam, aber so ist es: Mit dem 35-jährigen Philipp Mißfelder verliert der Bundestag einen seiner erfahrensten Abgeordneten.“

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Torsten Denkler erklärt in der Süddeutschen: „Es war immer lohnend, mit Mißfelder zu reden. Er sprach offen aus, was er dachte. Überraschend offen. Die CDU ein Kanzlerwahlverein? Klar, was sonst. Merkel lähmt die Republik? Na sicher. Mißfelder hätte einiges sehr gerne sehr anders gemacht (…). Mißfelder war ein Politiker, der wusste, wie Karrieren gemacht werden. Sein System bestand aus Geben und Nehmen. Gefallen für Gegengefallen. Kohl ist auf diese Art Kanzler geworden. Was Mißfelder hätte werden können, wird auf dieser Welt nicht mehr zu entscheiden sein“

Um einen „menschlichen Politiker und guten Freund“ trauert im Tagesspiegel auch der Sozialdemokrat und Chef der Berliner Senatskanzlei Björn Böhning: „Gibt es Freundschaften, die an Parteigrenzen nicht enden? Gibt es Menschen in der Politik? Es gibt sie. Philipp Mißfelder war ein Mensch. Er war mein Freund, auch über große Meinungsverschiedenheiten hinweg. In der Nacht zum Montag ist er im Alter von 35 Jahren überraschend verstorben. Als Sozialdemokrat wie als Mensch empfinde ich eine tiefe Trauer.“

Wie sehr der frühe Tod des Außenpolitkers die Menschen bewegt hat, zeigt sich auch in den Wikipedia-Statistiken: Die Seite „Lungenembolie“ war am Montag mit über 163.000 Abrufen die meistgeklickte in der deutschsprachigen Wikipedia. Philipp Mißfelder hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

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Alle Kommentare

  1. Bisschen rechnen können, wäre nicht schlecht. In den „grünen 80er Jahren“ war Philipp Mißfelder kein Teenager, sondern im Kindergarten- und Grundschulalter. Dass er sich damals, im Sandkasten, bereits seiner politischen Heimat bewusst war, wage ich dann doch zu bezweifeln.

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